N97

02. Juli 2009 12:58; Akt: 03.07.2009 09:27 Print

Dick im Geschäft

von Henning Steier - Nokia bringt sein zweites Touchscreen-Smartphone auf den Markt. Was das neue Finnen-Flaggschiff leistet, hat 20 Minuten Online ausprobiert.

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Dick und schwer kommt es daher, das neue Oberklassengerät aus Finnland. Wer das N97 erstmals in die Hand nimmt, merkt schnell, warum es 150 Gramm wiegt und 117 x 55 x 18 Millimeter misst: Wie Sony Ericssons X1 oder der HTC Touch Pro kommt das Touchscreen-Handy mit einer Volltastatur. Allerdings setzt Nokia auf Version 5 des Betriebssystems Symbian S60 anstatt auf Windows Mobile.

Im Test von 20 Minuten Online erwies sich die Tastatur der Konkurrenz deutlich überlegen, denn sie überzeugte mit präzisen Druckpunkten, idealer Key-Grösse und angenehmer Beleuchtung. Insgesamt ist das Handy gut verarbeitet. Das Display lässt sich leicht aufschieben und rastet problemlos ein. Es stellt sich in einem Winkel von etwa 35 Grad auf, was einen entspannten Blickwinkel ermöglicht.

Fast alles dabei

Was die Ausstattung anbelangt, hat das N97 auf den ersten Blick alles an Bord, was ein Gerät dieser Preiskategorie haben sollte: Für etwa 800 Franken ohne Vertrag bekommt der Kunde unter anderem 32 Gigabyte Speicher, Push-E-Mail, WLAN, einen Touchscreen mit 360 x 640 Pixeln, Bluetooth mit A2DP-Profil und eine 5-Megapixel-Kamera. Natürlich könnte man mehr Megapixel verlangen, aber mittlerweile hat sich flächendeckend die Erkenntnis durchgesetzt, dass diese ab einem gewissen Wert nicht unbedingt ausschlaggebend für die Bildqualität sind. Und die von uns mit dem Testgerät gemachten Fotos waren in Ordnung, wenngleich die Kontraste hin und wieder etwas stärker sein könnten. Auch die integrierte Videofunktion, welche Clips mit 640 x 480 filmt, geht für einfache Aufgaben in Ordnung. Das Surfen im Web war ebenfalls komfortabel, weil der mitgelieferte Browser keine Probleme mit Flash-Inhalten hat und so Netzvideos wiedergibt. Beim Datenturbo HSDPA hätte Nokia aber ruhig Phase III statt II bieten können, denn dann wären mit 7,2 Mbit/s doppelt so schnell Übertragungsraten möglich. Ausserdem vermissten wir HSUPA für schnelle Uploads.

Als überaus praktisch erwies sich die Tasten- und Bildschirmsperre, welche sich durch einen Klick aktivieren lässt und somit das Drücken einer Kombination überflüssig macht. Auch nützlich ist die 3,5-Millimeter-Buchse, in die man seinen Wunschkopfhörer stecken kann, wobei das mitgelieferte Exemplar für Nicht-Audiophile vollauf reichen müsste. Was uns hingegen irritierte: Den dank Widgets frei konfigurierbaren Startbildschirm kann man durch eine Fingerbewegung scheinbar - bis auf Datum und Uhrzeit - löschen. Durch einen zweiten Fingerstreich erscheint er aber immerhin wieder.

Die Bedienung des 3,5-Zoll-Touchscreens klappte tadellos. Allerdings neigt er nicht nur bei fettigen Fingern dazu, schnell zu verschmutzen. Und bei starker Lichteinstrahlung spiegelte er zu sehr. Der mitgelieferte Stift erwies sich bei der Eingabe leider als nicht besonders gut geeignet. Darüber hinaus könnten die Farben des Displays lebendiger und die Kontraste stärker sein. Letztgenanntes bietet unter anderem das Samsung Jet, welches wir kürzlich getestet haben.

Dauerläufer

Das N97 ist für Geschäftskunden konzipiert. Daher ist es unverzeihlich, dass sein E-Mail-Tool keine Nachrichten mit HTML-Elementen anzeigen kann. Wenigstens bei Attachments - wir testeten .doc-, .ppt- und PDF-Dateien - klappte das Öffnen tadellos. Dieses Attribut beschreibt auch die Kraft des 1500mAh-Akkus am besten. Im GSM-Modus hielt das Gerät 4:20 Stunden durch. Musik konnte es knapp 28 Stunden abspielen, ohne aufgeladen werden zu müssen. In Sachen Sprachqualität spielt das N97 ebenfalls in der obersten Liga.

Fazit

Das N97 ist ein solider Wurf des Weltmarktführers geworden. Selbst Smartphone-Neulinge sollten mit ihm sofort zurechtkommen. Der Preis ist allerdings, dass Nokia auf jegliche Innovationen verzichtet. Dafür bekommt man einen riesigen Speicher, der sich bis auf 48 Gigabyte erweitern lässt, prima Surferlebnisse und einen Spitzen-Akku.