Papierlos Fliegen

31. März 2013 15:36; Akt: 31.03.2013 15:36 Print

«Das iPad fürs Cockpit ist derzeit kein Thema»

Für Swiss hat sich das iPad fürs Kabinenpersonal in vielerlei Hinsicht gelohnt. Bei American Airlines benutzen auch die Piloten das Apple-Tablet. Das kommt für die Schweizer Airline noch nicht infrage.

Das Video zeigt den iPad-Einsatz im Cockpit einer MD-80 von American Airlines. (Quelle: youtube.com/fly4fun)
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Für die Swiss ist das iPad eine Erfolgsgeschichte. Letzten Sommer hatte die Schweizer Fluggesellschaft über den Einsatz von 650 Apple-Tablets in den Flugzeugkabinen informiert: Nicht für die Passagiere, sondern für die Maîtres de Cabine. «Die Investition hat sich für die Swiss in vielerlei Hinsicht gelohnt», zieht Mediensprecherin Myriam Ziesack eine erste Bilanz.

Zum einen erleichtert das iPad den obligatorischen Papierkrieg, den die Leiter des Kabinenpersonals rund um jeden Flug zu bewältigen haben. Zum andern hilft das iPad kostspieligen Treibstoff zu sparen: Da die Inhalte der flugrelevanten Handbücher neu auf dem Tablet abrufbar sind, kann auf viel Papier verzichtet werden. Die Gewichtsersparnis beträgt rund drei bis vier Kilogramm – pro Person. Im Ganzen und gepaart mit anderen Gewichts-Einsparungen sei die Summe beachtlich, heisst es.

Nicht für die Piloten

«Zur Zeit arbeiten wir an weiteren Entwicklungsmöglichkeiten», sagt die Swiss-Sprecherin. Eine zwischenzeitlich neu eingeführte Funktion sei das «Swiss Reporting System». Diese Anwendung biete die Möglichkeit, Flug-Rapporte schnell, effizient und papierlos zu erfassen und digital an die zuständige Abteilung weiterzuleiten.

Das iPad fürs Cockpit allerdings sei derzeit kein Thema, sagt die Swiss-Sprecherin weiter. Zwar würden es heute schon einige Airlines verwenden, da es für die Darstellung von Anflugkarten ein gutes Gerät sei und dadurch auf das Mitführen von Papierkarten verzichtet werden könne. Doch für andere Anwendungen, wie zum Beispiel Start-Berechnungen und Datenabfragen von Flugzeugsystemen, sei das iPad ungeeignet.

Für diese Zwecke benutzt die Swiss seit Jahren ein System, das auf der Windows-Plattform basiert. In der Fachsprache heisst der digitale Pilotenkoffer Electronic Flight Bag (EFB). Damit werden die Karten angezeigt und die Start-Berechnungen durchgeführt. «Nach unseren aktuellen Informationen werden diese Anwendungen auch in den nächsten Jahren nicht mit dem Apple-Betriebssystem kompatibel sein», so Mediensprecherin Ziesack.

Zwei iPads im Cockpit

Swiss plant mittelfristig, ein neues System in ihre Flugzeuge einzubauen. Diesen Weg hat American Airlines bereits beschritten, wie der Gadling-Blog berichtete. Die Piloten der US-Fluggesellschaft setzen das iPad seit einigen Wochen als Arbeitsinstrument im Cockpit ein. Die US-Behörden haben die Zulassung für die Boeing 777, 737 und MD-80 erteilt, weitere Maschinen sollen folgen.

Pilot und Copilot stehen zwei aufgemotzte iPads zur Verfügung. Eine Spezialbatterie liefert Saft für 24 Stunden, zusätzlich zum herkömmlichem Akku. Auf dem Gerät sind die flugrelevanten Informationen und Handbücher abrufbar. Bis zum papierlosen Cockpit dürfte es aber trotzdem noch eine Weile dauern.

Plötzlicher Druckabfall

Bevor das iPad im Cockpit von Verkehrsflugzeugen eingesetzt werden durfte, musste es harte Belastungstests bestehen. So wurde zum Beispiel die gefährliche Situation simuliert, wenn es in der Flugzeugkabine zu einem plötzlichen Druckabfall kommt.

Die Tests verliefen offensichtlich zur Zufriedenheit der amerikanischen Flugsicherheits-Behörde FAA (Federal Aviation Administration). 2011 wurde die Freigabe erteilt.

(dsc)