«Back to the Mac»

20. Oktober 2010 19:27; Akt: 16.12.2010 17:58 Print

«iPad trifft MacBook»

von Henning Steier - Apple hat seine Neuigkeiten fürs Weihnachtsgeschäft vorgestellt. FaceTime kommt auf den Mac, iLife 11 in die Läden. Ein Ausblick auf OS X Lion wurde präsentiert. Und es gibt nicht nur ein neues MacBook Air.

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Zu Beginn der Keynote in Cupertino betrat Apples Finanzchef Tim Cook die Bühne, um einige Zahlen zu präsentieren. «Im abgelaufenen Geschäftsjahr wuchs der PC-Markt im Vergleich zum Vorjahr um elf, die Zahl der verkauften Macs um 27 Prozent», sagte er. Damit liege man seit viereinhalb Jahren über dem Gesamtmarkt. 600 000 registrierte Mac-Entwickler gibt es laut Cook mittlerweile und nannte als prominentes Beispiel Valve und deren Gaming-Plattform Steam. Monatlich kämen rund 30 000 hinzu. Zurzeit betreibt das Apfel-Unternehmen gemäss seinem CFO weltweit 318 Apple Stores.

Steve Jobs begann seine Präsentation mit iLife 11, einem Softwarepaket, das im Lieferumfang jedes neuen Macs enthalten ist. Das Programm iPhoto sei bei weitem das beliebteste in der Sammlung, sagte Steve Jobs und stellte unter anderem dessen Facebook-Anbindung vor, dank der man beispielsweise sehen kann, was Freunde zu den hochgeladenen Bildern geschrieben haben. Überdies gibt es einen neuen Vollbildmodus sowie aufgebohrte Diashow-Elemente. Dank Vorlagen lässt sich beispielsweise ein virtuelles Mobile erstellen. Ausserdem wurde die Places-Funktion überarbeitet, wie Marketing-Chef Phil Schiller demonstrierte. Für die neuen Letterpress-Karten kann man Fotos und Text mit vorliegenden Designs kombinieren. Des Weiteren lassen sich Bilder direkt aus dem Programm heraus per E-Mail versenden. Anschliessend zeigte Schiller, wie sich mit wenigen Klicks Fotobücher erstellen lassen.

Randy Ubillos ist bei Apple für Videoanwendungen zuständig und so präsentierte er im Anschluss iMovie 11. Anwender können nun Clips mit anderen Surfern auf Facebook und Vimeo teilen. Im Vergleich zur vorigen Version fällt auf, dass es leichter geworden ist, die Lautstärke zu regeln. Ausserdem wurden zahlreiche Standardstimmen integriert, mit denen man seinen Filmen eine ungewöhnliche Note verpassen können soll. Auch die Nutzung der Zeitlupe wurde vereinfacht. Sie lässt sich nun mit einem Klick aufrufen. Einfache Storybooks sowie die Integration von Close-ups und Action-Shots zählen zu den weiteren Neuerungen. Dank der integrierten Personensuche werden Gesichter markiert, so dass man schneller die für einen relevanten Szenen entdecken soll.

Klassiker lernen

Apples Lösung für Hobby-Musiker, Garageband 11, wurde von Produktmanager Xander Soner vorgestellt. Laut Steve Jobs nutzen mittlerweile rund fünf Millionen Anwender das Programm, an dessen Benutzeroberfläche sich auf den ersten Blick nicht viel verändert hat. Mit der neuen Funktion Groove Matching wird eine Tonspur festgelegt, an deren Timing die anderen automatisch anpasst werden können. Dank Flex Time kann man zu kurz geratene Töne per Mausklick verlängern. Ausserdem kann man nun mit klassischen Stücken Klavierspielen lernen. Der Schüler sieht dank einem Tool namens «Wie gut habe ich gespielt?» auf dem Bildschirm, wie exakt er die Töne getroffen hat. Wie gut diese Funktionen sind, wird demnächst ein Praxis-Test zeigen. iLife ist ab heute erhältlich und kostet 59 Franken.

Steve Jobs gab anschliessend bekannt, dass die Videotelefonie-Lösung FaceTime nun auch mit Macs funktioniert. Bislang war sie nur auf dem iPhone 4 und dem neuen iPod touch verfügbar. Eine Betaversion steht bereits zum Download bereit. «Mit dem iPhone 4 und iPod touch haben wir in den vergangenen vier Monaten über 19 Millionen Geräte, die den Einsatz von FaceTime ermöglichen, verkauft», sagte der Apple-CEO. Nach einem kurzen Testtelefonat mit Phil Schiller ging Jobs nahtlos zu dem über, worauf die meisten Anwesenden gewartet haben dürften: OS X Lion. «Es wird einen App Store für Macs geben», kündigte der Apple-Chef an. Rund sieben Milliarden Downloads verzeichnete Apple bislang für sein Angebot an Applikationen. Auch bei Mac-Apps sollen Entwickler 70 Prozent der Umsätze erhalten. Wie man es kennt, soll es Gratis-Apps und kostenpflichtige Tools geben. Das Angebot soll direkt über das Dock aufrufbar sein.

iOS-Elemente für OS X 10.7

Das Launch Pad weckt Erinnerungen ans iPad. Nutzer können durch Apps blättern. Wenn man eine Anwendung startet, verschwindet der Schreibtisch im Hintergrund. Unter OS X Lion werden Ordner wie unter iOS erstellt. Der Vollbild-Modus in Lion lässt sich mit Multitouch-Gesten bedienen. Mission Control kombiniert Exposé, Dashboard, Spaces und Apps im Vollbild. Gestensteuerung auf dem Mac-Display wird es vorerst nicht geben. Apple setze auf Peripheriegeräte wie die Magic Mouse und das Magic Trackpad, sagte Jobs, die Nutzer bekämen sonst nach kurzer Zeit schwere Arme. «Die Finger- und Gestenbedienung funktioniert nur in der Horizontalen» ergänzte der Apple-Chef.

Ausserdem sollen Programme genau an der Stelle weiterarbeiten, an denen der Anwender sie beendet hat. Auch dies ist ein Feature, das aus iOS bekannt ist. OS X 10.7 soll im Sommer 2011 erhältlich sein. Binnen 90 Tagen soll bereits der App Store für Macs mit OS X Snow Leopard eröffnet werden. Jobs kündigte an, dass Entwickler im November mehr Informationen erhalten werden.

So klein war das MacBook Air noch nie

Wie so oft erwähnte Jobs anschliessend sein «One more thing». Heute war es das neue MacBook Air, dessen erste Version im Januar 2008 auf der MacWorld in San Francisco präsentiert worden war. Die letzte Auffrischung fand im Juni 2009 statt. «Man stelle sich vor: iPad trifft MacBook», sagte der Apple-Chef heute. Das MacBook Air gibt es in zwei Versionen - mit 13,3 und 11,6-Zoll-Display. An seiner dicksten Stelle misst der Rechner 1,7 Zentimeter. Beide Modelle sind ab heute verfügbar. Zur Hardware zählen ein Core 2 Duo-Prozessor, eine Nvidia GeForce 320M und eine FaceTime-Kamera. Wie bisher fehlt ein optisches Laufwerk. Die neuen Modelle gibt es ausschliesslich mit Flash-Speicher. Das grosse Display löst mit 1440 x 900 und das kleine mit 1366 x 768 auf. Laut Jobs soll der Akku für 30 Tage Standby-Zeit reichen und bei durchschnittlicher Nutzung nach sieben Stunden wieder an die Steckdose müssen, bei der kleineren Variante soll es durchschnittlich eine weniger sein. Der Prozessor des 11,6-Zoll-Modells ist mit 1,4 Gigahertz getaktet, Kunden haben die Wahl zwischen 64 (1199 Franken) und 128 Gigabyte Speicher (1449 Franken). Die 13-Zoll-Variante kommt mit einer 1,86-Gigahertz-CPU und 128 Gigabyte Speicher für 1549 Franken in die Läden, wer 256 Gigabyte haben möchte, zahlt 1899 Franken. In der Standardkonfiguration aller Modelle stecken zwei Gigabyte Arbeitsspeicher. Als Gewicht gibt Apple 1,06 Kilogramm für die 11-Zoll- und 1,32 Kilogramm für die 13-Zoll-Variante an.

Fazit

Apple hat alle vorab kursierenden Erwartungen erfüllt und sich einen Tag vor dem Start von Windows Phone 7 auf seine Wurzeln besonnen: Mac und Betriebssystem. Das neue MacBook Air wird 20 Minuten Online nächste Woche einem ersten Test unterziehen. Bislang soll es zu Apples weniger populären Produkten zählen, was auch heute wieder nicht widerlegt wurde. Denn Steve Jobs nannte keine Verkaufszahlen - wie er dies beispielsweise fürs iPhone oder das iPad immer wieder tut. Auch die neue Version des Notebooks ist preislich hoch angesiedelt, wenn man eine leistungsfähige Konfiguration wählt. Das dürfte es für den Rechner nicht unbedingt leichter machen, wenngleich Flash-Speicher unbestreitbare Vorteile wie erhöhte Akkulauf- und kürzere Startzeiten hat.

Laut Jobs ist die gratis mitgelieferte Suite iLife für viele Kunden ein Grund, sich einen Mac zu kaufen. Und auch die elfte Version wartet mit sinnvollen neuen Funktionen auf. So durchdacht diese und der kommende App Store für den Mac zu sein scheinen, so verwundert lässt einen die Tatsache zurück, dass Apple FaceTime nicht in iChat integriert hat. Weil Jobs nach der Keynote aber keine Fragen zuliess, ist diese vorerst offen geblieben.


Update 16.12.: Apple hat heute bekannt gegeben, dass der Mac App Store am 6. Januar 2011 eröffnet wird. Zum Start soll er in 90 Ländern verfügbar sein.