Gut zu wissen

18. Februar 2013 14:20; Akt: 18.02.2013 14:40 Print

Beim Smartphone-Notruf hilft nur die 112

Kein Anschluss unter 117, 118 oder 144: Wer mit einem PIN-geschützten Handy in der Schweiz die Retter rufen will, kommt nur mit der internationalen Notrufnummer 112 durch.

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Die Notruf-Funktion eines verriegelten Geräts funktioniert nicht mit der 144, der traditionellen Schweizer Notrufummer für die Sanität. (Bild: Colourbox/20 Minuten Online)

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Stellen Sie sich einen schweren Autounfall vor. Das einzige Mobiltelefon, das zur Verfügung steht, ist das iPhone eines Bewusstlosen. Selbst wenn das Apple-Gerät mit einer Code-Sperre vor fremden Zugriffen geschützt ist, sollte man damit die Retter rufen können. Um die Notruf-Funktion zu nützen, muss man lediglich die dreistellige Notrufnummer eintippen und das grüne Telefon-Symbol drücken. Daraufhin wird man innert Sekunden mit der Notrufzentrale verbunden.

So weit die Theorie. Doch in der Praxis droht eine böse Überraschung. Was vielen iPhone-Besitzern nicht bekannt sein dürfte: Die Notruf-Funktion eines gesperrten Geräts akzeptiert keine der traditionellen Schweizer Notrufnummern. Das gilt auch für die Smartphones anderer Hersteller. Weder die 117 für die Polizei, die 118 für die Feuerwehr oder die 144 für die Rettungssanität führen zum Ziel, die Verbindung wird nach dem Wählen verweigert.

Internationaler Notruf funktioniert

Dafür funktioniert die 112, das ist die international gültige Notrufnummer. Und auch die 911, bekannt aus vielen amerikanischen Fernsehserien, führt zum Ziel. Beim Probeanruf aus dem Raum Zürich werden wir mit der Zentrale der Stadtpolizei verbunden.

Verkehrsunfälle und andere Notsituationen bedeuten brutalen Stress. Ob man in einer solchen Situation die Geistesgegenwart besitzt, die 112 oder 911 zu wählen, ist fraglich. Falls man das Gerät nicht mit dem PIN-Code, respektive Passwort, entsperren kann, bleibt einem aber keine andere Wahl.

Kein neues Problem

Seit Jahren laufen in der Schweiz die Bemühungen um eine Vereinheitlichung der Notfallnummern. In einigen Kantonen gibt es noch separate Notrufzentralen für Sanität, Feuerwehr und Polizei, was eine Zusammenlegung der Telefonnummern erschwert.

Was die Smartphones betrifft, ist die Vereinheitlichung schon da. Stellvertretend für die Schweizer Mobilfunkbetreiber erklärt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze: «Die Notrufe auf 112 (internationaler Notruf) und 911 (US-Notrufnummer) werden durch eine Gerätefunktion ausgelöst und sind auch verfügbar, wenn der Kunde den Geräte-PIN bzw. das Passwort vergessen hat.» Dazu müsse ein Vertrag mit einem Mobilfunkanbieter bestehen und eine gültige SIM-Karte im Gerät eingesetzt sein.

Die Schweizer Notrufnummern 117, 118 und 144 seien nationale Nummern und würden nicht über eine Gerätefunktion angewählt, erklärt der Swisscom-Sprecher. Es handle sich um normale Anrufe, die der Nutzer auslöse. «Der Kunde muss also nicht nur eine gültige und aktivierte SIM-Karte bzw. einen Vertrag mit einem Mobilfunkanbieter besitzen, er muss auch seinen Geräte-PIN/-Passwort kennen, wenn er diesen aktiviert hat.» Notrufe auf diese Nummern werden auch ausgelöst, wenn die SIM-Karte vom Mobilfunkanbieter gesperrt wurde, etwa aufgrund von unbezahlten Rechnungen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sepp Jauch am 18.02.2013 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Prolem?

    Kein Problem, 112 wird meist zur Polizei geleitet, diese bieten dann die Feuerwehr und/oder Sanität auf. Diese Zusammenarbeit ist tägliche Routine

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  • yves riesen am 19.02.2013 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Notruft erfolgt auch über Funknetz

    Viele scheinen das nicht zu wissen, aber es braucht keine Netzabeckung irgend eines Providers um einen Notruf abzusetzen. Wenn es im betreffend Gebiet keine Netzabdeckung gibt (Bsp. in einem Bergtal) erfolgt der Notruft z.Bsp. über das Funknetz der Armee oder der SBB. Beide haben ein dichtes Funktnetzwerk in der Schweiz und eines der beiden Netze hat immer irgendwo Empfang in der Schweiz. Auch im tiefsten Bergtal hinten.

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  • Marius Hartmann am 18.02.2013 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch die 112 ist schon längst überfällig

    Es ist mir unverständlich, weshalb es nicht nur noch die 112 für alle Notfälle gibt, so wie das z.B. in Deutschland, Spanien, Holland oder England schon längst der Fall ist. Die Kantonspolizei Basel-Land fährt auch nur noch mit der 112 auf ihren Fahrzeugen rum.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pincopallina am 19.02.2013 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die gute alte schule

    In der schule lernt man doch schon welche nummer für was ist. Weil ich ein fauler mensch bin und mir eh keine nummern merken kann, habe ich mir nur die 112 gemerkt. Der polizist hat schon dazumals gesagt dass ist die beste variante denn dann werden die aufgeboten welche zum unfall oder notsituation am besten helfen können.

  • yves riesen am 19.02.2013 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Notruft erfolgt auch über Funknetz

    Viele scheinen das nicht zu wissen, aber es braucht keine Netzabeckung irgend eines Providers um einen Notruf abzusetzen. Wenn es im betreffend Gebiet keine Netzabdeckung gibt (Bsp. in einem Bergtal) erfolgt der Notruft z.Bsp. über das Funknetz der Armee oder der SBB. Beide haben ein dichtes Funktnetzwerk in der Schweiz und eines der beiden Netze hat immer irgendwo Empfang in der Schweiz. Auch im tiefsten Bergtal hinten.

    • paul gross am 19.02.2013 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ohne sim

      wieso funktioniert der notruf dann ohne sim karte?

    • Malvin Berger am 19.02.2013 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      SBB hat eigenes Netz

      Das ist nicht richtig, die SBB betreibt sehrwohl eigene Funknetze, lautent auf GSM-R wobei R für Rail steht und in ganz Europa verfügbar ist. Ganz nebenbei haben die SBB mitarbeiter auch eigene Geräte und Sim Karten.

    • Daniel Hofmann am 20.02.2013 00:16 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Netz, nicht immer

      Wo kein Netz ist, kann auch kein Notruf abgegeben werden. JEDOCH, gibt es Gebiete in denen eine Netzabdeckung sehr Schwach ist und das Gerät einem sagt, das Kein Netz vorhanden ist. Wird der Notruf gewählt, wird dieser über das Vorhanden nicht angezeigte SCHWACHE Netz geleitet. Des weiteren werden Notfalls, Telefonanrufe, Datenübertragungen anderer Netzteilnehmer Unterbrochen um den Notruf durchleiten zu können.

    • yves riesen am 21.02.2013 10:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Dani: Stimmt nicht!

      @Dani: Stimmt einfach nicht Ihre Aussage. Die SBB hat sehrwohl ein eigens Funknetz (GSM-R) und auch die Armee betreibt ein Funknetz (nicht zu verwechseln mit einem Mobilfunknetz). Die Push-to-talk Funktion wird hier genutzt wenn Notrufe versendet werden wenn keine Mobilfunkabdeckung vorhanden. Die Info, das Notrufe über das Netz der Armee oder der SBB läuft, habe ich bekommen von einem Instruktor des Schweizerische Korps für humanitäre Hilfe (SKH) der DEZA und Hundeführer von REDDOG und ich glaube die wissen schon wie das läuft mit den Notrufen.

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  • Alex lang am 19.02.2013 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem..?

    "Oh nein" wie schrecklich dass man einen universellen Notruf wählen muss anstatt zwei verschiedene....

  • Martin Lerch am 19.02.2013 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Vertragsrecht.

    Die Swisscom nimmt unser Geld für die Dienstleistung. Wie sie das technische Problem löst, ist ihr Bier und nicht unseres. Wenn ich in einer Notsituation die Ambulanz rufen will, dann ist mir wirklich vollkommen schnurzegal, ob das eine Geräte- oder eine Sugus-Funktion ist. Ich will einfach die Ambulanz da haben. Wir haben bezahlt dafür! Es ist eine Frage der Zeit, bis jemand einen Millionenschaden einklagt.

    • P. K. am 19.02.2013 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      GSM Standard

      Einverstanden. Die Swisscom untersagt die Benutzung von Telephonen, die nicht dem Schweizer Standard genügen (stand heute: alle). Übrigens im GSM Standard (aus den 1990gern) steht genau drin, dass nur die 112 garantiert ist.

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  • François Bach am 19.02.2013 01:57 Report Diesen Beitrag melden

    112 erst seit 1.1.2013 CH-Weit

    Die 112 gilt nur für Ländern der EU und der EFTA sowie in Russland, Kroatien, der Ukraine und einigen weiteren Ländern in Europa. Dabei gelten zum teil die lokalen alten Nummer immer noch, dürfen aber nicht mehr kommuniziert werden . Dies gilt auch für die Schweiz. Das Telefonieren mit Händy an Kantonsgrenzen ist problematisch. Die Einsatzzentralen sind Kantonal geregelt. Sobald ein besserer Empfang aus den Nachbarkanton steht, muss die Einsatzzentrale aus organisatorischen und technischen Gründen die Meldung an die korrekte Einsatzzentrale weiterleiten. Dabei geht wertvolle Zeit flöten