Facebook

17. Mai 2010 14:10; Akt: 18.05.2010 10:23 Print

Ein offenes Buch

«Mein Chef ist ein Arschloch»: Meldungen dieser Art sollten sich Facebook-User verkneifen. Die Suchmaschine Openbook durchsucht die Statusmeldungen auf Wunsch auch nach heiklen Begriffen.

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www.youropenbook.org.

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Die Facebook-Suchmaschine youropenbook.org soll verdeutlichen, wie peinlich es werden kann, wenn man auf seinem Social-Community-Profil unbedacht Status-Updates veröffentlicht, schreibt das IT-Portal ghacks.net. Seit dem 21. April ist Facebooks Such-Programmierschnittstelle offen. Openbook nutzt diese, um die Suchbefehle mit den öffentlichen Status-Updates abzugleichen. Dabei werden die Treffer direkt mit dem auf Facebook veröffentlichten Usernamen und Profilbild verknüpft. Google und bing haben Suchtreffer von Facebook ebenfalls integriert - aber nicht so komfortabel wie Openbook.

Die wenigsten User nehmen sich offenbar die Mühe, die standardmässig für alle sichtbaren Statusmeldungen auf privat zu setzen. Wer auf Openbook zum Beispiel nach «My boss is an asshole» sucht, wird zahlreiche Meldungen von frustrierten Facebook-Usern finden, die an ihren Vorgesetzten kein gutes Haar lassen. Bleibt nur für sie zu hoffen, dass diese Openbook nicht kennen.

Auch für Diebe sind die mit Openbook aufspürbaren Informationen durchaus interessant. Wird zum Beispiel nach «Ferien» gesucht, lassen sich die Profile zahlreicher User finden, die sich zurzeit weit weg von Zuhause aufhalten. Wie 20 Minuten Online berichtete, machte auch die Webseite pleaserobme.com kurzeitig auf die Schattenseiten von Facebook & Co aufmerksam. Darauf wurden gezielt die Standortinformationen von Usern gesammelt, die sie auf Diensten wie Google Buzz, Foursquare oder Gowalla von sich Preis gegeben hatten.

Facebook stand in letzter Zeit vor allem wegen zahlreicher Datenlecks in den Schlagzeilen. Erst vorletzte Woche musste die Social Community wegen einer fatalen Sicherheitslücke kurzfristig ihren Chat vom Netz nehmen. Die User konnten dadurch sämtliche Chats ihrer Freunde belauschen. Zudem waren die Freundschaftsanfragen, die sie an andere Mitglieder gestellt hatten, zu sehen (20 Minuten Online berichtete).

Kaum wurde das Leck gestopft, hat sich auch schon die nächste Sicherheitslücke aufgetan. Anhand der Kommentare in der Statusleiste und den verschickten Nachrichten liessen sich Rückschlüsse auf die IP-Adresse ziehen, berichtet das IT-Newsportal heise.de. Unter Umständen lässt sich diese einer Person zuordnen. Die notwendigen Informationen konnten aus dem Header des E-Mails herausgelesen und mittels eines so genannten Tracers wie er etwa auf myiptest.com angeboten wird, in die IP umgewandelt werden. Bei Facebook hat man inzwischen reagiert und den Fehler behoben.

Beschwerde gegen Facebook

Bei der US-Handelsbehörde FTC wurde Beschwerde gegen die Betreiber der Social Community eingereicht. Darin wird Facebook vorgeworfen, unfaire und betrügerische Geschäftspraktiken anzuwenden. So erlauben es die von Facebook eingeführten Datenschutz-Anpassungen, dass Daten an Drittanbieter weitergegeben werden, ohne dass die User im Vorfeld ihr Einverständnis geben müssen. Die ist laut den Beschwerdeführern ein klarer Verstoss gegen das geltende US-Handelsrecht. Die Beschwerde wird von insgesamt 15 Konsumenten-Organisationen unterstützt.

(mbu)