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Lieber Phil Geld

10. März 2018 09:33; Akt: 10.03.2018 09:33 Print

Vorstellungsgespräch während der Arbeitszeit?

Miriam (25) wurde gekündigt. Während der Kündigungsfrist stehen bereits erste Vorstellungsgespräche an. Darf Miriam der Arbeit fernbleiben?

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Auch Will Ferrell darf während der Arbeitszeit an ein Vorstellungsgespräch (Filmszene aus «Step Brothers»/ Columbia)

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Lieber Phil Geld
Mein Chef hat mir gekündigt. Ich bin daher nun auf Jobsuche. Nächste Woche hätte ich bereits die erste Möglichkeit, mich bei jemandem vorzustellen. Mein Chef erlaubt mir aber nicht, der Arbeit fernzubleiben. Muss ich für das Vorstellungsgespräch einen Tag freinehmen?

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Wie gehst du vor, wenn du einen Termin für ein Vorstellungsgespräch festlegst?

Liebe Miriam

Nach Art. 329 Abs. 3 OR muss dem Arbeitnehmer nach erfolgter Kündigung die für das Suchen einer anderen Arbeitsstelle erforderliche Zeit gewährt werden. Und zwar unabhängig davon, ob der Arbeitnehmende oder der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis gekündigt hat. In jedem Fall muss der Arbeitnehmer aber Rücksicht auf die Interessen des Arbeitgebers nehmen.

Absenzen sind daher möglichst auf Randzeiten zu verschieben. Weiter muss der Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber rechtzeitig über seine Abwesenheit orientieren. Ohne Rücksprache mit dem Arbeitgeber von der Arbeit fernzubleiben, ist nicht erlaubt.

Wie viel Zeit dem Arbeitnehmer nach erfolgter Kündigung zur Verfügung gestellt werden muss, regelt das Gesetz nicht ausdrücklich. Der Umfang der zu gewährenden Zeit hängt von den konkreten Umständen ab, wie z.B. der Kündigungsfrist oder der Arbeitsmarktsituation. Grundsätzlich aber ist dem Arbeitnehmer ein halber Tag pro Woche zur Stellensuche oder zur Durchführung von Vorstellungsgesprächen zu gewähren.

Nimmt der Arbeitnehmer kurzfristig einen ganzen Tag frei, obwohl auch ein halber Tag für das Vorstellungsgespräch ausgereicht hätte, darf der Arbeitgeber eine Kompensation anordnen oder den anderen halben Tag als Ferien anrechnen.

Du kannst also, liebe Miriam, nach Rücksprache mit deinem Arbeitgeber rund einen halben Tag pro Woche für Vorstellungsgespräche und dergleichen in Anspruch nehmen. Eine Auskunftspflicht gegenüber deinem Arbeitgeber, bei wem du dich vorstellen wirst, besteht nicht.

Die Frage, ob die vom Arbeitgeber zur Stellensuche zu gewährende Zeit auch bezahlt werden muss, lässt das Gesetz ebenfalls offen. Ein Anspruch auf freie Zeit bedeutet nicht ohne weiteres, dass diese auch bezahlt werden muss. In jedem Fall hat man jedoch Anspruch auf unbezahlte Freizeit. Die Praxis geht davon aus, dass Arbeitnehmende im Monatslohn die Absenzen in der Regel bezahlt bekommen.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

(deg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bobby am 10.03.2018 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Sei froh!

    Dass Du diese Firma verlassen kannst. Unter einem Chef zu arbeiten, der keine Ahnung vom Arbeitsrecht hat? Na ja, ich müsste es nicht haben.

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  • Max Vogel am 10.03.2018 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sklave 2.0

    An diesem Tag hätte ich zufällig den dünnschiss. Zuerst einer Person Kündigen dann so etwas.

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  • Maler50 am 10.03.2018 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher

    Sicher muss dies möglich sein, wenn's geht dann Termine zu Randzeiten festlegen.Normalerweise sind die alten Chefs durchaus flexibel in diesem Punkt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rudi am 11.03.2018 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorstellen

    Da nimmt man einen Tag Krank, wenn der zukünftige Ex-Chef Par tous nicht will! Wenn mir gekündigt wird frag ich nicht mehr. Hatte mal so ne Zeit.

  • Damian. am 11.03.2018 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RAV macht Druck

    Manche halten das nicht aus.

  • Rolf am 10.03.2018 14:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer

    Frank the tank darf das.

  • Django am 10.03.2018 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Meiner wollte mir meine Überstunden...

    Ich hatte bei meinem ehem. AG über 300Überstunden angesammelt, hatte bei jeder Anfrage von Kompensation ohne jegliche Bedenkzeit immer nur ein "nein" gehört. Habe mich auf Jobsuche begeben und einen Job gefunden (bei dem ich bis heute noch bin). Dieser fragte mich, ob ich auf übernächsten Monat anfangen könnte, hatte aber 3Monate Kündigungsfrist... Mein ex-AG wollte mir nicht mal die 300h von der Kündigungsfrist abziehen, sondern am Ende auszahlen. Hatte das nicht akzeptiert und habe nach 4Wochen den Batch abgegeben (habe ausgerechnet anhand der Überstunden und Urlaubstage wann ich gehen kann)

    • Hosche am 10.03.2018 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Django

      Da hattest du aber Glück, dass dich dein alter Arbeitgeber nicht verklagt hat.

    • Edmond Dantes am 10.03.2018 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Django

      Hosche hat recht! Du hattest Glück, dass keine Klage gemacht wurde. War in einer ähnlichen Situation und habe mich mit einem Rechtsanwalt mit Spezialgebiet Arbeitsrecht ausgetauscht. Der Arbeitgeber kann eine Erfüllung der Kündigungsfrist verlangen, wenn die Umstände es verlangen und somit die Stunden auszahlen.

    • Pumpi am 10.03.2018 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hosche

      Wäre vor Arbeitsgericht nicht durch gekommen und das wussten die genau. Solche Eskapaden werden immer wieder versucht.

    • Pumpi am 10.03.2018 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Edmond Dantes

      Nein das stimmt nicht, wenn dir nie die Möglichkeit gegeben wurde die Überstunden abzubauen.

    • Gustav am 11.03.2018 15:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Hosche

      Kommen Sie nicht durch damit: Sie müssen als AG einen genauen Schaden definieren können. Und wenn Django so wichtig ist, wird der Richter fragen, warum das kein Zweiter machen kann. Django kann sich auch auf dem Weg zur Arbeit um den Baum wickeln. Dann muss auch Ersatz da sein.

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  • Sonja am 10.03.2018 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was hast Du noch zu verlieren?

    Hätte ihn gar nicht darüber informiert, sondern wäre an den Tagen einfach krank gewesen. Gekündigt hat er Dir ja eh schon, also hast Du nichts mehr zu verlieren.

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