Privatsphäre

18. Januar 2011 09:35; Akt: 18.01.2011 10:18 Print

Facebook rudert zurück

von Henning Steier - Kürzlich hatte das soziale Netzwerk angekündigt, dass Anwendungen auch auf Telefonnummern und Adressen von Mitgliedern zugreifen können sollen. Daraus wird vorerst nichts.

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So wollte Facebook Nutzer über die neuen Zugriffsmöglichkeiten einer Anwendung informieren.

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Douglas Purdy, seit November bei Facebook für Entwickler zuständig, hat in einem Blogeintrag auf die Kritik an Plänen des sozialen Netzwerkes reagiert, Applikationen den Zugriff auf Adressen und Telefonnummern zu erlauben.

«Übers Wochenende haben wir viele Aufforderungen erhalten, die Mitglieder besser darüber zu informieren, wenn sie diese Daten preisgeben», schrieb Purdy. Man sei damit einverstanden und werde nun Veränderungen vornehmen, die sicherstellen, dass Nutzer Informationen nur teilen, wenn sie es auch wirklich möchten. Bis man die neue Lösung implementiert habe, werde man die aktuelle abschalten. Die Weiterentwicklung soll einige Wochen dauern. Mehr Details nannte Douglas Purdy nicht. Dass Facebook so schnell auf Kritik reagiert und eine geplante Funktion zurückzieht, ist aus der Unternehmensgeschichte bislang nicht bekannt.

Unübersichtliche Box

Facebook hatte seine Pläne ebenfalls in einem Blogeintrag präsentiert. Daten von Freunden wären laut der Ankündigung zwar nicht zugänglich gewesen und Anwender hätten in der oben zu sehenden Box zustimmen müssen. Doch laut Jackie Cohen von allfacebook.com hätte diese Neuerung die Gefahr beininhaltet, «dass viele Nutzer den Zugriff erlauben könnten, ohne die Änderungen zu bemerken».

Graham Cluley vom Sicherheitsanbieter Sophos hatte in seinem Blog kritisiert: «Entwickler können Apps bereitstellen, die so Handynummern abgreifen, die sie Firmen verkaufen, welche Nutzer dann mit Werbeanrufen oder -SMS belästigen.» Cluley hatte vorgeschlagen, dass nur von Facebook überprüfte Entwickler diese Daten abgreifen dürfen sollen. Einen anderen Vorschlag hatte Twitter-Nutzer Chris Miller gezwitschert: «Ich habe meine Nummer in 650-543-4800 geändert - die gehört Facebooks Kundenservice.»

Jeder muss seine Privatsphäre selbst schützen

Facebooks Datenschutzaktivitäten ernten immer wieder negative Kritik - zuletzt im Dezember, als das soziale Netzwerk eine automatische Gesichtserkennung für Fotos einführte. Facebook-Nutzer konnten zuvor auf Fotos, die sie in das Netzwerk hochluden, manuell Freunde und Bekannte markieren. Die Social Community erkannte die Gesichter darauf und fragt nach dem dazugehörigen Namen. Nun soll automatisch der passende Namen zur abgebildeten Person vorgeschlagen werden. Dafür werden neu hochgeladene Fotos analysiert und mit den bereits markierten verglichen. Allerdings müssen sich User, die nicht automatisch markiert werden wollen, aktiv über Datenschutzeinstellungen abmelden. Wer die Einstellungen nicht entsprechend anpasst, wird also vom Algorithmus identifiziert.