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02. Februar 2011 17:21; Akt: 08.02.2011 12:10 Print

Die erste iPad-Zeitung startet in den USA

von Henning Steier - Apple und News Corporation haben «The Daily» in New York vorgestellt. Schweizer Leser müssen sich gedulden.

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Eigentlich hatte Rupert Murdoch «The Daily» vor zwei Wochen mit Steve Jobs in San Francisco vorstellen wollen. Doch der Apple Boss nahm Mitte Januar krankheitsbedingt eine Auszeit. Daher zeigte der News-Corporation-Chef die erste reine iPad-Zeitung heute im New Yorker Guggenheim Museum an der Seite Eddy Cues, der im Apple-Vorstand für Internetdienste zuständig ist.

«Wir wollen Leute informieren, unterhalten und sie zum Lachen bringen», sagte Murdoch zu Beginn. Es gebe viele gut ausgebildete Menschen, die keine Tageszeitung mehr lesen, aber trotzdem Medien konsumieren. 14 US-Cent am Tag koste seine digitale, mehrmals aktualisierte Tageszeitung, rechnete er vor. Wann «The Daily» für weitere Plattformen verfügbar sein soll, sagte er nicht, kündigte aber an: «Sobald sich andere Tablet-PCs etabliert haben, werden wir auf ihnen starten. Das haben wir Apple von Anfang an gesagt.» Trotzdem gehöre dieses und wahrscheinlich auch das nächste Jahr noch Apple.

Kampfpreis zum Start

Sechs Monate Entwicklungszeit wurden in «The Daily» investiert. In den letzten sechs Wochen wurden Dummy-Ausgaben produziert. «9000 News-Apps gibt es mittlerweile für iPhone, iPod touch und iPad», sagte Eddy Cue, «aber keine echte digitale Tageszeitung.» 200 Millionen Downloads habe Apple mittlerweile in dieser Kategerorie gezählt. Dies zeige, die Anwender hätten ein grosses Interesse an Nachrichten. 39,99 US-Dollar pro Jahr oder wöchentlich 99 Cents müssen US-Kunden bezahlen. Wann die neuen In-App-Abonnements anderen Medienunternehmen angeboten werden soll, konnte er noch nicht sagen. Ebenso unbekannt ist bislang, ob und wann «The Daily» in anderen Ländern verfügbar sein soll.

Auf die Frage, wie er den Erfolg des neuen Mediums messen wolle, sagte Murdoch: «Die Produktionskosten liegen bei rund einer halben Million Dollar pro Woche und wir werden einige Millionen Exemplare absetzen.» Die Entwicklung der neuen Zeitung hat etwa 30 Millionen US-Dollar gekostet. In diversen Medienberichten war von etwa 100 Mitarbeitern die Rede, die an der iPad-Zeitung arbeiten sollen. Murdoch machte dazu auch in der Fragerunde nach der Präsentation keine Angaben. Videos, Audioinhalte und 360-Grad-Fotos - «The Daily» soll die Möglichkeiten des iPads ausreizen. Allerdings stürzte die App in der Präsentation einige Sekunden lang ab. Gezeigt wurde unter anderem, wie Leser sich auf Wunsch Daten ihres Lieblings-Footballteam anzeigen lassen können und Wetterdaten in Echtzeit empfangen.

Rupert Murdoch ist einer der wichtigsten Medienunternehmer weltweit. Sein Unternehmen News Corporation verlegt 175 Zeitungen. Dazu zählen «New York Post», «The Sun», «The Times» und «Wall Street Journal». Die beiden letztgenannten experimentieren seit geraumer Zeit mit Bezahlinhalten im Web. Zum Konzern gehört ausserdem das Filmstudio Twentieth Century Fox. 1989 erhielt der 1931 in Melbourne geborene Medienmogul die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sprachrohr für Murdochs rechtskonservative Ansichten ist in den USA die TV-Sendergruppe Fox Network. Zur politischen Ausrichtung der digitalen Zeitung sagte Murdoch nur: «Sie liegt in der Hand des Chefredaktors.»

«New York Times» entwickelt Social-Media-App

Unterdessen arbeitet die «New York Times» weiterhin an ihrer App News.me, ohne einen Starttermin präsentiert zu haben. Für sie werden keine eigenen Inhalte erstellt. Damit erinnert die Anwendung an das Prinzip von Flipboard. Das gleichnamige US-Start-up bietet seit Sommer 2010 eine Anwendung fürs iPad an, die Inhalte aus sozialen Netzwerken und Blogs im Magazinformat darstellt. Zu Beginn wurden Inhalte von Facebook und Twitter genutzt. Sukzessive wurden Flickr, Foursquare, Yelp sowie E-Mails und deren Anhänge integriert. Nutzer müssen ihre Accountdaten an Flipboard übermitteln und zustimmen, dass die App beispielsweise Statusmeldungen auf ihrer Pinnwand veröffentlichen darf. Man sollte sich also überlegen, ob man beides möchte.

Wer sich bei news.me mit seinen Twitter-Daten anmeldet, sieht, welche Nachrichten andere Anwender, denen man folgt, lesen. Als weiterer Partner ist der Kurz-URL-Dienst bit.ly dabei. Laut TechCrunch sollen sich Artikel lesen lassen, ohne dass eine neue Seite geöffnet werden muss. News können über Twitter, Facebook und E-Mails geteilt werden. Favoriten werden in news.me abgelegt. Nutzer sollen erst Artikel angezeigt bekommen, wenn diese eine bestimmte Klick-Rate bei bit.ly überschritten haben. Es soll ausserdem einen grossen News-Button geben, über den man sich die von bit.ly definierten, wichtigsten Nachrichten anschauen kann. Weil die App auch Volltext-Artikel anderer Anbieter anzeigt, ist wird sie allerdings nicht kostenlos sein.

Durchzogener Start für iPad-Magazin

Ende November hatte Virgin-Gründer Richard Branson mit «Project» sein Lifestyle-Magazin lanciert, das nur fürs iPad verfügbar ist. Ein Fazit zum Start fiel durchzogen aus: Der Download der ersten Ausgabe dauerte eine gefühlte Ewigkeit, von «Instant Satisfaction» keine Spur. Eine kostenlose Probeausgabe von «Project» gibt es nicht, von Anfang an werden pro Ausgabe 3,30 Franken fällig. Einmal installiert und gestartet, bleibt der Wow-Effekt aus. Die iPad-only-App bietet nichts, was man nicht schon von herkömmlichen iPad-Magazinen kennt. Verkaufszahlen wurden bislang nicht veröffentlicht.

Gut gefallen haben uns die Werbeanzeigen, die wie TV-Spots daherkommen. Im Gegensatz zur herkömmlichen Flimmerkiste bieten sie auf dem iPad einen gewissen Grad an Interaktion. So kann sich der User auf Wunsch zusätzliche Infos zu Produkten anzeigen lassen. Unschön war, dass im Test die eingeblendeten Werbemittel teilweise zu Blockaden führten und die App in der Folge neu gestartet werden musste.