Ex-Facebook-Chef Sean Parker

10. November 2017 13:59; Akt: 10.11.2017 14:10 Print

«Facebook nutzt Schwäche in Psyche aus»

Der frühere Facebook-Präsident Sean Parker warnt vor sozialen Medien. Er selber ist deshalb bei keinem Netzwerk mehr dabei.

storybild

Sean Parker an der Web-2.0-Konferenz in San Francisco 2011.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Erfinder der Musik-Tauschbörse Napster und frühere Präsident von Facebook, Sean Parker, warnt vor den Folgen der Nutzung sozialer Medien. Diese seien darauf ausgelegt, Schwächen der menschlichen Psyche auszunutzen.

«Es ändert buchstäblich euren Umgang mit der Gesellschaft und untereinander» sagte Parker am Mittwoch (Ortszeit) auf einer Veranstaltung der US-Nachrichtenwebsite «Axios» in Philadelphia. «Es stört wahrscheinlich auf komische Weise eure Produktivität. Gott allein weiss, was es mit den Gehirnen unserer Kinder macht.»

Am Anfang aller sozialer Netzwerke habe die Frage gestanden, wie man möglichst viel Zeit der Nutzer beanspruchen könnte und dabei ihre höchstmögliche Aufmerksamkeit bekomme.

Dopamin-Kicks

Um dieses Ziel zu erreichen, verpasse Facebook seinen Mitgliedern ab und an einen Dopamin-Kick, nämlich wenn ein anderer Nutzer auf die Posts reagiert. Das wiederum motiviere die Nutzer, ihrerseits mehr Inhalte und Reaktionen zu produzieren.

Dieser Mechanismus sei ein Kreislauf, eine Schleife der sozialen Bestätigung. Das sei genau die Art von Dingen, die sich ein Hacker wie er selbst ausdenken würde, «da es eine Schwäche in der menschlichen Psyche ausnutzt».

Die Erfinder der sozialen Medien – Mark Zuckerberg, Kevin Systrom von Instagram, aber auch er selbst – seien sich dessen bewusst gewesen. «Und wir haben es trotzdem getan». Früher habe er Freunden, die sozialen Medien skeptisch gegenüber standen, gesagt «am Ende bekommen wir dich auch». Inzwischen verweigere er sich selbst den Netzwerken, sagte Parker, der durch seine Facebook-Anteile zum Milliardär wurde.

(sep/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 10.11.2017 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    hört auf mit dem Quatsch....

    lest ein Buch oder geht mit richtigen Freunden fort. Seid ihr so unsicher, dass ihr Likes braucht? Und auch wenn Ihr das Gefühl habt, z.B. ohne Facebook etwas zu verpassen, glaubt mir, es ist genau umgekehrt, denn draussen findet das wahre Leben statt....

    einklappen einklappen
  • Simu Lant am 10.11.2017 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Bin fast wie er.

    Das tue ich auch. Leider nicht als Milliardär.

    einklappen einklappen
  • Simi am 10.11.2017 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ergibt irgendwie Sinn

    Hört sich für mich nachvollziehbar an. Es gibt ja auch Studien, die festgestellt haben, dass Smartphone-Nutzung schon bei Kindern vergleichbare Abhängigkeits-Effekte erzeugt wie Heroinkonsum. Das liegt natürlich weniger am Smartphone, sondern weil das Hirn ständig mit Reizen stimuliert wird. Warum schreibe ich denn diesen Kommentar? Vielleicht, weil ich mir Reaktionen erhoffe? Wer weiss, jedenfalls bin ich überzeugt, dass die Möglichkeiten zur Interaktion im heutigen Internet einige miese Effekte auf unser Hirn haben. Versucht doch mal einen Smartphone- und Internetfreien Monat. Viel Erfolg!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • stevenson am 20.11.2017 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Facebook ist tot

    Jedenfalls in der Schweiz. In anderen Ländern wird (noch) immer fleissig gepostet und kommentiert. Ich bin zu "müde" für fb

  • AlexK am 17.11.2017 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hm

    Ich merke haargenau, wenn auf einer Plattform Prozesse eingeleitet werden, die mich aus marketingtechnischen Gründen zur Empfindung von Freude verleiten lassen sollten. Lösung: Pragmatik. Gehe ich auf Facebook, weiss ich vor der Anmeldung bereits wad ich tun will. Nachrichten schreiben, oder mich bewusst der Dekadenz ausliefern. Solange ich die kontrolle habe, kann die KI aus meinem Handlungen nicht schlau werden.

  • M. Arketing am 13.11.2017 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Werbung und Marketing funktioniert so

    Und wer jetzt glaubt, er sei ohne SocialMedia von diesem Phänomen verschont, der irrt gewaltig: Sämtliche Verkaufs- und Werbungs- und Marketingstrategien beruhen auf solchen Prinzipien und wenn man ein Verkaufsgeschäft betritt, wurde man genau unter Ausnutzung dieser Schwächen zum Kauf animiert. Schön dass er wenigstens zugibt, dass er sich dessen bewusst ist!

  • Radiesli am 13.11.2017 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Langzeitstudien werden erschrecken

    War mir eigentlich innert kürzester Zeit selber klar, darum bin ich recht bald wieder ausgestiegen. Die negative Veränderung in der Gesellschaft + vorallem die Indoktrinierung von Teilen der Gesellschaft, ohne dass diese das bemerken, macht mir grosse Sorgen. Völlig ungeklärt sind zur Zeit die Auswirkungen, die Social Media auf unser Gehirn hat, das meine ich durchaus auch im organischen Sinn. Es ist unklar, wie es auf unverbrauchte Kinderhirne wirkt und auf Resultate von Langzeitstudien müssen wir noch 10 oder mehr Jahre warten, da erst jetzt eine Full-Social-Media Generation heranwächst.

  • Phil am 13.11.2017 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Segen und Fluch....

    zugleich. Das erlangen von Wissen ist im digitalen Zeitalter um einiges einfacher geworden, die Überprüfbarkeit und der Hintergrund der Informationen ist teils jedoch schwer nachvollziehbar. Der digitale unpersönliche Kontakt ersetzt vielfach den persönlichen Kontakt zwischen den Menschen, jedoch ist es um einiges einfacher mit Menschen in Kontakt zu kommen. Wie bei allem anderen entscheidet der Anwender wie er dies Handhaben möchte.