Microsoft

24. November 2010 15:29; Akt: 11.01.2011 11:17 Print

Flotter Dreier

von Henning Steier - Mit dem HTC Trophy, dem LG Optimus 7 und dem Samsung Omnia 7 hat 20 Minuten Online die meisten der hierzulande erhältlichen Smartphones mit Windows Phone 7 getestet.

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Bereits im Februar hatte sich 20 Minuten Online auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona ein erstes Bild von Windows Phone 7 machen können. Auch im Kurz-Test Mitte August in Zürich konnte das neue Betriebssystem der Redmonder durchaus überzeugen. Vorletzte Woche feierte Microsoft dann den offiziellen Launch der ersten Geräte in New York. Hierzulande sind das HTC Mozart bei Orange, das HTC HD7 bei Sunrise und das HTC Trophy bei der Swisscom erhältlich. Das LG Optimus 7 (E900) wird von der Swisscom und das Samsung OMNIA 7 (GT-I8700) von Orange angeboten. 20 Minuten Online hat die drei letztgenannten getestet.

Bekanntlich hat Microsoft den Herstellern klare Vorschriften zur Hardware gemacht. Die Geräte müssen mindestens acht Gigabyte Speicher beziehungsweise 256 Megabyte RAM haben. Der Touchscreen muss mindestens vier Multitouch-Punkte unterstützen. Beim Display haben Handybauer die Wahl zwischen von Auflösungen von 480 x 320 oder 800 x 480 Pixeln, so soll das Entwickeln von Apps beschleunigt werden, denn sie müssen nicht mehr an allzu viele verschiedene Auflösungen angepasst werden. Microsoft schreibt ausserdem vor, dass A-GPS-Empfänger, Beschleunigungssensor, Kompass Helligkeitssensor verbaut werden müssen. Die Kamera muss eine Mindestauflösung von fünf Megapixeln mitbringen. Jedes mit Windows Phone 7 ausgestattete Smartphone muss auf der Vorderseite die Tasten Windows, Suchen und Zurück haben.

Kurze Startzeiten

Neben der erwähnten Erleichterung für Entwickler will Microsoft mit diesen Vorgaben sicherstellen, dass sein neues Handy-Betriebssystem nur auf leistungsfähiger Hardware zum Einsatz kommt. Denn die letzte Version, Windows Mobile 6.5, hatte vielfach mit Performance-Problemen Schlagzeilen gemacht. Und dieses Manko war bei unseren drei Testgeräten nicht mehr zu spüren. Wir glitten flott durch alle Menüs und auch Apps wie Facebook liefen problemlos. Beim iPhone sind lange Startzeiten selten ein Thema, bei Android-Geräten schon. Alle drei Windows-Phones waren binnen 25 Sekunden bereit, Google-Geräte brauchen mitunter doppelt so lange. Microsoft hat die Hersteller überdies dazu verpflichtet, dass die Kamerafunktion sich binnen weniger Sekunden aktivieren lassen muss. Und alle Geräte schafften dies per Knopfdruck aus dem Sperr-Modus heraus im Test in etwa vier Sekunden - ein guter Wert.

Und noch einen Vorteil haben Windows-Geräte gegenüber Google-Handys: Updates für die Windows-Phone-7-Software werden von Microsoft direkt an die Endkunden gesendet. Alle Windows-Phone-7-Geräte sollen die Aktualisierungen erhalten. Googles Updates werden über Provider und Hardwarehersteller verteilt. Bei Android 2.2 (Froyo) führte dies dazu, dass viele Kunden lange auf die Version warten mussten. Das lag unter anderem daran, dass Hersteller wie HTC ihre eigenen Benutzeroberflächen jeweils an das Update anpassen müssen. Updates für Symbian 3 werden von Nokia übers Mobilfunknetz versandt. Die Finnen haben mit Providern Verträge, die vorsehen, den Kunden dafür keinen Datenverkehr in Rechnung zu stellen. Apple schickt seine neuen Versionen per iTunes an iPhone-Nutzer. Einige Funktionen von iOS 4 liefen aber nur auf den neuesten iPhone-Versionen. Und das erste iPhone unterstützte diese Version nicht mehr. Microsofts Hardwareanforderungen finden also eine weitere Begründung darin, dass alle Versionen von Windows Phone 7 auf allen Geräten laufen sollen.

Tethering über Umwege

Der Zyniker mag einwenden: So erhalten Windows-Phone-7-Nutzer wenigstens alle fehlenden Features gleichzeitig nachgereicht. Eine davon ist die Tethering-Funktion. Dank dieser kann man beispielsweise ein iPhone als Modem benutzen, um mit dem Netbook unterwegs übers Apple-Handy im Mobilfunknetz zu surfen. Kürzlich hatte ein Blogger eine Anleitung ins Netz gestellt, wie man Tethering trotzdem auf dem Samsung Omnia 7 und dem LG Optimus 7 nutzen können soll: Für erstgenanntes Smartphone gibt man eine Kombination aus Ziffern und Zeichen ein, so dass man in den Debug-Modus gelangt. Die USB-Tethering Option kann aktiviert werden. Verbindet man das Gerät daraufhin mit dem Rechner, werden einige Treiber neu installiert. Das Smartphone lässt sich nun als Modem nutzen. Beim LG-Gerät muss man zusätzlich ein Passwort eingegeben und eine weitere Textzeile in die Konfigurationsdatei geschrieben werden.

Auf Copy & Paste wird man wohl bis 2011 warten müssen, noch in diesem Jahr soll aber die Betaversion eines Tools erscheinen, dank dem sich die Geräte auch mit Apple-Rechnern synchronisieren lassen, teilten die Redmonder mit. Allerdings soll man damit nur ausgewählte Inhalte abgleichen können. Welche, liess das Unternehmen bislang offen. Für Windows Rechner steht seit dem Start die Zune-Software bereit. Zwar hat Adobe angekündigt, an Flash für Windows Phone 7 zu arbeiten, wann es verfügbar sein wird, ist aber noch nicht bekannt. So muss man in den Browsern der Geräte - wie beim iPhone - darauf verzichten, viele Webvideos abspielen zu können. Fürs Apple-Handy gibt es zwar seit kurzem mit dem Browser Skyfire eine Lösung. Diese ist allerdings kostenpflichtig. Das Tool sendet die Clips an einen Server. Dort sollen sie in Echtzeit in HTML5 umgewandelt werden. Weil dabei überdies die Dateigrösse schrumpft, soll ein Video verzögerungsfrei abgespielt werden können. Allerdings kommt Skyfire nicht mit Flash-Websites und -Games zurecht.

Langsamer Browser

Und noch ein Mangel des Internet Explorer wurde im Test deutlich: Der Rightware Browsermark, ein Mass für die Geschwindigkeit, mit der JavaScript verarbeitet wird, brachte folgende Ergebnisse: Das Samsung Omnia 7 kommt mit dem IE auf 6200, die beiden Konkurrenten auf jeweils 6500 Punkte. Zum Vergleich: Der Safari des iPhone 4 erzielt 32 300 und der vorinstallierte Browser eines HTC Desire 27 800 Punkte.

Das HTC Trophy kommt mit 1-Gigahertz-Prozessor, acht Gigabyte Speicher, 576 Megabyte RAM, 5-Megapixel-Kamera, einem mit 480 x 800 Pixel auflösenden 3,8-Zoll-Display und einer Akkukapazität von 1300 mAh zum Kunden. Es misst 119 x 62 x 12 Millimeter und wiegt knapp 140 Gramm. Sein Listenpreis liegt bei 649 Franken.

Das Samsung Omnia 7 unterscheidet sich in seinen technischen Daten nicht nennenswert von seinem HTC-Konkurrenten. Es ist das einzige Gerät im Test, welches mit einem Super-AMOLED-Display kommt, welches von allen Testgeräten die besten Farben, stärksten Kontraste und grössten Einblickwinkel bietet. Zudem hat es eine Diagonale von vier Zoll und seine Akkukapazität liegt bei 1500 mAh. Ohne Vertrag soll es 849 Franken kosten.

LG mit dem grössten Speicher

Die Spezifikationen des auch als E900 bekannten LG Optimius 7 unterscheiden sich kaum von den beiden anderen Geräten. Es hat aber einen Speicher von 16 Gigabyte zu bieten, ist allerdings mit rund 160 Gramm eindeutig das schwerste der drei. Mit einem Preis von 700 Franken liegt es zwischen beiden. Im Test mussten die Akkus des LG- und Samsung-Geräts nach jeweils rund vier Stunden Gesprächszeit aufgeladen werden. Das HTC-Smartphone musste eine halbe Stunde eher an die Box.

LG stattet sein Gerät ab Werk mit einer Kamera aus, die Augmented Reality unterstützt. Erweiterte Realität heisst im Fall des Tools ScanSearch: Hält man den Sucher auf eine Sehenswürdigkeit gerichtet, werden Informationen dazu aus dem Netz eingeblendet. Hält man ihn gen Himmel, werden Wetterdaten zum aktuellen Standort abgerufen. Im Test funktionierten die Tools problemlos. Zu bedenken ist aber, dass Google mit Goggles seit längerem eine App anbietet, dank dem man das Handy vor ein Bauwerk, ein Buch, eine Flasche Wein oder ein Logo hält, ein Foto macht und auf dem Bildschirm Informationen dazu sieht. Auch das zweite Alleinstellungsmerkmal des LG-Geräts, die Panorambildfunktion, welches aus fünf Bildern ein neues kombiniert, kennt man beispielsweise von Sony-Ericsson-Smartphones. Im Test gingen die so erstellten Bilder in Ordnung - wenn man allenfalls Schnappschussqualität erwartet.

Für ein im Test aufgetretenes Problem konnten wir bislang keine Lösung finden. Wenn sich die Beleuchtung des Displays ausschaltet, wählten sich die drei Geräte über UMTS ins Internet ein, obwohl wir sie zuvor mit unserem Redaktions-WLAN verbunden hatten. Wenn wir hingegen eine Taste drückten und somit die Smartphones aktiv nutzten, suchten die Geräte wieder nach unserem Router und gingen über ihn ins Netz. Wenn man unvorsichtigerweise einen grossen Download im Hintergrund laufen hatte, könnte dieser Mangel zur Kostenfalle werden.

Fazit

Windows Phone 7 ist zweifelsohne Micrsofts bestes mobiles Betriebssystem - was auch nicht weiter schwer ist. Wer bislang ein Smartphone mit Symbian, iOS oder Android hatte, dürfte sich ohne Probleme zurechtfinden. Auch an Performance der Testgeräte gibt es nichts auszusetzen. Microsoft dürfte Anfang 2011 nicht nur die erwähnten Schwächen beseitigen, sondern auch echtes Multitasking nachreichen. Bislang kann man zwar Surfen und Musikhören, aber nicht schnell aus einem Game in den Mediaplayer wechseln. 500 Apps waren es zum Start, mittlerweile sind es über 2500 im Windows Marketplace for Mobile. Wie viele davon hierzulande verfügbar sind, wollte Microsoft Schweiz auf Anfrage nicht verraten. Es bleibt abzuwarten, wie schnell die Redmonder hier zu Konkurrenz aufschliessen können. Bislang scheint nur Nokias Ovi Store mit rund 20 000 Tools in Reichweite zu sein.

Das LG Optimus 7 hat den grössten Speicher, das Omnia 7 das beste Display und das HTC ist das günstigste der drei Testgeräte. Zum erstgenannten Punkt sei noch angemerkt, dass nicht vorgesehen ist, die Speicher zu erweitern. Wer sein Gerät auch als MP3- oder Videoplayer benutzen möchte, sollte daher wohl auf neue Windows Phones warten.

Ein bekannter Hersteller wird wohl vorerst keine anbieten. Denn gegenüber der Zeitung «Les Echos» hatte Pierre Perron, Chef von Sony Ericsson Frankreich, kürzlich erklärt, Smartphones mit Windows Phone 7 seien für den Hersteller durchaus eine Option. Gleichzeitig befürchtete er, dass Microsofts Vorschriften zu einer Standardisierung" führen könnten. Sony Ericsson wolle vermeiden, sich nur noch durch Design und Preis abgrenzen zu können, so Perron weiter.