560 000 Nutzer

16. August 2012 13:22; Akt: 16.08.2012 22:29 Print

Rega-App rettete schon 400 Mal Menschen in Not

von Oliver Wietlisbach - Die Rega-App ist Anfang 2011 mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet. Doch bewährt sich die Notfall-App im Alltag? Und was tut man, wenn man ausgerechnet im Funkloch verunfallt?

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Immer öfter erfolgt der Hilferuf per Smartphone-App.

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Seit dem 2. Februar 2011 leben iPhone-Nutzer mit der Rega-App ein wenig sicherer. Im Fall der Fälle können sie mit zwei Klicks einen Rettungshelikopter anfordern. Seit Anfang Jahr gibt es den smarten Helfer auch für Android-Phones. 560 000 Mal wurde die App bis heute installiert. Davon verzeichnete das iPhone 455 000 Downloads, weitere 105 000 Downloads gehen auf das Konto von Android-Nutzern. Für Windows Phone und BlackBerry gibt es die App vorerst nicht.

80 bis 90 Prozent aller Notrufe, die bei der Rega eingehen, werden von Partnern vermittelt. Hierzu zählen Meldungen von der Polizei, Feuerwehr oder Anrufe bei der Notrufnummer 144. Von den übrigen 10 bis 20 Prozent Alarmierungen gelangt bereits eine von vier über die Smartphone-App in die Rettungszentrale.

Spektakuläre Rettungseinsätze sorgen für positive Schlagzeilen wie «Rega-App rettet Gleitschirm-Pilot». Doch wie vielen Menschen hilft die App tatsächlich aus der Patsche? «Gegen 400 Mal wurde die Rega im Ernstfall über die App alarmiert und eine Rettung ausgelöst», sagt Mediensprecherin Ariane Güngerich auf Anfrage. Der Vorteil der App ist, dass nicht nur eine Telefonverbindung aufgebaut wird, sondern automatisch die genauen Koordinaten sowie die vorher in der App angegeben Personendaten übermittelt werden. «Dies ist besonders hilfreich, wenn die Betroffenen selbst nicht genau angeben können, wo sie sich befinden», betont Güngerich.

Punktgenaue Rettung

Die Ortsangaben aus der App helfen, um den Rettungshelikopter präzise zur Unfallstelle zu führen. So auch im Juni, als sich ein 48-jähriger Mann in unwegsamem Gelände oberhalb von Flums eine Fussverletzung zuzog. Wegen der Verletzung konnte er nicht mehr laufen, wie die Polizei mitteilte. Da er am Telefon nicht genau sagen konnte, wo er sich befand, half ihm die Polizei, die Rega-App auf seinem Smartphone zu installieren. Danach konnte er innert kurzer Zeit von der Rega geortet und geborgen werden. Kein Einzellfall, wie Rega-Sprecherin Güngerich bestätigt: «Wir haben schon mehreren Verunfallten am Telefon geholfen, die Rega-App zu installieren, damit wir die Personen genau lokalisieren konnten.»

Längst nicht jeder hat aber die Ortungsfunktion – also das GPS-Signal – bei seinem Smartphone aktiviert. Eigentlich aus gutem Grund: Diese Funktion kann gefährlich sein, weil sie auch dubiosen App-Anbietern die ständige Überwachung des Aufenthaltsorts erleichtert.

Wichtig: GPS im Smartphone einschalten

Doch: «Die Lokalisierung der Hilfesuchenden ist mit aktivierter Ortung viel genauer», sagt Güngerich. Hat jemand die Funktion ausgeschaltet, wird trotzdem eine Sprachverbindung erstellt und die hinterlegten Personendaten werden übermittelt. Die Lokalisierung ist allerdings ungenau, entsprechend schwieriger ist es für die Piloten, den Hilfesuchenden rasch zu finden. «Bei ausgeschaltetem GPS sagen wir dem Verunfallten, dass er die Ortung nach dem Gespräch einschalten und nochmals einen Alarm auslösen soll», sagt die Mediensprecherin. So kann die Rega den Rettungshelikopter unverzüglich losschicken und der Pilot erhält die genauen Koordinaten nachgeliefert.

Die Fähigkeiten der App gehen so weit, dass die Einsatzkräfte sogar den Akkustand des Handys des Betroffenen ablesen können. «So kann auf SMS-Kontakt umgeschaltet werden, wenn das Mobiltelefon sonst abzuliegen droht», erklärt die Rega-Mediensprecherin.

Und was ist im Funkloch?

Theoretisch funktionieren Apps auch ohne Handy-Netz – nur mit WLAN. Da die Rettung aber erst nach telefonischem Kontakt eingeleitet wird, ist ein Verunfallter auf das Mobilfunknetz angewiesen. Funklöcher gibt es aber längst nicht nur im Alpenraum. Auch im Flachland und insbesondere in Gebäuden – wo es laut der Rega viele Notfälle gibt – ist der Netzempfang keineswegs garantiert. Wer im Keller einen Herzinfarkt erleidet, kann daher auch mit installierter App nicht zwingend auf schnelle Hilfe hoffen. Im Gegenteil: «Eine App benötigt mehr Kapazität als eine SMS», teilt Swisscom-Sprecher Sepp Huber auf Anfrage mit. Bei schlechter Verbindung könne hingegen eventuell noch ein SMS verschickt werden.

MacGyver-Rettung funktioniert nicht

Im Internet geistern Dutzende Legenden umher, wie Verunfallte im Funkloch auf MacGyver-Art eine rettende SMS abgesetzt haben wollen. Hilft es etwa, das Handy hoch in die Luft zu werfen, um in extremis eine Rettungsmeldung zu senden? Oder lässt sich der Empfang verbessern, wenn die Datenverbindung gekappt wird? Alles Humbug, heisst es hierzu bei Sunrise. «Die angeblichen Tricks bringen nichts», stellt Firmensprecher Tobias Kistner klar.

Das Sunrise-Netz deckt nach eigenen Angaben 84,6 Prozent der Fläche der Schweiz ab. Die Swisscom macht keine genauen Angaben, stellt aber eine Online-Karte zur Verfügung, die zeigt, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, in ein Funkloch zu geraten. Für Verunfallte spielt es glücklicherweise keine Rolle, bei welchem Netzprovider sie sind: «Ein Notruf kann auch über die Netze der anderen Anbieter getätigt werden», sagt der Swisscom-Sprecher.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kellergeist am 16.08.2012 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Gruss aus dem Keller

    Mit Sunrise unbrauchbar, habe sogar im Haus im Keller unten nicht mal Netz. Aber ich möchte auch gar nicht jammern, besser Sunrise als Swisscom, die zocken einen sowieso nur ab.

  • Walter am 16.08.2012 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Energieschlucker GPS

    Das Problem der App ist, dass man ständig das GPS eingeschaltet haben muss, und das frisst ziemlich viel Energie, ein Handy vollgeladen inkl. GPS hält nur ein paar Stunden, bestenfalls!!!

    einklappen einklappen
  • urs ammon am 16.08.2012 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seriös recheriert

    Letzten Samstag musste meine Frau, nachdem sie sich das Bein auf 1200müM am Pilatus gebrochen hat, ausgeflogen werden. Hat mit dem APP perfekt funktioniert. ... Gibt übrigens ein uTube "REGAinAction"

Die neusten Leser-Kommentare

  • Skeptiker am 17.08.2012 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Subtile Werbung für Apps & Co.

    Wieviele von den 400 waren tatsächlich ernste Fälle und fördert das nicht auch den Notrufmissbrauch? So ganz nebenbei, interessant, was Apps alles sonst noch über den User übermitteln. Long Term Evolution lässt grüssen.

  • paulet am 16.08.2012 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wp

    windows phone?

  • Hansjürg Müller am 16.08.2012 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es stellt sich aber noch ein Frage!

    Wie oft wurde die App missbräuchlich verwendet - sei es aufgrund einer Fehlbedienung, sei es, weil man einfach müde gewesen war und sich dann bequem hat "retten" lassen?

    • flo am 17.08.2012 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      geld...

      dann wirds RICHTIG teuer! Meinen Stiftenlohn würde nicht reichen.. es gibt aber eine test-funktion

    • Mario M. am 17.08.2012 10:09 Report Diesen Beitrag melden

      spielt das eine Rolle?

      also wenn auch nur das Leben eines einzigen Menschen gerettet werden kann, dann rentiert ja das App vollkommen, egal wieviele Missbräuche oder Falschmeldungen eingegangen sind. oder sehen sie dies anders? ausserdem können die Notrufe ja verfolgt werden und wer dies missbräuchlich anwendet oder wegen Husten die Rega ruft, der wird anschliessend auch zur Kasse gebeten!

    • Franz Paul am 17.08.2012 11:27 Report Diesen Beitrag melden

      Besser zuviel als zuwenig

      Mein Onkel arbeitet bei der Rega... ich habe ihm letzens dieselbe Frage gestellt. Angeblich halte sich der Missbrauch in Grenzen. Es wird ja immer noch eine Telefonverbindung aufgebaut. Ich denke es ist auf alle Fälle besser 10x zuviel loszufliegen als 1x zuwenig

    einklappen einklappen
  • thomas hofer am 16.08.2012 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    App ist gut

    Dieses App muss ich mir im Android Store jetzt holen gehen.

  • Andreas K. am 16.08.2012 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und ohne App?

    Das tönt ja gerade so als ob all diese Leute sonst nicht hätten gerettet werden können. Trotzdem ne sehr gute App.