Aufruf im Web

28. November 2011 21:49; Akt: 29.11.2011 06:40 Print

Jailbreaker erklären Apple den «Krieg»

Apple hat das mobile Betriebssystem iOS 5 bislang erfolgreich abgeschottet. Das lässt die iPhone-Hacker zu ungewöhnlichen Massnahmen greifen.

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Das Chronic Dev Team will Fehlermeldungen der Apple-Geräte systematisch auswerten, um Lücken für einen Jailbreak zu finden. (Bild: Keystone / greenpois0n.com)

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Die Jailbreaking-Spezialisten gehen auf Konfrontationskurs mit Apple. Das zeigt die jüngste Aktion des Chronic Dev Team. In ihrem Green-Poison-Blog rufen die Hacker die iPhone-Nutzer zur Mithilfe auf. Sie sollen auf ihrem Computer zuhause ein spezielles Tool installieren.

Wenn auf fremden Computern ein Hacker-Tool installiert werden soll, müssen alle Alarmglocken läuten. Doch das Chronic Dev Team hat ein besonderes Motiv. Die gefundenen Schwachstellen sollen genutzt werden, um das mobile Apple-Betriebssystem zu knacken und einen sogenannten Unthethered Jailbreak für iOS 5 zu entwickeln.

Mit einem solchen Tool können die iOS-Geräte restlos von Apples Software-Fesseln befreit werden. Sprich: Wer auf dem iPhone, iPad oder iPod touch einen Jailbreak durchführt, kann anschliessend auch Programme und Erweiterungen installieren, die nicht von Apple kontrolliert werden.

Langer Konflikt

Der Konflikt zwischen Apple und den Jailbreakern dauert seit Jahren an. Getreu der Strategie von Steve Jobs schottet das Unternehmen seine Produkte ab und möchte die Nutzer zwingen, Software ausschliesslich über den App Store zu installieren. Argumentiert wird mit Sicherheitsgründen. Weil jede App vor der Veröffentlichung streng geprüft werde, sei das Angebot praktisch frei von Malware. Kritiker sehen in Apples rigiden Kontrollen allerdings ihre Freiheit beschnitten. Und unabhängige Entwickler suchen nach Wegen, wie sie den offiziellen Vertriebs- und Verkaufskanal umgehen können.

Knacknuss iOS 5

Bis anhin war es den Hackern gelungen, jede neue Betriebssystem-Version innert Tagen oder Wochen zu knacken. Das hat sich mit iOS 5 geändert, das Anfang Oktober veröffentlicht wurde. Offensichtlich konnte Apple gleich mehrere «wertvolle» Sicherheitslücken schliessen. Noch immer warten die Jailbreak-Anhänger darum auf ein entsprechendes Tool für das iPhone 4S und das iPad 2. Für ältere iOS-Geräte wie das iPhone 3GS und das iPad (1) gibt es Ad-hoc-Lösungen, die aber nicht restlos zu befriedigen vermögen.

Umsonst «gearbeitet»

Um einen Jailbreak zu entwickeln, müssen die Hacker die iOS-Software unzählige Male abstürzen lassen. Das geschieht in der Regel während der Testphase für Entwickler, also bevor das neue Betriebssystem öffentlich zugänglich gemacht wird.

Die Absturz-Protokolle («Crash Reports») werden von den iOS-Geräten automatisch an Apple übermittelt. Die Funktion kann zwar in iTunes deaktiviert werden. Doch vermuten die Hacker, dass einzelne Protokolle trotzdem an Apple gesendet wurden und sie ihre Jailbreak-Fortschritte quasi selber verraten haben. Dies sei etwa dann passiert, wenn sie ihr iPhone am Computer eines Bekannten aufgeladen hätten.

Um solche «Missgeschicke» in Zukunft zu verhindern und stattdessen mehr über potenzielle Schwachstellen zu erfahren, hat das Chronic Dev Team das «CDevReporter»-Tool entwickelt. Damit werden alle Crash-Berichte an die Hacker weitergeleitet – anstatt an die Apple-Server. Eine Kampfansage an die Adresse von Apple. Man sei bereit zum «Krieg um die Informationen».

Vorsicht geboten!

Das Tool ist für Windows- und Mac-Computer erhältlich. Wer sich darauf einlässt, tut dies auf eigenes Risiko. Auch wenn versichert wird, die Crash-Berichte würden ausschliesslich für die Jailbreak-Entwicklung analysiert: 20 Minuten Online rät von der Installation des Tools ab. Kommentatoren im Internet haben keine Bedenken. Sie sagen, das Chronic Dev Team habe einen hervorragenden Ruf und die Gefahr eines Missbrauchs der unpersönlichen Daten sei gleich null. Derweil berichtet 9to5mac, Apple sei wohl bereits mit Gegenmassnahmen beschäftigt, um den Masterplan der Hacker zu durchkreuzen.

An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass Sicherheitsexperten das Aufheben der Software-Sperre (Jailbreak) grundsätzlich kritisch betrachten. Dadurch werden die vom Hersteller getroffenen Sicherheitsmassnahmen ausgehebelt, was die iOS-Geräte angreifbar machen könnte. Wer einen Jailbreak durchführt, sollte sehr genau wissen, wie das geknackte System zu schützen ist.

Apple verweist auf den Lizenzvertrag zur iPhone-Software, den man beim Kauf eingeht. Darin heisst es, die Software dürfe nicht verändert werden. Eine Apple-Sprecherin erklärte gegenüber 20 Minuten Online, die überwiegende Mehrheit der Kunden führe keine Jailbreaks durch, weil dies gegen die Garantiebestimmungen verstosse. Zudem könnte der Jailbreak dazu führen, dass das Gerät unstabil werde und nicht mehr zuverlässig arbeite.

(dsc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 29.11.2011 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Mädels, jeder entscheidet für sich.

    Mein Vater und mein Bruder haben beide iPhones (beide jb), ich pers. habe Android (mit GoLauncherEX - beste app für android ;) ). Für den 0815 User ist Apple 1A. Es ist einfach in der Bedienung und Deckt nahezu 100% des Bedarfs ab. Android kann genau so einfach in der Bedienung sein und deckt ebenso 100% des normalen Bedarfs ab. Grösster Vorteil von Android = Der Speicher steht einem zu 100% zur freien Verfügung und man kann tun und lassen was man will. Grösster Vorteil Apple: Hübsches Design, dubeli sichere Handhabung. Thema Viren: Wer sein Gehirn benutzt, fängt sich keine ein.

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  • Flo Pi am 29.11.2011 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    kein Jailbreak.

    Es gibt so viele Funktionen und Apps - da braucht man kein Jailbreak.

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  • Clementine am 29.11.2011 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Microsoft und Apple

    Oft probiert und nie erreicht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Timo N. am 03.12.2011 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das Seine

    Ich finde die Aktionen von Apple kindisch, so wird doch so oder so wieder eine Jailbreak gefunden. Kostet doch nur Zeit und auch Geld und wer zahlt? Der Kunde. Wüsste mal gern, was das Ipad weniger kosten würden müssten wir nicht die unzähligen Programmiererstunden zahlen um Jailbreaks zu unterbinden. Ich finde Jailbreaks haben ihre Berechtigung. Sicherheit hin oder her. Wer sich dem Risiko "Jailbreak" aussetzen will der soll das doch tun. Die anderen Unterstützen Apple und zwar auch, dass Apple ihre Standarts durchsetzen kann. Dabei denke ich z.B. an Flash.

    • Stefan Schmid am 06.12.2011 07:47 Report Diesen Beitrag melden

      Unbekannte Herkunft

      Das ist der Spruch unter Android wenn man nicht geprüfte Apps benutzen will: "Anwendungen aus unbekannten Quellen können gefährlich für ihr Telefon und Ihre persönlichen Daten sein. Sie stimmen zu, dass Sie die Verantwortung für alle Schäden an Ihrem Telefon oder jegliche Datenverluste tragen, die aus der Verwendung dieser Anwendungen entstehen können.". Und Apple könnte ja was vergleichbares einbauen.

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  • Nicolas am 02.12.2011 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    jailbreak

    Also ich finde Jailbreak das beste das man mit dem Iphone machen kann

  • Manuel H. am 02.12.2011 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Was stört euch denn an den Apple-Programmen? Wer kein gejailtes iPhone will soll sich einfach ein Android kaufen. Ich bin an sich happy, dass sich Apple in so einem stabilen System bewegt. Never change a winning team / a running system. Auf Deutsch: Warum kaputt machen was funktioniert? Wen's stört: iPhone wegwerfen und Android kaufen... Man zahlt ja schliesslich genug für das Telefon (oder den Mobilfunkvertrag), da kann man auch erwarten, dass man einen guten Support hat, und den bietet Apple.

  • andreas keller am 01.12.2011 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    gemischte gefühle

    Ich finde Apple lächerlich. Vor Jahren haben sie das Microsoft Monopol angefechtet, Flashplayer - ein Riesentheater gab es. Apple verhält sich heute genauso. Ich habe auch Verständnis dafür. Ein guter Koch verrät das Rezept auch nicht. Bin hin- und her gerissen. Mein Handy hatte ich 1x gejailt, habe jedoch den Anwendungen der Entwickler nicht getraut; das Angebot war mir zu gross, überforderung. Mein I-Phone läuft wieder auf dem OS von Apple, meine Bedürfnisse deckt es.

  • Urs Kimmelmann am 01.12.2011 07:46 Report Diesen Beitrag melden

    Viva la Android

    Diese Probleme von den armen Apple User's will ich nicht haben. Ich lade sehr viel auf mein Android Samsung S2 und nie ist etwas passiert. Ich lass auch in Zukunft meine Finger von diesem "geschlossenen System"