Nahe Fukushima

08. März 2013 20:29; Akt: 08.03.2013 20:29 Print

Google Street View in verstrahlter Geisterstadt

Zwei Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima fahren Google-Autos durch die menschenleere Stadt Namie. Die Bilder sollen der Welt das wahre Ausmass der Katastrophe zeigen.

Der Bürgermeister von Namie, Tamotsu Baba, wünscht sich eine Rückkehr der evakuierten Bewohner. (Quelle: youtube.com/googlejapan)
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Für die ehemaligen Bewohner der japanischen Stadt Namie gibt es keine Rückkehr. Zumindest nicht auf absehbare Zeit. Vor zwei Jahren mussten sie fluchtartig ihre Heimat verlassen. Auf ein massives Erdbeben der Stärke 9 und den anschliessenden Tsunami folgte die radioaktive Strahlung.

20'000 Menschen mussten im März 2011 evakuiert werden wegen des todbringenden Cäsiums, das nach der Reaktorexplosion im naheliegenden Atomkraftwerk Fukushima austrat. Das nur wenige Kilometer entfernt liegende Namie wurde zur Geisterstadt.

Virtuelle Rückkehr

Laut Berichten dürfte es zehn Jahre dauern, bis die Menschen endgültig in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren können. Das wollte der Bürgermeister von Namie, Tamotsu Baba, nicht einfach so hinnehmen. Auf seine Initiative hin wird die menschenleere Stadt seit Anfang März von Street-View-Fahrzeugen befahren. Die 360-Grad-Panorama-Aufnahmen sollen der Welt das wahre Ausmass der Zerstörung zeigen. Und sie sollen den traumatisierten Menschen zumindest eine virtuelle Rückkehr ermöglichen.

Der Bürgermeister kämpft um den Zusammenhalt der Bevölkerung. Über die Hälfte der Leute seien bereits weiter weggezogen. Zudem habe in Namie noch nicht einmal die Dekontamination begonnen.

Nur drei Stunden Aufenthalt

Die Street-View-Aufnahmen werden mehrere Wochen beanspruchen. Laut ABC News muss das Team in den Fahrzeugen keine speziellen Schutzanzüge tragen, denn es hält sich jeweils aber nur drei Stunden im Gebiet auf.

Google will die aufbereiteten Bilder in den nächsten Monaten über seinen Online-Kartendienst veröffentlichen. In einer Stellungnahme heisst es: «Wir erhoffen uns auch, so die Erinnerungen an die Katastrophe für zukünftige Generationen zu bewahren.»

Online-Warnung vor neuen Katastrophen

In Japan bebt die Erde fast 5000 Mal im Jahr. Die Küstengebiete sind ständig von Riesenwellen bedroht, die durch grössere Beben am Meeresgrund ausgelöst werden könnten. Weil immer mehr Menschen nach einem Unglück im Internet nach Informationen suchen, hat Google seinen Alarmierungs-Service Google Public Alerts auf Japan ausgeweitet. Nach den USA steht der Dienst nun auch für den asiatischen Inselstaat zur Verfügung, wie das Unternehmen in einem Blog-Beitrag schreibt.

Neu werden Erdbeben- und Tsunami-Warnungen für Japan automatisch bei der Nutzung von Google-Diensten eingeblendet: auf Desktop-Computern und Mobilgeräten. Dies betrifft die Google-Suche, Google Maps sowie die Echtzeit-Suche Google Now. Dabei greift Google auf das Warnsystem der japanischen Behörden zu und arbeitet mit der staatlichen Meteorologie-Agentur zusammen.

Für die Nachwelt

Seit dem Desaster am 11. März 2011 haben die Street-View-Fahrzeuge fast 44'000 Kilometer abgefahren. Im Dezember 2011 wurden die ersten Panorama-Aufnahmen der verwüsteten Küstengebiete über Google Maps zugänglich gemacht.

Für das Projekt «Memories for the Future» hat Google eigens eine Website angelegt. Auf einer Japan-Karte sind die Gebiete eingezeichnet, von denen Street-View-Aufnahmen existieren.

(dsc)