Soziale Netzwerke

15. Dezember 2010 14:14; Akt: 15.12.2010 16:50 Print

Sex auf der Startseite

von Henning Steier - Wer genau hinschaut, kann in Facebooks Design Anspielungen auf die Konkurrenz, Filme und die schönste Nebensache der Welt entdecken.

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Unter anderem hat der Blog strikegently vor kurzem ein Bild veröffentlicht, das den Sex auf Facebooks Startseite bringt - wenn man den virtuellen Stift ansetzt. Ob das Design bewusst so gewählt wurde, ist unklar. Denn Facebook schwieg bislang zu diesen und ähnlichen Fällen, in denen Nutzern Kuriositäten aufgefallen sind.

So hatte Twitter-User Tim Shey im August bemerkt, dass das Logo des damals neu gestarteten Ortungsdienstes Places mit einer 4 eine Anspielung auf den Geolocation-Anbieter Foursquare enthält. Über letztgenannten teilen Anwender anderen Mitgliedern mit, wo sie gerade sind und checken an Orten ein, deren Bürgermeister sie werden können. Was nach Spiel klingt, ist für Werbekunden interessant. Beispielsweise hatten Bürgermeister von US-Filialen der Kette Starbucks im Sommer jeweils einen Dollar Rabatt auf einen Frappucino erhalten.

Auf die Einstellung kommt es an

Mit dem Start von Places hatte Facebook zum Frontalangriff auf Foursquare geblasen. Wer Places aktiviert, kann sehen, wo sich Freunde befinden - falls diese ihrer Ortung zugestimmt haben. Ausserdem kann man herausfinden, wer gerade in der Nähe ist. Auf der Hilfe-Seite heisst es: «Wenn du angibst, dass du dich hier befindest, wird das auf der Seite des Ortes, in den Neuigkeiten deiner Freunde und an deiner Pinnwand angezeigt. Markiere die Freunde, die sich ebenfalls hier aufhalten und mache sie zu einem Teil deiner Statusmeldung. Erscheine im Abschnitt Jetzt hier für Freunde und andere Personen, die sich in der Nähe befinden.» Nutzer sollten sich also gut überlegen, ob und wann sie sich orten lassen möchten und entsprechende Einstellungen vornehmen, nicht zuletzt, weil manche Facebook-Apps auch auf die Ortsdaten zugreifen können.

Foursquare-Gründer Dennis Crowley hatte zu dieser Zeit in seinem Blog einen Eintrag von Kelly Oxford aufgegriffen. Laut diesem soll das Freude-Icon von Facebook an die Filmreihe «Star Wars» erinnern. Im Interview mit 20 Minuten Online hatte Crowley unter anderem Facebooks stetig wiederkehrende Datenschutzprobleme so kritisiert: «Facebook hatte bekanntlich bei seinen neuen Einstellungsmöglichkeiten zur Privatsphäre auch standardmässig vorgegeben, dass man seine Status Updates mit der Webwelt teilt... Vielleicht geht man dort davon aus, dass man diese Position auf Dauer nur durch solche Manöver halten kann.» Ob er mit seinem Blogeintrag auf die dunkle Seite der Macht anspielen wollte, blieb offen, denn Crowley kommentierte das in der obigen Diashow zu sehende Bild nicht weiter.

Erinnerung an die Illuminaten

Auf der D8-Konferenz der US-Zeitung «Wall Street Journal» Anfang Juni in San Francisco war Facebook-CEO Mark Zuckerberg wegen der Fragen der Moderatoren zum Datenschutz so ins Schwitzen geraten, dass er seinen Kapuzenpullover auszog. Dabei hielten Blogger das Motiv auf der Rückseite fest, welches an die Illuminaten erinnert. Aus Marketing- oder Presseunterlagen ist die Illustration nicht bekannt. Orakelnd hatte man daraus die Eckpunkte der Facebook-Strategie für 2010 herauslesen können. Denn es sind die Wörter Stream samt Messages-Icon, Graph samt Freundschaftsanfragen-Icon und Platform samt Benachrichtigungen-Icon zu sehen. Die Nutzerdaten scheinen gleichsam in einen Ring eingeschlossen zu sein, auf dem das inoffizielle Firmenmotto steht: «Making the world open and connected».

Dass es damit nicht allzu weit her ist, zeigt seit Anfang November ein Konflikt mit Google. Denn der Suchmaschinist will dem sozialen Netzwerk beispielsweise nur noch Zugriff auf die Gmail-Kontaktdaten seiner Nutzer gewähren, wenn Facebook dies umgekehrt auch tut. Mitglieder der Community können unter anderem ihre Accounts bei Google, Yahoo und Hotmail durchsuchen, um schneller Freunde zu finden. Im Sommer wollte Twitter es seinen Usern ermöglichen, direkt mit Facebook-Freunden in Kontakt zu treten. Diese Funktion wurde aber blockiert. Facebook-Mitglieder können überdies ihre Kontaktlisten aus dem Online-Netzwerk nicht exportieren. Der Hintergedanke: Facebook kann Werbekunden wie kein anderes Unternehmen passgenau potenzielle Kunden präsentieren und möchte diesen Schatz ungern mit anderen Firmen teilen.