Umstrittenes Gadget

13. März 2013 16:36; Akt: 13.03.2013 17:03 Print

Szenebar verbietet Googles Videobrille

von Martin Suter - Noch ist die Internet-Brille von Google nicht auf dem Markt und schon wird sie verboten. Ein Traditionslokal in Seattle fürchtet um die Privatsphäre seiner Gäste.

Was Gäste des 5 Point Café zum Verbot sagen. (Video: YouTube/GeekWire)
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Die beliebte Traditionsbar «5 Point Café» nahe der Space Needle, des Wahrzeichens von Seattle, ist an sieben Tagen pro Woche während 24 Stunden geöffnet. Auf ihrer Website prangt das Motto: «Alkoholiker schenken Alkoholikern seit 1929 aus.» Seit letzter Woche ist das Café seiner Zeit voraus: Als erstes Lokal überhaupt verfügte es ein Verbot der fotografierenden, Videos aufzeichnenden und mit dem Internet verbundenen Brille Google Glass. «Gegen Zuwiderhandelnde wird Arschtreten ermutigt», heisst es auf der Facebook-Seite des Lokals.

Der frühe Positionsbezug zahlte sich bereits am ersten Wochenende aus. So voll sei das Lokal lange nicht gewesen, sagte Besitzer Dave Meinert in einem Radiointerview. Er wollte mit dem Verbot aber nicht nur Aufmerksamkeit erregen, sondern begründet es mit der speziellen Kultur des 5 Point Café. «Es ist ein manchmal schäbiger, vielleicht sogar berüchtigter Ort», erklärte Meinert. «Wir wollen nicht, dass Leute gefilmt oder ungefragt Fotos von ihnen gemacht werden.» Dabei soll Google Glass erst gegen Jahresende in den Verkauf gelangen. Google hat in den USA eben ein Testprogramm lanciert. Geeks können die Brille zum stolzen Preis von 1500 Dollar ausprobieren.

Ein Proteststurm wie nie zuvor

Meinert fürchtet, dass demnächst Techies aus einem nahe gelegenen Amazon-Campus mit aufgesetztem Google Glass auftauchen; deshalb will er das indiskrete Gadget grundsätzlich verbieten. Von der Website Geekwire befragt, äusserten sich Gäste des 5 Point Café unterschiedlich zu dem Google-Glass-Verbot. «Es ist schwach», sagte einer, «die wollen bloss nicht, dass jemand auf Yelp dokumentiert, wenn sie etwas vermasseln.» Ein anderer wies darauf hin, dass in dem Lokal längst Überwachungskameras montiert seien. Manche wiederum schien Google Glass nicht zu beunruhigen: «Alles wird gefilmt – was kümmert mich das also?»

Kenner der Szene erwarten, dass das 5 Point Café mit seinem Verbot nicht allein bleiben wird, wenn Google Glass auf den Markt kommt. Die Brille werde «einen Proteststurm auslösen, wie es ihn noch nie vorher bei einem Gadget gegeben hat», glaubt der langjährige Tech-Journalist James Kendrick. «Sobald die Öffentlichkeit realisiert, dass diese Geräte in der Umgebung ihrer Nutzer Fotos, Videos und Audio aufzeichnen können, wird es mit Sicherheit zu breiten Verboten kommen», schreibt Kendrick auf ZDNet. Neben Restaurants und Bars stellt er sich Verbote von Google Glass auf Flughäfen vor, in Arbeitsräumen von Firmen und für registrierte Sexualtäter. Weil die Privatsphäre betroffen ist, erwartet Kendrick zudem Konflikte mit Abhörgesetzen.

Aufregung vermeiden

Wie leistungsfähig die elektronische Brille sein wird, führte der Google-Mann Timothy Jordan am Montag an der Tech-Veranstaltung SXSW in Austin, Texas, vor. Jordan steuerte Google Glass mit blossen Augenbewegungen, er schoss ein Bild der Zuschauer und fragte im Internet nach der Übersetzung von «Danke» auf japanisch. Weiter führte er Applikationen vor, die den Eingang von E-Mails anzeigen. Die Antwort diktierte er in die Brille. Eine andere Applikation präsentierte Schlagzeilen der «New York Times» auf dem Mikro-Bildschirm.

Den anwesenden Programmierern riet Jordan, bei der Entwicklung von Apps für Google Glass vorsichtig zu sein und den Anwendern das zu geben, was sie wünschen. Laut einem «Times»-Blogeintrag sagte er: «Vermeidet alles, was sie irritieren oder aufregen könnte.» Doch das 5 Point Café beweist: Am meisten aufregen werden sich nicht die Anwender, sondern ihre Opfer.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Brillen mit eingebauter Kamera gibt es schon lange, diese Funktion ist eher uninteressant. Dass ich hingegen keinen Monitor brauche um Daten anzuschauen und dass ich eine Relation zwischen Information und Umgebung schaffen kann, finde ich eine interessante Feature. Gefilmt werden wir eh schon von unzähligen versteckten Kameras und Handies. Da wird es sicher bald mal eine App geben, die uns eben diese versteckten Kameras auf der Google Brille zeigt. – Fabio, Bern

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franziska Walter am 13.03.2013 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Weshalb der Aufschrei?

    Es gibt schon seit Jahren Brillen, die eine Kamera eingebaut haben und die jedermann nach belieben kaufen und tragen kann. Hat das dazu geführt, dass breit gespannt wird? Hat jemand bei diesen Geräten aufgeschrien? Weshalb also gerade jetzt? Weshalb gerade in einer Zeit, in welchem Google mit einer neuen Geräteklasse den Markt betritt und die alten Platzhirsche (PC, Smartphone) sich mit allen Mitteln ausser Innovation gegen ihren Untergang wehren? Macht mal die Augen auf!

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  • Fabian am 13.03.2013 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    PR Gag

    Das war ein PR Gag, wie die Bar inzwischen verlauten lässt. Old news...

  • Jovan Petrovic am 14.03.2013 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ich will sie!

    Wow, sobald diese auf den Schweizer Markt kommt, will ich der Erste sein, der mit so einer Brille rumläuft! Sowas muss man doch haben.. :-) *ich freue mich schon*

Die neusten Leser-Kommentare

  • Henz am 14.03.2013 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    dreht sich

    heute im Leben eigentlich alles nur noch um Facebook, Twitter, iPhone, Google Maps, Google Brille...?? Es gibt so viele coole Dinge die man machen kann, ohne diesen blöden modernen Schrott.

    • Mike König am 14.03.2013 17:56 Report Diesen Beitrag melden

      alles dreht sich :)

      Es gibt auch viele Coole dinge die man mit diesem "Schrott" machen kann!

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  • Tatwort am 14.03.2013 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ausschlag

    Mal angenommen, ich bin in einer Kneipe. Mal angenommen, jemand mit einer Google-Brille kommt rein - habe ich Garantie, dass er nicht online ist? Dass mein Bild nicht - samt Gesichts- und Körpererkennungs-Analyse - irgendwohin übertragen wird? Diese Garantie habe ich nicht. Potentiell wird also meine Privatsphäre verletzt. Fazit: Kommt mir einer mit einer Google-Brille entgegen, wird er zukünftig ein Problem habe. Ich bekomme von den Teilen nämlich Ausschlag. Faust-Ausschlag.

    • Mike König am 14.03.2013 17:51 Report Diesen Beitrag melden

      Sinnlos

      Jeder kann mit einer kleinen Knopf-Kamera rumlaufen... Kostet keine 50.- Fr.. Verprügelst du jetzt alle die in deine richtung schauen?

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  • Jovan Petrovic am 14.03.2013 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ich will sie!

    Wow, sobald diese auf den Schweizer Markt kommt, will ich der Erste sein, der mit so einer Brille rumläuft! Sowas muss man doch haben.. :-) *ich freue mich schon*

  • A. S. am 14.03.2013 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ich will keine Werbung

    in meine Augen über eine Brille eingeblendet. Das ist doch Kommerz pur. Wir werden uns alle noch die Augen reiben, sobald wir aufwachen und realisieren, wohin die Reise mit Google etc. geht.

    • Mike König am 14.03.2013 17:52 Report Diesen Beitrag melden

      Kannst selber entscheiden

      Dann kauf sie dir nicht!

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  • Berni Suter am 14.03.2013 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Werbung

    Euch ist schon klar, dass das alles von Google inszeniert ist, oder? Gehört alles zum Betatest, denke ich: "Wie reagieren die Nutzer? Lohnt es sich, die Brille auf den Markt zu bringen?"

    • Mike König am 14.03.2013 17:53 Report Diesen Beitrag melden

      Einfach mal schreiben

      Google hat schon lange bekannt gegeben, dass die Brille ende Jahr auf den Markt kommt...

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