Soziale Netzwerke

06. Juli 2010 10:43; Akt: 28.09.2010 14:52 Print

Diese Puppe ist zu scharf für Facebook

Juwelierin Victoria Buckley aus Sydney durfte ihren Schmuck nicht mit einer Prise Erotik präsentieren. Das Portal zensiert immer wieder vermeintlich anstössige Bilder.

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Facebook: Puppenbild von Victoria Buckley war zu scharf; rechts ist das Original zu sehen.

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Victoria Buckley aus Sydney hat einen Juwelierladen. Um für ihn auf Facebook Werbung zu machen, hat sie ein Foto ihres Schaufensters hochgeladen. Es zeigt eine nackte Porzellanpuppe mit zwei goldenen Ringen. Auf Facebook sind ihre Brüste allerdings mit schwarzen Balken bedeckt worden, wie im obigen Screenshot zu sehen ist. Laut thisislondon.co.uk hatte Buckley unlängst von Facebook sechs Mitteilungen bekommen, dass man ihr Profilbild für anstössig halte und um Löschung beziehungsweise Veränderung bitte. Das Originalbild ziert nun eine von Buckley gegründete Facebook-Gruppe namens «Save Ophelia — exquisite doll censored by Facebook». Bislang hat das soziale Netzwerk das Foto nicht entfernt oder zensiert. Falls sich das ändert, dürfte Buckley immerhin kostenlos Werbung für ihren Laden gemacht haben.

Das Beispiel zeigt aber überdies, wie schwierig es für Facebook ist, den Jugendschutz zu beachten und Grenzen zu finden: Im Mai 2009 hatte Facebook Fotos echter Brüste von seiner Seite verbannt: Die Britin Sharon Adams wollte mit ihnen auf das Brustkrebsrisiko aufmerksam machen und Frauen überzeugen, sich regelmässig untersuchen zu lassen, wie die Zeitung «Daily Mail» berichtete. Facebook hatte sich später dafür entschuldigt und die Bilder wieder zugelassen.

Welche Brüste soll Facebook zeigen?

Im Dezember 2008 hatte Facebook Bilder von stillenden Müttern entfernt, auf denen Brustwarzen zu sehen waren. Dagegen protestierten über 70 000 Mitglieder einer Gruppe der Community. 11 000 Teilnehmer zählten die Veranstalter nach eigenen Angaben auf einer Demonstration vor Facebooks Unternehmenszentrale in Palo Alto. Organisiert wurde der Protest unter anderem von Heather Farley, die in einem offenen Brief an das Unternehmen schrieb: «Seit vielen Jahren weist die Weltgesundheitsorganisation darauf hin, dass Stillen überaus wichtig für die Entwicklung von Kindern ist. Wenn Facebook unsere Fotos entfernt, ist das kontraproduktiv und diskriminierend.» Farley forderte das soziale Netzwerk auf, den entsprechenden Passus seiner Nutzungsbedingungen in etwa wie folgt zu ändern: «Nicht erlaubt sind Bilder, die Nacktheit, Drogenmissbrauch oder sonstige anstössige Inhalte zeigen. Das Zeigen von Bildern aller stillenden Mütter ist hingegen gestattet.»

«Grundsätzlich haben wir nichts gegen solche Fotos auf unserer Seite», sagt eine Facebook-Sprecherin. Das Unternehmen habe aber eine Grenze ziehen müssen und sie liege bei sichtbaren Brustwarzenhöfen. Bilder, welche diese zeigen, werde man auch weiterhin entfernen.

Update 11.7. Laut Cnet hat sich Facebook-Sprecher Barry Schnitt mittlerweile öffentlich entschuldigt. Das Ganze sei ein Missverständnis gewesen, das bei der Vielzahl Bilder, welche Facebook täglich überprüfe, schwer zu vermeiden sei. Victoria Buckley darf ihr Puppenfoto nun wieder auf Facebook zeigen.


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(hst)