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02. Dezember 2010 09:16; Akt: 02.12.2010 15:16 Print

Wer Google austrickst, wird bestraft

Hunderte Händler haben Kunden schlecht behandelt, um in den Trefferlisten der Suchmaschine weiter oben aufzutauchen. Nun hat das Unternehmen gehandelt.

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DecorMyEyes.com: Lücke in Googles Algorithmus ausgenutzt.

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Kürzlich hatte die «New York Times» über den Ärger einer Kundin mit dem Brillenhändler DecorMyEyes berichtet. Dieser hatte ihr das gewünschte Nasenvelo nicht liefern können und sie mit einem Nachbau abspeisen wollen. Ausserdem wurden ihr rund 100 US-Dollar mehr in Rechnung gestellt. Als sie sich beschwerte, drohte ihr ein Mitarbeiter, er werde sie vergewaltigen. Auf der Verbraucher-Website getsatisfaction.com fand sie zahlreiche weitere Beispiele für Fehlverhalten von DecorMyEyes-Mitarbeitern.

In einem Kommentar hiess es: «Hallo, mein Name ist Stanley von DecorMyEyes.com. Ich wollte euch nur wissen lassen, dass meine Geschäfte umso besser laufen, je mehr Beiträge ihr hier schreibt. Mein Ziel ist negative Werbung. Ich hatte noch nie so viele Besucher wie seit der ersten Beschwerde - fühle mich wie im Himmel.» Wie Firmen-Chef Vitaly Borker gegenüber der Zeitung unumwunden einräumte, hatte er sich Googles Algorithmus zunutze gemacht. Dieser bewertet Websites, auf die viele Links verweisen, als wichtiger und lässt sie so weiter oben in den Trefferlisten auftauchen. Und so setzte Borker alles daran, Hunderte Beiträge auf Internetseiten wie ComplaintsBoard.com und ConsumerAffairs.com zu erhalten.

In einem Blogeintrag hat Google unlängst bekannt gegeben, dass man den Algorithmus angepasst hat, um auf dieses Problem zu reagieren. Neben DecorMyEyes würden nun Hunderte Händler mit schlechtem Kundenservice entsprechend abgestraft, hiess es in der Mitteilung. Man könne nicht ausschliessen, dass Nutzer auch in Zukunft Lücken im Algorithmus ausnutzen werden. Daher werde man keine Details der Anpassung verraten. Deswegen ist nicht bekannt, ob Google einfach nur die Websites tiefer rankt oder den Algorithmus grundsätzlich angepasst hat.

Eigene Channels für YouTube Leanback

Ebenfalls in einem Blogeintrag hat das zu Google gehörende Videoportal YouTube personalisierte Kanäle für Leanback vorgestellt. Diese werden aufgrund der Clips, die man sich zuvor angeschaut hat, erstellt. Um einen Kanal zu kreieren, kann man einen der Vorschläge auswählen oder Stichwörter wie Kochen eingeben. YouTube hatte Leanback im Sommer gestartet, um Nutzern ein fernsehähnliches Erlebnis zu ermöglichen: Anwender können mit den Pfeil-Tasten des Keyboards zum nächsten oder vorigen Video springen, Kanäle durchsuchen und die Einstellungen ändern. Eine Maus soll daher nicht mehr benötigt werden. Videos werden standardmässig bildschirmfüllend abgespielt.

Ausserdem hat YouTube eine Funktion namens TrueView lanciert: Besucher des Videoportals können sich eine von mehreren Werbeeinblendungen aussuchen oder die Reklame nach mehreren Sekunden überspringen. Google erfährt so, welche Werbung beim Nutzer ankommt. TrueView ist bislang nur für Werbekunden aus TrueView-Anzeigen den USA, Kanada und Grossbritannien verfügbar. Sie sollen nur zahlen, wenn ein Nutzer sich für ihre Werbung entscheidet oder sie sich lang genug anschaut.

Unkommentiert liess der Suchmaschinenanbieter einen Bericht des «Wall Street Journals», noch im Dezember werde das plattformunabhängige Angebot für kostenpflichtige eBooks, Google Editions, starten.

(hst)