Masse statt Klasse?

07. Januar 2010 11:21; Akt: 08.01.2010 05:15 Print

Microsoft ärgert Apple ein bisschen

von Henning Steier, Las Vegas - Steve Ballmer hat in seiner Eröffnungsrede der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas nicht - wie vermutet - einen Tablet-PC präsentiert. Stattdessen zeigte er gleich drei Rechner ohne Tastatur. Die IT-Welt ist trotzdem nicht viel schlauer als vorher.

So soll der von Microsoft gemeinsam mit HP realisierte Slate-PC aussehen.
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Nachdem kurzzeitig der Strom im Las Vegas Convention Center ausgefallen war, betrat der Microsoft-Chef gestern Abend in gewohnt impulsiver Manier die Bühne, um zunächst eine Bilanz des Jahres 2009 zu ziehen. Vor allem das Weihnachtsgeschäft habe dazu beigetragen, das schwierige Jahr zu überstehen, sagte Ballmer. Denn in den Wochen vor dem Fest sei der PC-Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen. «Weltweit wurden laut den Analysten von Gartner 2009 etwa 300 Millionen PCs verkauft, für 2010 erwarten sie ein Plus von zwölf Prozent», sagte Ballmer.

Wer den Blick immer wieder in die Runde schweifen liess, bemerkte, dass die Zuschauer immer unruhiger wurden. Denn die meisten warteten wohl gespannt, ob sich die Gerüchte bewahrheiten würden, dass Microsoft Apple zuvorkommen und einen Tablet-PC präsentieren würde. Denn der Apfel-Konzern soll seinen Rechner namens «iSlate» erst am 26. Januar präsentieren wollen. Erst zum Ende seiner Keynote erfüllte Ballmer die Erwartungen der Zuschauer, indem er drei Tablet-PCs präsentierte, die er als Slate-PCs bezeichnete. Einer sei von Archos, einer von Pegatron und einer von Hewlett-Packard (HP). Dass er letzgenannten zeigen würde, galt vorab nach diversen Medienberichten als ausgemacht. Das Wort Slate heisst übersetzt Schiefertafel.

Kurze Präsentation

Während der Microsoft-Chef die beiden erstgenannten Computer liegen liess, nahm er den HP-Rechner kurz in die Hand. Ballmer nutzte die Software Kindle for PC, um in einem eBook zu blättern und spielte anschliessend das obige Demo-Video von Hewlett-Packard. Technische Details nannte er nicht, erkennbar war nur, dass der Rechner als Betriebssystem Windows 7 nutzt. Zur Verfügbarkeit sagte Ballmer nur, dass der Rechner noch 2010 in den Handel kommen solle.

Bereits vor acht Jahren hatte Microsoft-Gründer Bill Gates in seiner Keynote auf der CES einen Tablet-PC samt der zugehörigen Technologie namens Mira vorgeführt. Es konnte sich allerdings nie durchsetzen. Auf Microsofts gescheiterten Versuch, Tablet-PCs massenmarktfähig zu machen, ging Steve Ballmer gestern Abend nicht ein. Er verliess nach seiner knapp einminütigen Präsentation des HP-Rechners ebenso schnell die Bühne wie er sie betreten hatte. Daher erfuhren die Besucher der Keynote auch nichts Neues über einen Konzept-PC namens Courier, von dem seit September 2008 Bilder und Videos im Netz kursieren. Demnach soll das so genannte «Infinite Journal» Herz des Ganzen sein. Das Skizzenbuch soll sich leicht online stellen und als Courier-, PDF- oder PowerPoint-Datei ausdrucken lassen. Eine virtuelle Tastatur war im Clip nicht zu sehen. Ausserdem sieht es so aus, als sei das Booklet der Redmonder nicht dazu gedacht, Musik zu hören, Filme zu schauen oder eBooks zu lesen.

Google und Apple in den Startlöchern?

Neuigkeiten zum Thema Tablet könnte Apple am 26. Januar liefern. Denn dann sollen die Kalifornier Gerüchten zufolge ihr Exemplar namens iSlate auf einer Veranstaltung in San Francisco präsentieren wollen. Denn dort sollen sie laut einem Zeitungsbericht im «Yerba Buena Center for the Arts» eine Bühne gebucht haben. 2007 hatte sich Apple die Rechte an der Domain islate.com gesichert. Wie 20 Minuten Online berichtete, soll Google seit 18 Monaten mit dem Smartphone-Hersteller HTC an einem Tablet-PC arbeiten, auf dem das Betriebssystem Chrome OS laufen soll. Traditionell äussern sich Apple und Google nicht zu derartigen Gerüchten.