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Lieber Phil Geld

14. August 2016 12:32; Akt: 14.08.2016 12:32 Print

Job-Interviews während Kündigungsfrist erlaubt?

Lukas (36) hat seine Arbeitsstelle gekündigt. Während der Kündigungsfrist hat er einen Probevormittag in einem anderen Betrieb absolviert. Ist das erlaubt?

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Nach einer Kündigung sollte der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen halben Tag pro Woche für die Stellensuche gewähren. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld
Ich arbeite in einem Altersheim in der Pflege. Ich habe Ende Juli fristgerecht gekündigt. Während der Kündigungsfrist habe ich einen Probevormittag (inklusive Vorstellungsgespräch) in einem anderen Altersheim absolviert. Nun kommt mein Chef und meint, ich sei aufgrund des Probearbeitens im Minus. Stimmt das? Ich meinte, gesetzlich einen Anspruch darauf zu haben.

Lieber Lukas

Gemäss Art. 329 Abs. 3 OR ist dem Arbeitnehmer nach erfolgter Kündigung die für das Aufsuchen einer anderen Arbeitsstelle erforderliche Zeit zu gewähren. Dabei ist nicht relevant, ob du als Arbeitnehmer gekündigt hast oder dir dein Arbeitgeber gekündigt hat. Weiter besteht keine Auskunftspflicht des Arbeitnehmers gegenüber seinem Arbeitgeber betreffend der Frage, bei wem er sich vorzustellen wünscht. Wie viel Zeit dem Arbeitnehmer nach erfolgter Kündigung zur Verfügung gestellt werden muss, ist gesetzlich nicht ausdrücklich geregelt.

Grundsätzlich aber ist dem Arbeitnehmer für die Stellensuche ein halber Tag pro Woche zu gewähren. Teilweise werden auch zwei mal zwei Stunden, aufgeteilt auf zwei Werktage, oder ein Tag pro zwei Wochen gewährt.

Bei der Freizeitnahme muss der Arbeitnehmer die Interessen des Arbeitgebers berücksichtigen. Der Zeitpunkt der Absenz ist mit dem Arbeitgeber vorgängig und rechtzeitig abzusprechen. Der Arbeitnehmer ist nicht berechtigt, eigenmächtig Freizeit zu beziehen. Das Fernbleiben von der Arbeit trotz der begründeten Verweigerung der Freizeit durch den Arbeitgeber kann zur fristlosen Kündigung führen (auch wenn das Arbeitsverhältnis schon ordentlich gekündigt wurde).

Folglich bedeutet das für dich, dass du als Arbeitnehmer grundsätzlich nach Rücksprache mit deinem Arbeitgeber insgesamt einen halben Tag pro Woche für Vorstellungsgespräche und dergleichen als Freizeit verlangen kannst. Hast du allerdings kurzfristig einen ganzen Tag frei genommen, obwohl auch ein halber Tag ausgereicht hätte, darf der Arbeitgeber eine Kompensation anordnen oder den anderen halben Tag als Ferien anrechnen.

Die Frage, ob die vom Arbeitgeber zur Stellensuche zu gewährende Freizeit bezahlt werden muss oder nicht, lässt das Gesetz offen. In jedem Fall besteht ein Anspruch auf unbezahlte Freizeit. Die Praxis geht im Regelfall davon aus, dass bei einer Vollzeitanstellung im Monatslohn die zusätzliche Freizeit zur Stellensuche ebenfalls bezahlt werden muss.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Verstehtnix am 14.08.2016 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtssprache, schwere Sprache

    Versteh ich das richtig - Arbeitnehmer darf auf bezahlte Arbeitszeit eine neue Stelle suchen/schnuppern/Vostellungsgespräch absolvieren?

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  • Adrian am 14.08.2016 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlender Wille?

    In beiden Altersheimen werden ja wohl 7 Tage pro Woche gearbeitet. Es sollte also möglich sein, einen Tag zu finden, an dem man beim alten Arbeitgeber frei hat und beim (hoffentlich) neuen Arbeitgeber jemand für's Probearbeiten da ist. Das gibt halt dann ausnahmsweise eine 6-Tage-Woche.

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  • LeserundVersteher am 14.08.2016 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    einfache Sache

    Grundsätzlich sind Vorstellungsgespräche, Arzttermine etc. in der Freitzeit wahrzunehmen. Ist dies nicht möglich, hat man das Recht - in Absprache mit dem Vorgesetzten - für Vorstellungsgespräche bis zu einem halben Tag pro Woche frei zu nehmen. Diese Zeit muss vom Arbeitgeber nicht bezahlt werden, sondern kann zulasten Arbeitszeitsaldo gehen. Ein Lohnabzug infolge der Abwesenheit hingegen wäre sehr unüblich, insbesondere dann, wenn kein Arbeitszeitsaldo besteht, bspw. weil der Arbeitgeber gesetzeswidrig keine Arbeitszeiterfassung hat - dann ist er halt selber schuld.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • arbeitnehmer am 15.08.2016 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    arbeitnehmer

    ich hatte das vor einem jahr und arbeitete bei einem internationalem konzern. man wollte mich während der kündigungsfrist 90 tage ins ausland schicken. nach langem hin und her rav rechtsdienst, rechtsschutz und personalabteilung war der einzige kompromiss dass ich am fr in der schweiz sein kann ab mitternacht und jeder 2. freitag unbezahlt ist. wenn ich das wolle. eben im gesetz steht ein halber tag. über den lohn steht aber nix.

  • peter am 14.08.2016 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar minus

    Was dachte er. Der Chef bezahlt im das. Er muss normal frei machen für so was. Schon frech das man sowas nur denkt

  • Gerda Blau am 14.08.2016 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht hat er

    Recht ist Recht und es ist gesetzlich geregelt. Wenn ich an die vielen Blaumacher denke, die fragen auch nicht den Chef zum Voraus und bekommen den Tag bezahlt.

  • LeserundVersteher am 14.08.2016 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    einfache Sache

    Grundsätzlich sind Vorstellungsgespräche, Arzttermine etc. in der Freitzeit wahrzunehmen. Ist dies nicht möglich, hat man das Recht - in Absprache mit dem Vorgesetzten - für Vorstellungsgespräche bis zu einem halben Tag pro Woche frei zu nehmen. Diese Zeit muss vom Arbeitgeber nicht bezahlt werden, sondern kann zulasten Arbeitszeitsaldo gehen. Ein Lohnabzug infolge der Abwesenheit hingegen wäre sehr unüblich, insbesondere dann, wenn kein Arbeitszeitsaldo besteht, bspw. weil der Arbeitgeber gesetzeswidrig keine Arbeitszeiterfassung hat - dann ist er halt selber schuld.

    • VerstandenundLeserin am 14.08.2016 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @LeserundVersteher

      Öhm...das, was du jetzt runtergeleiert hast, wurde ja so in der Antwort erklärt...

    • LeserundVersteher am 14.08.2016 21:40 Report Diesen Beitrag melden

      . . .

      Eben. Aber einige haben es offenbar nicht verstanden. Ausserdem habe ich nicht geleiert. Aber danke für deinen wertvollen Beitrag...

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  • Ich am 14.08.2016 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenartig

    Gerade in der Pflege ist es einfach einen Schnuppertag termin zu machen wenn man frei hat. Ich verstehe da schon die frage nicht....

    • @Du Und Ich am 14.08.2016 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ich

      Es gibt halt Leute die alles haben wollen ....kündigen , Job , Freizeit etc. und das am besten gleichzeitig und natürlich auch bezahlt ! Ich hätte auch gerne einen Job , wo ich am besten Zuhause wäre und Ende Monat den Lohn aufs Bankkonto überwiesen bekomme ohne irgendetwas dafür zu tun ! Kann mir jemand einen solchen vermitteln ?

    • B.Lanz am 14.08.2016 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @@Du Und Ich

      Hier geht es weder um den Pflegeberuf noch um Leute die gerne alles auf dem Silbertablett serviert bekommen,sondern um rechtliche Fragen bzgl.Kündigung seitens des Arbeitnehmers und als dieser ist es legitim sein Rechte zu kennen und sich auf diese zu berufen wie dies auch der Arbeitgeber tun würde.

    • Mensch am 14.08.2016 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @@Du Und Ich

      Das BGE wäre so etwas. Aber das wurde ja abgelehnt..

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