shuffle, nano, touch im Test

10. September 2010 13:49; Akt: 15.09.2010 21:39 Print

Es kommt doch auf die Grösse an

von Henning Steier - Der iPod classic bleibt unverändert: Nur drei neue Apple-Player stehen seit kurzem in den Läden. Für wen könnte sich ein Umstieg lohnen?

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Die neuen iPods: shuffle, nano und touch (von links)

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Vor einem Jahr kehrte Steve Jobs in die Öffentlichkeit zurück. In seiner Keynote am Firmensitz in Cupertino stellte er die neuen iPods vor. Interessanteste Neuerung damals war eine für Spass-Clips taugende Kamera im iPod nano, die Videos mit 640 x 480 Pixeln in H.264 mit 1,5 MBit/s aufzeichnet. Auf die Frage, warum sie nicht in den iPod touch integriert wurde, sagte Jobs: «Wir sehen das Gerät als Spielemaschine, die überdies den günstigsten Einstieg in den App Store liefert. Um die neue Preissenkung zu gewährleisten, mussten wir auf Extras wie die Kamera verzichten.»

Damals war der nano noch Apples erfolgreichster iPod. Ein Jahr später sieht die Multimediaplayer-Welt anders aus. «Mittlerweile verkaufen wir mehr touch-Geräte als nanos», sagte Michael Newey, Product Manager iPod EMEA, bei einem Medientermin in Zürich. Vom iPod touch würden mittlerweile mehr Exemplare abgesetzt als von Nintendos DS und Sonys PlayStation Portable zusammen. «Unsere Marktforschung hat ergeben, dass Kunden den nano vor allem zum Musikhören verwenden», erklärte Newey die Entscheidung Apples, den Player nun ohne Kamera auskommen zu lassen. Laut Newey ist er 46 Prozent kleiner als sein Vorgänger.

Nicht mehr wiederzuerkennen

Im Hands-on wirkt er daher wie ein überdimensionierter iPod shuffle, denn er kommt nun auch ohne Clickwheel zum Kunden. Die Bedienung über den Touchscreen ist nun die einzige Möglichkeit und gewöhnungsbedürftig. Denn auf dem quadratischen Vier-Zentimeter-Display stossen dicke Finger schnell an ihre Grenzen. Wer den nur noch 21 Gramm wiegenden nano dank des neuen Gürtelclips beispielsweise beim Joggen nutzt und blind navigieren möchte, sollte sich einen Kopfhörer mit Fernbedienung kaufen. Leider ist ein solcher nach wie vor nicht im Lieferumfang enthalten. Mit 240 x 240 Pixeln löst das Display auf. Es liefert gute Kontrastwerte und echte Farben, taugt aufgrund seiner Grösse aber vor allem zur Anzeige von Playlists und Covern. Videos kann der neue iPod nano nämlich nicht mehr abspielen. Apple hat Multitouch populär gemacht. Zwei Finger kann man auf dem nano-Display allerdings nur verwenden, um den Bildschirm auszurichten.

Die Bedienung ist gewohnt intuitiv, denn zugespitzt formuliert, kann man mit dem nano ohnehin nicht allzu viel anfangen: Wir vermissen Spiele, Kalender, Lautsprecher und Mikrofon. Und weil es keinen Home-Button mehr gibt, stellt sich die Frage: Wie gelangt man zurück zum Startbildschirm? Einfach lange aufs Display drücken. Darauf muss man aber erst einmal kommen. Alternativ kann man übrigens mit dem Finger nach links über den Bildschirm wischen. Fairerweise sei angemerkt, dass nicht alle von uns vermissten Funktionen auf einem derartig kleinen Display einen Sinn haben, aber lieber zu viele Möglichkeiten als so wenige. Positiv ins Gewicht fällt die nach wie vor hohe Soundqualität des mittleren iPods. Allerdings sollte man sich bessere Kopfhörer kaufen als diejenigen, welche Apple mitliefert.

Letzter iPod shuffle?

Der iPod nano kostet in der 8-Gigabyte-Version 189, mit doppelt so viel Speicher 229 Franken. Seinen kleinen Bruder, den iPod shuffle gibt es nun nur noch mit zwei Gigabyte Speicher. Für ihn verlangt Apple 59 Franken. Die Frage ist nur, wer ihn noch braucht. Michael Newey bezeichnete ihn im Gespräch als «Gerät, mit dem sich Apples Musikwelt kennen lernen lässt». Wichtigste Neuerung gegenüber dem Vorgänger ist, dass er nun auch Wiedergabelisten abspielen kann, was sich Nutzer schon lange gewünscht haben. Ausserdem hat er endlich wieder die Knöpfe des Vor-Vorgängers. 2,9 x 3,2 Zentimeter misst der Player. 8,7 Millimetern ist er dünn - inklusive Clip. Der iPod shuffe wiegt 12,5 Gramm. Wegen seines kleinen Speichers ist er in der Tat vor allem für Nutzer interessant, die wenig Musik hören oder nicht viel Abwechslung brauchen. Für ein bisschen mehr Geld bekommt man von Konkurrenten allerdings Geräte mit Radio, Farbdisplay und per microSD-Karten erweiterbaren Speichern. Ausserdem sollte der nächste shuffle auch Dateiformate wie wmv unterstützen. Vielleicht wird aber auch der nano der neue shuffle, so dass es im September 2011 keine neue Generation mehr geben wird.

Wichtigster Neuling ist ohne Zweifel der aufgebohrte iPod touch, dessen Aussattung teilweise an das iPhone 4 erinnert - zumindest, was das Retina-Display (960 x 640 Pixel) und den A4-Prozessor angeht. Er steht wie gehabt mit acht, 32 oder 64 Gigabyte Speicher zum Preis von 279, 379 beziehungsweise 529 Franken im Laden. Gross hatte Steve Jobs in seiner Präsentation am vergangenen Mittwoch die Unterstützung der Videotelefonie namens FaceTime angekündigt. Sie funktioniert aber erst seit dem in dieser Woche veröffentlichten Update auf Firmware 4.1. Wie man es vom iPhone 4 kennt, läuft das Ganze nur über WLAN. Im Test klappte es tadellos. Apple hat den FaceTime-Code mittlerweile freigegeben. Bleibt zu hoffen, dass das Ganze bald auch mit anderen Geräten funktioniert.

Endlich ein Gyroskop integriert

Der iPod touch ist zweifelsohne als Spielemaschine konzipiert, was sich auch darin äussert, dass laut Michael Newey mittlerweile 1,5 Milliarden Downloads aus der App-Kategorie Games und Entertainment verzeichnet wurden. Und hatten wir mit dem Vorgänger bei manchen Games mit leichten Verzögerungen zu kämpfen, laufen sie auf der neuesten Version des iPods problemlos. Der Shooter «N.O.V.A.» ist dank des neu eingebauten Gyroskops viel realistischer geworden. Allerdings war der Akku nach zwanzig Minuten bereits zu einem Drittel leer. Die HD-Kamera macht zwar gute Videos, die Fotos sehen aber im Vergleich zum iPhone 4 natürlich deutlich schlechter aus: Die Farben wirken unecht und die Kontraste geringer. Weil die Kameras mit 960 x 720 beziehungsweise 640 x 480 auflösen, sollte man ohnehin nicht zu viel von den Bildern erwarten. Das iOS 4.1 unterstützt zwar High-Dynamic-Range-Fotos (HDR). Dabei werden kurz hintereinander drei Bilder mit unterschiedlicher Belichtung geschossen. Eine Software erstellt daraus ein gleichmässig belichtetes Foto, indem sehr helle und sehr dunkle Bereiche dem mittleren angeglichen werden. Allerdings sind HDR-Bilder bislang nur mit dem iPhone 4 möglich.

Etwa 15 Gramm hat der iPod touch im Vergleich zu seinem Vorgänger an Gewicht verloren und wiegt nun 100. Er ist ausserdem rund 15 Prozent dünner und nur so dick wie der Stecker des Ladekabels, der in seine Buchse am unteren Gehäuserand passt. Klar: Wer FaceTime nutzen kann, braucht ein Mikrofon. Also hat Apple dem vierten iPod touch eines spendiert, so dass man ihn endlich auch ohne Zubehör als Diktiergerät verwenden kann. Schade ist, dass Apple nach wie vor kein GPS-Modul verbaut hat, so dass auch der neue iPod touch nicht als Navigationsgerät taugt. Aber wie erwähnt: Nächstes Jahr im September wird wohl die neue Generation gezeigt und vielleicht ist diese Funktion dann Steve Jobs' berühmtes «One more thing».