Onavo

04. Mai 2011 15:36; Akt: 04.05.2011 16:59 Print

Diese App macht das iPhone zum Sparschwein

von Daniel Schurter - Wer mit dem Smartphone häufig und überall im Netz surft, sollte Onavo ausprobieren. Wir zeigen die Vor- und Nachteile der Daten-Spar-App aus Israel.

Bildstrecke im Grossformat »
Aus Tel Aviv kommt eine kostenlose iPhone-App namens Onavo, die eine bessere Kontrolle über das verbrauchte Datenvolumen verspricht. Bei der Vorstellung Ende April an der «The Next Web»-Konferenz in Amsterdam erhielt das Startup mehrere Auszeichnungen. Die Nutzung ist zurzeit kostenlos. Eine Android-App ist ebenfalls in Entwicklung. Dank Onavo soll man teures Daten-Roaming verhindern können, indem die abgerufenen Internet-Daten massiv verkleinert werden. Die Komprimierung erfolgt automatisch auf Cloud-basierten Servern von Amazon. Die Entwicklerfirma verspricht, dass bis zu 80 Prozent des Datenvolumens eingespart werden können. Beim erstmaligen Starten der App wird der Smartphone-User aufgefordert, sich mit einer E-Mail-Adresse und einem Passwort zu registrieren. Um den Dienst nutzen zu können, muss auf dem iPhone eine Konfigurationdatei installiert werden. Anschliessend läuft die App im Hintergrund - sie kann aber jederzeit deaktiviert oder ganz gelöscht werden. Onavo leitet den ganzen Traffic über die Server der Firma. Von dort werden die Daten komprimiert zum User zurückgeschickt. Weil der ganze Traffic über die Onavo-Server läuft, fällt dort auch einiges an persönlichen Daten an. Inhalte wie Mails oder ausgefüllte Formulare werden laut Onavo aber nicht gespeichert. Verkleinert werden nicht nur Texte und Bilder, wie man es bereits vom mobilen Opera-Browser her kennt. Unterstützt werden auch andere iPhone-Apps, mit Ausnahme von Streaming-Diensten wie YouTube und Voice over IP (VoIP) wie etwa Skype. Nach dem Registrierungs- und Installationsvorgang wird die App mit einem Klick gestartet. Die Daten-Spar-App dürfte sich nicht nur im Ausland als praktisch erweisen. Auch in der Schweiz lässt sich der mobile Datenverbrauch verkleinern - dies ist für alle Nutzer interessant, die kein Abo mit unbeschränktem Daten-Volumen haben. Wie ein erster Test von 20 Minuten Online zeigt, hängen die Einsparungen stark von den genutzten Apps ab. Wer News-Dienste nutzt und im Internet surft, spart schnell einige Megabytes an Daten. Onavo verringert nicht nur die Datenmenge, sondern liefert auch genaue Statistiken. So kann der User erkennen, welche Programme wie viele Megabytes verbrauchen. Und auch die Einsparungen bei jeder App werden bis auf das Kilobyte genau aufgelistet. Noch ist der Dienst gratis - nach einer Testphase von unbekannter Dauer will die Entwicklerfirma allerdings ein Abo-Modell einführen. Solange das iPhone mit einem WLAN-Netzwerk verbunden ist, pausiert Onavo. Erst wenn das Gerät die Daten wieder über die Mobilfunkverbindung bezieht, schaltet sich die App automatisch ein. Der Datenverbrauch wird sowohl im Monatsverlauf angezeigt, wie auch getrennt nach «Trips». Der User kann also beispielsweise für jede Auslandsreise separat anzeigen lassen, wie viele Daten von welchen Apps bezogen wurden. Kritiker geben zu bedenken, dass die gebündelten persönlichen Daten über die Onavo-Server laufen. Dies könne bezüglich Datenschutz problematisch sein.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Renommierte Blogs wie «TechCrunch» überschlagen sich vor Begeisterung und sprechen von einem «Must-Have» für jeden iPhone-Nutzer. Die Rede ist von Onavo, einer App, die seit kurzem kostenlos über den App Store von Apple heruntergeladen werden kann. Schon bald soll auch eine Android-App folgen. Die Entwickler wollen im Lauf der nächsten zwei Monate eine Beta-Version veröffentlichen.

Umfrage
Achten Sie beim Handy-Surfen auf den Datenverbrauch?
44 %
27 %
29 %
Insgesamt 717 Teilnehmer

Onavo heisst so viel wie «schlaue Investition» auf Kantonesisch. Alles was der User tun muss, ist einige Minuten zu investieren, um sich für den Dienst zu registrieren. Dann kann es losgehen. Ab sofort läuft die App im Hintergrund und hilft, den Datenverbrauch zu reduzieren. Das ist für alle User interessant, die nicht über ein Mobilfunk-Abo mit unbegrenztem Datenvolumen verfügen. Und gerade bei Ausland-Reisen können die Roaming-Kosten klein gehalten werden. Zusätzlich liefert die App detailierte Informationen und Statistiken über den Datenverbrauch des eigenen Geräts.

Viele Apps werden unterstützt

Onavo ist Ende April an der Internet-Konferenz «The Next Web» in Amsterdam vorgestellt worden und hat gleich zwei Auszeichnungen eingeheimst. Laut den Entwicklern, einem israelischen Startup namens Onavo Online, lassen sich mit der App bis zu 80 Prozent des eingehenden Web-Traffics sparen, ohne auf Inhalte verzichten zu müssen.

Wie ein erster Test von 20 Minuten Online zeigt, kann sich das Tool schnell bezahlt machen. Innert weniger Tage wurden bei der iPhone-Nutzung mehrere Megabytes an Daten eingespart. Gespart wird nicht nur beim Surfen mit dem mobilen Browser. Onavo unterstützt auch andere Apps, wie zum Beispiel RSS-Reader. Einzig bei Streaming-Diensten und Voice over IP (VoIP) muss die Technik passen. Ob sich die von der Entwicklerfirma versprochenen massiven Einsparungen tatsächlich realisieren lassen, ist offen.

Seiten werden «gestrippt»

Und so funktionierts: Um die bei der Internet-Nutzung anfallenden Datenmengen zu verkleinern, lenkt Onavo den Traffic über eigene Server um. Dort werden Bilder und Texte verkleinert und erst anschliessend ans Endgerät, also das iPhone, weitergeleitet. Der Geschäftssführer von Onavo, Guy Rosen, erklärte im Interview mit der «New York Times» die Hintergründe. Die vom Gerät aufgerufenen Webseiten werden von den Onavo-Servern intensiv bearbeitet: Unnötige Informationen werden gezielt aussortiert, Bilder an die Display-Grösse des Geräts angepasst und die Auflösung verringert. Schliesslich kommen verschiedene Komprimierungsverfahren zum Einsatz.

Das Verblüffende: Beim Surfen sind keine Verzögerungen zu erkennen. Den Entwicklern zufolge soll die App sogar höhere Geschwindigkeiten ermöglichen. Zum einen würden viele Webseiten in einem Cache zwischengespeichert, zum anderen würden die «gestrippten» Seiten schneller geladen, weil sie ja massiv kleiner (an Daten) seien.

Und der Datenschutz?

Noch kann die App kostenlos bezogen werden. Wie lange die Testphase dauert, ist nicht bekannt. In Zukunft will die Entwicklerfirma Geld verdienen. Das Geschäftsmodell sieht vor, eine monatliche Gebühr für die Nutzung des Dienstes zu erheben. «Wir helfen den Leuten Geld zu sparen und verlangen dafür im Gegenzug einen kleinen Betrag», heisst es bei Onavo. Die Gebühr werde so klein sein, dass die Nutzer immer noch auf ihre Kosten kämen. Und dann kommen die Entwickler auf ein heikles Thema zu sprechen: den Datenschutz.

Fakt ist: Wenn die App im Hintergrund läuft, werden praktisch alle Daten aus dem Internet über die Onavo-Server geleitet. Das iPhone fungiert lediglich als Proxy - es sagt also den Apps, über welche Server die Daten weitergeleitet werden sollen. In den Online-Foren werden darum kritische Stimmen laut, die diese Funktionsweise als problematisch erachten. Die Leute sollten sich gut überlegen, ob sie all ihre Daten, darunter E-Mails sowie Facebook- und Twitter-Daten, gebündelt über die Onavo-Server laufen lassen wollen. Es sei nicht restlos geklärt, was die Firma mit den gesammelten Daten anfangen werde.

Keine sensiblen Daten

Tatsächlich erfasst Onavo einige Informationen, so zum Beispiel die IP-Adressen und Statistiken zur Nutzung. Das Unternehmen versichert, der Datenschutz werde zu 100 Prozent garantiert. Verarbeitet werden die Daten in professionellen Data-Centern von Amazon Web Services rund um den Globus. Die übertragenen Inhalte wie Mails, Tweets oder ausgefüllte Formulare würden gar nicht gespeichert, sondern lediglich verkleinert und weitergeleitet. Überhaupt nicht erfasst würden zudem alle vertraulichen Inhalte, die über gesicherte HTTPS-Verbindungen übertragen werden.

Laut Onavo erfolgt eine statistische Auswertung, um den Dienst weiter zu verbessern. Die Nutzungsdaten würden anonymisiert gesammelt, wie es beispielsweise auch die Internet-Provider tun. Alle Kundendaten seien sicher und würden keinesfalls an Drittfirmen weiterverkauft. Dies steht auch in der Datenschutzerklärung.

In einem Werbevideo auf der Onavo-Website wird die Funktionsweise anschaulich erklärt:

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steve am 05.05.2011 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    dropbox macht probleme

    Dropbox muss vor Installation deinstalliert werden, sonst kann das Profile File nicht installiert werden!

  • michi am 05.05.2011 07:14 Report Diesen Beitrag melden

    versuch

    Ich habe das jetzt ausprobiert und gemerkt dass danach in einigen Apps die Bilder mieserabel dargestellt werden. (komprimiert)... Nun habe ich in der Auswertung eine komische app "hone" gefunden. Hat jemand eine Ahnung was das sein könnte?

    einklappen einklappen
  • Raphael Jülich am 04.05.2011 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Armes Opera

    Opera hat diese Funktion bereits vor ca. einem Jahr in seinen Browser integriert. Die Funktion heisst Opera Turbo und funktioniert nach genau dem oben beschriebenen Verfahren! Ich finde es recht bedauernswert das andere Leute mit Erfindungen und Ideen von Opera Geld machen und Opera bleibt anschliessend aussen Vor! (Auch im Browserbereich sind sie die Innovativsten und die andern schreiben dann nur noch ap!)

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Steve am 05.05.2011 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    dropbox macht probleme

    Dropbox muss vor Installation deinstalliert werden, sonst kann das Profile File nicht installiert werden!

  • michi am 05.05.2011 07:14 Report Diesen Beitrag melden

    versuch

    Ich habe das jetzt ausprobiert und gemerkt dass danach in einigen Apps die Bilder mieserabel dargestellt werden. (komprimiert)... Nun habe ich in der Auswertung eine komische app "hone" gefunden. Hat jemand eine Ahnung was das sein könnte?

    • michi am 05.05.2011 09:21 Report Diesen Beitrag melden

      nachtrag

      Dieses "hone" verbraucht anscheinend sehr viel traffic. es zeigt schon 20MB an, obwohl ich es mit dem onavo tool erst seit zwei stunden beobachte.

    einklappen einklappen
  • gregor am 05.05.2011 00:29 Report Diesen Beitrag melden

    zu unsicher

    eine app aus israel verspricht datenschutz? such mal hamas oder palästina und dann blinkt irgendwo bei der firma eine rote warnlampe... ich traue der app nicht.

    • laslo vertosz am 05.05.2011 09:44 Report Diesen Beitrag melden

      doof

      falls du es noch nicht gemerkt hast, israel ist im hightech bereich nach america die nr. in der entwicklung. du hast definitve irgendetwas zuhause made in israel. der intel chip, der chip im motorola chip oder sonst irgendwelche programme. also bitte kein politik hier !

    einklappen einklappen
  • eric hofer am 04.05.2011 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    geniales tool !

    cooles tool ! lohnt sich definitve. betreffend datenschutz mache ich mir keine sorgen... je grösser eine firma desto grösser das risiko eines lecks. siehe Sony !!! also keine angst.... sonst könnt ihr ja eine datenschutzversicherung abschliessen ;-)

  • Peter Thalmann am 04.05.2011 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Alter Hut unter Android

    Wer Android User ist und sein Handy gerootet hat, kann sich die App "DroidWall" gratis herunterladen. Damit lässt sich der Internetzugrif für die einzelnen Apps komfortabel verwalten. Man kann auch für jede App das mobile Internet und W-Lan separat sperren. So wird gar kein Traffic verbraucht, denn man braucht schliesslich nicht alle Apps im mobilen Internet. So ist wenigstens der Datenschutz gewährleistet. Ausserdem gibts noch Opera Mobile zum surfen (der diese Technik schon lange unterstützt).

    • Peter Klausens am 07.05.2011 11:06 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch verstanden

      Bei der vorgestellten App, geht es nicht darum Verbindungen zu sperren sondern nur zu komprimieren. Damit die "Mobile Daten" Nutzung verzögert wird bzw. spärlich benutzt wird... und so im Ausland enorme kosten sparen kann.

    einklappen einklappen