Game-TV

05. Mai 2018 13:35; Akt: 05.05.2018 13:35 Print

Wie aus einem spontanen Einfall Twitch wurde

von Jan Graber - Twitch ist derzeit der wichtigste Kanal für Gamefans und E-Sport-Übertragungen. Der wegweisende Dienst wurde aus der Not heraus geboren.

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Die Geschichte beginnt mit einer Start-up-Ermüdung. Nachdem die beiden Yale-Studenten Justin Kan und Emmett Shear mehr als ein Jahr ohne Einkommen damit verbracht hatten, eine Kalender-App zu entwickeln, mussten sie zuschauen, wie Google den Google-Kalender lancierte – und ihrer eigenen Idee den Todesstoss versetzte. Die Diskussion, wie sie weitermachen sollten, brachte sie indessen auf die nächste Idee: Wie wäre es, wenn man ihr Gespräch im Web mithören könnte? Noch besser: Wie wäre es mit einem öffentlichen Live-Video-Feed während 24 Stunden, sieben Tage die Woche?

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Damit war 2007 Justin.tv geboren – ein Live-Stream, bei dem sich Justin Kan rund um die Uhr selbst filmte. Weder Kan noch Shear hatten allerdings damit gerechnet, wie viel Aufmerksamkeit der Stream generieren würde. «Wir waren zwar sicher, eine neue Form der Unterhaltung gefunden zu haben», schrieb Justin Kan 2011 auf Techcrunch.com. Welche Auswirkungen ihre Idee hatte, wurde ihnen aber erst einige Jahre später bewusst.

Liebe für Games

«Nach dem Start von Justin.tv fragten wir uns, wie wir weitermachen sollten», erklärt Kevin Lin, der 2008 dazugestossen ist, gegenüber 20 Minuten. Mittlerweile war aus Justin.tv ein genereller Streamingdienst geworden und wurde auch von anderen Anbietern genutzt. «Als ‹StarCraft›-Fans schauten wir auf Justin.tv selbst Feeds zur anstehenden Veröffentlichung von ‹StarCraft 2› und stellten fest, dass wir die Liebe zu Game-Inhalten mit vielen anderen Zuschauern teilten.» Nach einer kurzen Evaluation wagten sie 2011 den nächsten Schritt: Twitch – ein Streaming-Dienst nur mit Gameinhalten.

Mittlerweile ist Twitch zum bedeutendsten Streaming-Kanal für Gamefans geworden. Täglich zieht der Kanal über 15 Millionen Zuschauer an, die durchschnittlich zwei Stunden auf dem Portal verbringen. Über zwei Millionen Streamer füttern den Dienst monatlich mit Inhalten. Neben «Let’s Play»-Videos werden E-Sport-Turniere, aber auch Live-Streams von Pressekonferenzen grosser Publisher übertragen. Ebenso wichtig wie die Streams sind die Live-Chats der Zuschauer, die live neben den Videos eingeblendet werden. Kevin Lin: «Die Community ist ein zentrales Element von Twitch. Zuschauer kommunizieren im Chat direkt miteinander, treten aber auch in direkten Kontakt mit den Streamern.»

Das nächste Level

Der Erfolg von Twitch liege auch darin, dass der Dienst auf die Inhaltsanbieter zugeschnitten sei, sagt Lin: «Wir arbeiteten von Anfang an eng mit Game- und E-Sport-Profis zusammen, um ihre Bedürfnisse zu erkennen.» So sei eine enge Bindung mit den Inhaltsanbietern entstanden, die mit Streaming ihre Brötchen verdienen. Ein Grossteil des Einkommens wird durch Partnerprogramme generiert, über welche Werbung, Merchandising-Artikel, Abos und Games verkauft werden. Zusätzliches Geld wird durch Sponsoring-Verträge generiert. Genaue Zahlen veröffentlicht Twitch aber nicht.

Bei Game-Streams allein soll es nicht bleiben. «Obwohl der beliebteste Inhalt immer noch mit Games zu tun hat, haben wir das Feld erweitert», sagt Lin. Mittlerweile werden auch Anime-, Wrestling-, Fitness- und weitere Streams angeboten. Besonders beliebt sei die Kategorie «Creative», wo Künstler, Köche, Songwriter und andere ihr Handwerk vorführen. Kurz: Der anfängliche Start-up-Kater hat sich in eines der wegweisenden Medien des Internet-Zeitalters verwandelt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • inter net am 05.05.2018 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    twitch-fan

    Toll dass auch in der Schweiz eine Szene entsteht. Mit den Swiss angry noobs, srf digital, geekstübli, roqa und so weiter habe ich langsam mehr spass als mit netflix.

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  • Bobby am 05.05.2018 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bob

    Twitch am liebsten unterhaltet von Bob Ross.

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  • Saeda am 07.05.2018 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Den TV abgelöst

    Twitch ist für mich das neue Hauptmedium wenn es um Unterhaltung geht. Nach einer Weile ist man als Zuschauer auch in Spielen und Unterhaltungen integriert, wenn man aktiv am Chat teilnimmt, man lernt die Hosts in ihren Unterhaltungen auch als Personen kennen, und die Geschichten, die zum Beispiel Dungeons & Dragons Gruppen erzählen, übertreffen allen Quark im mainstream-TV. Und: Wenn ich hier ein Abo zahle oder Bits verteile, unterstütze ich direkt die Content Creators. Wieso soll ich da noch den Fernseher einschalten?

Die neusten Leser-Kommentare

  • anotherStreamer am 08.05.2018 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Also mir Persöhnlich...

    ...macht es ja mehr Spass selber zu streamen als "irgendwem" zuzuschauen. Aber das liegt vielleicht auch am allgemeinen Zeitmangel den man ab 30 hat ^^

  • T.M. am 07.05.2018 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schade drum

    Seit Amazon Twitch übernommen hat, lass ich schön die Finger davon. Sobald etwas spass macht und ein bisschen Erfolg hat, kommt irgend eines dieser Datenkraken-Unternehmen und reisst es sich unter den Nagel. Gut, wer sammelt heute schon keine Daten? Aber gewisse Unternehmen zielen einzig darauf ab. Amazon, Google, YouTube, Android (allgemein fast alles was zu Alphabet gehört), Facebook usw. wären faktisch tot wenn datensammeln weltweit verboten würde. Einzig das besagte Sklaventreiber-Online-Versandhaus wäre noch an der Börse notiert bzw. hätte einen monetären Wert.

  • Saeda am 07.05.2018 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Den TV abgelöst

    Twitch ist für mich das neue Hauptmedium wenn es um Unterhaltung geht. Nach einer Weile ist man als Zuschauer auch in Spielen und Unterhaltungen integriert, wenn man aktiv am Chat teilnimmt, man lernt die Hosts in ihren Unterhaltungen auch als Personen kennen, und die Geschichten, die zum Beispiel Dungeons & Dragons Gruppen erzählen, übertreffen allen Quark im mainstream-TV. Und: Wenn ich hier ein Abo zahle oder Bits verteile, unterstütze ich direkt die Content Creators. Wieso soll ich da noch den Fernseher einschalten?

  • Generation Hobbielos am 07.05.2018 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    2018:

    "Ich schaue irgendwelchen Globis zu wie sie gamen"

    • Mensch: Schon immer Hobbylos am 07.05.2018 10:57 Report Diesen Beitrag melden

      Hauptsache motzen

      Generation ein früher: "Ich schaue irgendwelchen 22 Globis zu wie sie einem Ball nachrennen" ;)

    • Mike am 07.05.2018 11:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Generation Hobbielos

      Im Gegensatz zu einigen Kollegen die ständig nur Sport im Fernseher schauen habe ich neben dem Gamen noch einige andere Hobbies.

    • Generation Hobbielos am 07.05.2018 11:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Mensch und Mike

      Professioneller Sport hat nichts damit zu tun irgend einem Lauch auf Twitch zuzuschauen wie er in seinem Keller Warcraft zockt. Da zock ich lieber selbst.

    • Vorgeneration Hobbielos am 07.05.2018 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      1998

      Ich schaue 22 Globis zu, wie sie einem Ball nachrennen. Im Ernst, ich habe grossen Respekt vor jedwedem Sport und akzeptiere, dass sich die Unterhaltung der Menschen wandelt. Vor 2000 Jahren ging man zur Unterhaltung in die Gladiatorenarena zuschauen, heute halt was anderes.

    • Loki am 07.05.2018 13:21 Report Diesen Beitrag melden

      Generation 1001 Hobbies

      ÄH , Ich 43, bin immer wieder auf Twitch um mir interessante Spieletitel im Vorfeld anzuschauen. Denn nur so , sehe ich endgültig , ob das Spiel etwas für mich ist oder nicht. Ich finds genial. Zudem , 2-3 Stunden Zocken (PUBG oder BF1) verbrennen bei mir mehr Kalorien , als wenn ich das Bier vor dem Fernseher saufe. Übrigens , was genau ist TV ? Habs vergessen. Lieber unterhalte ich mich mit einem 18-20 Jährige(n) von Heute als mit alten mürrischen Säcken die von nichts eine Ahnung haben aber alles kritisieren da Sie es nicht verstehen. Sollten Sie u 40 sein , dann tun Sie mir echt leid.

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  • walter45 am 06.05.2018 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Solange

    Kinder gamen, na ja, wenn die Schule darunter nicht leidet. Aber wenn Erwachsene das tun, so frage ich mich schon, ob die nicht was besseres zu tun haben.

    • Sandro am 06.05.2018 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @walter45

      Och frage mich auch ob Sie nichts besseres zu tun habe als solche Kommentare zu hinterlassen!

    • Sämi am 07.05.2018 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @walter45

      Diese "Kids die gamen und die Schule vernachlässigen" verdienen durchs Streaming wahrscheinlich einiges mehr als du. Bekannte Streamer erhalten an einem Abend locker an die 500-1000$ an Donations und haben dann noch 2-3k Abonnenten à je ca. 2.50$ pro Monat.

    • Din Vater am 07.05.2018 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @walter45

      Wiso dürfen erwachsene nicht gamen??

    • Gamer am 08.05.2018 12:44 Report Diesen Beitrag melden

      @walter45

      Nehme an du schaust zur Unterhaltung TV? Egal ob TV oder Gamen, Unterhaltung bleibt Unterhaltung, egal an welchem Bildschirm und egal in welchem Alter!

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