Innovationen

14. Januar 2010 14:27; Akt: 14.01.2010 15:23 Print

Wann erleben 3D-Pornos den Durchbruch?

Erotikstars, die aus dem Fernseher ins Wohnzimmer zu treten scheinen. Darauf dürften viele Sexfilmfans Lust haben. Die Branche zögert aber, in eine weitere Dimension vorzustossen.

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3D-Pornos: Brillen als Hindernis

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Wie 20 Minuten Online berichtete, war 3D-TV ein grosses Thema auf der am Wochenende zu Ende gegangenen Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. Auf der weltgrössten Messe für Unterhaltungselektronik zeigten unter anderem LG und Panasonic Fernseher für die neue Dimension. Laut einer Studie der Marktforscher von DisplaySearch sollen bis 2018 rund 64 Millionen 3D-ready-TV-Geräte verkauft werden. Bis dahin soll der Markt für 3D-Displays einen Umsatz von knapp 22 Milliarden US-Dollar liefern. Die Gerätehersteller setzen allerdings noch auf Shutterbrillen. Fernsehen ohne Nasenvelo wird also noch auf sich warten lassen. Die Industrie hat sich ausserdem erst auf einen Standard für DVDs und Blu-ray-Discs geeinigt. Für letztgenannte kündigte unter anderem Samsung mit dem BD-C6900 einen 3D-fähigen Player an.

Fussballweltmeisterschaft in 3D

Ankündigungen zu 3D-TV gibt es trotzdem schon interessante: Der US-Sportsender ESPN plant den Start eines 3D-Kanals für 2010. Er soll mit dem Auftaktspiel der Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika gestartet werden: Das Match zwischen Südafrika und Mexiko am 11. Juni soll live in stereoskopischem 3D übertragen werden. Für das kommende Jahr haben Discovery, IMAX und Sony einen gemeinsamen 3D-Sender angekündigt. Er soll neben Sport- auch Unterhaltungssendungen und Dokumentationen zeigen. Schon im Juli 2009 hatte der britische Pay-TV-Anbieter BSkyB bekannt gegeben, noch dieses Jahr in England einen 3D-Kanal an den Start zu bringen. Pläne für Schweizer 3D-Sender sind bislang nicht bekannt geworden.

Parallel zur CES findet jedes Jahr in Las Vegas die Sex-Messe Adult Entertainment Expo (AEE) statt, auf der sich 20 Minuten Online ebenfalls umgesehen hat und unter anderem den ersten Sex-Roboter der Welt, Roxxxy, entdeckt sowie mit dessen Macher ein Interview geführt hat. In puncto 3D war auf der AEE allerdings nicht viel zu sehen. Journalisten von itworld.com haben sich bei Branchenvertretern nach den Gründen dafür umgehört. «Wir denken, dass es erst im vierten Quartal 2010 genügend Besitzer von 3D-Fernsehern geben wird, so dass sich die Produktion entsprechender Filme lohnen könnte», sagte Rob Smith von der Hustler Video Group dem Magazin. Für die klassische Filmbranche sind Kinos nach wie vor ein attraktiver Absatzkanal, während es kaum noch Porno-Kinos gibt. Daher ist die Erotikbranche davon abhängig, dass genügend Kunden sich für einen 3D-Fernseher entscheiden, auf dem sie die Filme anschauen können. Kino-Erfolge wie «The Stewardesses», einer der ersten 3D-Pornos für die grosse Leinwand, welcher bei Produktionskosten von rund 100 000 ein Einspielergebnis von etwa 27 Millionen US-Dollar erzielte, dürften sich für die Branche demnach nicht wiederholen lassen.

Hürden für Produktionsfirmen und Zuschauer

«Unsere Standard-Filme kosten bis zu 40 000 Dollar, 3D-Versionen wesentlich mehr. Daher sind sie für uns bislang einfach zu teuer», sagte Graham Travis von der Produktionsfirma Elegant Angel. Ali Joone, Gründer von Digital Playground, bezifferte den Kostenunterschied auf etwa 30 Prozent, was unter anderem an einer aufwändigeren Postproduktion liege. Joon sieht aber noch ein weiteres zentrales Hindernis für einen schnellen Durchbruch von 3D-Pornos: «Die benötigten Brillen sind die Barriere schlechthin, denn die Zuschauer wollen keine tragen, wenn sie solche Filme gucken.»

Lance Johnson vom Unternehmen Bad Girls in 3D hatte für Erotikfilmfans auf der Adult Entertainment Expo ein eigenes Angebot dabei: eine Kombination aus einem 60-Zoll-3D-ready-TV-Gerät von Mitsubishi, einem Rechner und 3D-Brillen, die für umgerechnet etwa 4000 Franken zu haben sein soll. Weitere Brillen verkauft er für umgerechnet rund 125 Franken, die monatliche Abo-Gebühr für seine Porno-Webseite schlägt mit rund 20 Franken zu Buche. Im Gegensatz zu seinen Kollegen gab er sich vollends überzeugt: «2010 wird das Jahr von 3D.»

(hst)