20 Jahre «GT»

19. Oktober 2017 19:12; Akt: 19.10.2017 19:12 Print

Nur ein echter Lambo ist geiler als «Gran Turismo»

von Ill-FiL - Besser als das neue «Gran Turismo Sport» kann eine Rennsimulation kaum sein. An die Wirklichkeit kommt aber auch der beste Racer nicht heran.

20 Minuten hat sich in Modena auf die Rennstrecke gewagt. (Video: Tarek El Sayed)
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Wir verlassen die Boxengasse, ich auf dem Beifahrersitz eines Lamborghini Aventador, am Steuer Andrea Fontana.
Andrea scheint Rennfahrer zu sein. Zumindest steht sein Name auf seinem mit einem Lamborghini-Logo verzierten Helm (siehe Video).

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Andrea drückt aufs Gas, und mich drückts mit voller Wucht in den Sitz. So habe ich mich das letzte Mal auf der Blue Fire im Europa-Park gefühlt. Von Null auf Hundert in rund drei Sekunden – das fährt in Mark und Bein.

Wie real sind Simulationen?

Szenenwechsel: Nur ein paar Stunden vor meiner ersten Fahrt in einem echten Rennboliden darf ich mich in «Gran Turismo Sport», der neusten Rennsimulation für die PS4, versuchen. Das Spiel ist ganz neu auf dem Markt. Seit der ersten Ausgabe, die vor 20 Jahren erschienen ist, trägt das Game den Untertitel «The Real Driving Simulator».
Intro zu «Gran Turismo Sport»

Ich habe einige Racing-Games hoch und runter gespielt. Von «Gran Turismo» über «Forza Motorsport» und «Dirt» bis hin zu «Drive Club», «The Crew» und «F1». Alle nahmen für sich in Anspruch, Renn- und Tempofeeling ultra-realistisch rüberzubringen.

Auch ich empfand die meisten der genannten Spiele als durchaus der Wirklichkeit entsprechend. Zumindest gaben sie mir das Gefühl, authentisch zu sein. Wie sich die Fahrt in einem Rennwagen aber wirklich anfühlt, wusste ich bislang nicht.

Geschüttelt und gerührt

Diese Erfahrung darf ich nun mit Andrea Fontana machen. Der Pilot holt alles aus dem gelben Boliden aus Sant’Agata Bolognese heraus, und ich werde während der rasanten Fahrt auf der 2007 Kilometer langen Rennstrecke des Autodromo di Modena ordentlich auf dem Beifahrersitz hin- und hergeworfen.

Richtig geil. Leider ist die Fahrt (Andrea dreht drei Runden mit mir) nach gut viereinhalb Minuten schon vorbei. Mein Fahrer entschuldigt sich noch, dass sein Lambo nur mit Strassen-Pneus und nicht mit Renn-Finken ausgestattet ist. Darum konnte er nicht voll am Limit fahren.

Als ich aus dem Flügeltürer aussteige, bin ich gleichermassen begeistert wie auch desillusioniert. Begeistert, weil ich zum ersten Mal ein echtes Renn-Feeling erleben durfte. Desillusioniert, weil ich feststelle, wie unrealistisch auch das authentischste Renngame doch ist.

Realismus vs. Realität

Virtuellem Rennspass à la «Gran Turismo» fehlt nämlich eins: Fliehkraft. Autos, Strecken, Handling und Grafik können noch so sehr auf der echten Rennwelt beruhen. So lange keine physikalischen Kräfte auf den ganzen Körper einwirken, fehlt einem Race-Game eine der wohl wichtigsten Komponenten bezüglich Fahrgefühl.

Zwar arbeitet die Game-Industrie seit längerem an Lösungen für dieses Problem. VR-Brillen teleportieren Spieler ins Game hinein, und neuere Lenkräder sind in der Lage, auf den virtuellen Boliden einwirkende Kräfte zumindest auf die Hände am Steuer zu übertragen. Diese Ansätze bringen den Virtual-Piloten zwar näher ran, nie aber ganz in die Renn-Wirklichkeit.

Dennoch bestechen die neusten Simulationen wie «Gran Turismo Sport» durch ihren hohen Grad an Realismus. Und auch wenn sie, zumindest bis heute, der Wirklichkeit nicht zu hundert Prozent entsprechen, so wird der Unterschied zwischen Computerspiel und echter Welt immer geringer.

Einen wichtigen Vorteil haben die virtuellen Boliden im Vergleich zu ihren realen Vorbildern: Man muss kein Millionär sein, um sie sich leisten zu können.
Der Ritt im Lamborghini Aventador in Echtzeit. (Video: P. Stirnemann)

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