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Lieber Phil Geld

09. September 2013 00:14; Akt: 09.09.2013 08:49 Print

Vorstellungstermin – wer zahlt die Spesen?

Anna wohnt in Lugano und wurde zu einem Bewerbungsgespräch in Biel eingeladen. Muss sie die Bahnfahrt selbst bezahlen oder kann sie die Kosten beim Unternehmen zurückverlangen?

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Falls mit dem potenziellen Arbeitgeber nichts anderes abgemacht wurde, müssen Bewerber den Aufwand für das Vorstellungsgespräch selbst übernehmen. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld
Ich wohne in Lugano und wurde in Biel zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Ist die Firma verpflichtet, mir die Reisekosten zu vergüten? Oder zumindest einen Teil davon? Oder muss ich für die gesamten Kosten selbst aufkommen?

Liebe Anna

Falls mit dem potenziellen Arbeitgeber nichts anderes abgemacht wurde, musst du deinen Aufwand für das Vorstellungsgespräch selbst übernehmen. Basis ist ein Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahr 2005. Das höchste Schweizer Gericht geht davon aus, dass es sich bei einem Vorstellungsgespräch um ein vorvertragliches Verhältnis handelt, in dem beide Parteien ein Interesse verfolgen, für das sie die Risiken selbst zu tragen haben.

Bevor das Bundesgericht in dieser Frage Klarheit schuf, gingen die Rechtsexperten tendenziell noch davon aus, dass der potenzielle Arbeitgeber mit der Einladung zum Gespräch einen Auftrag erteilt habe. Damit sei ein Auftragsverhältnis zwischen Bewerber und potenziellem Arbeitgeber entstanden, das gemäss Obligationenrecht (Art. 402 Abs. 1) die einladende Firma verpflichte, die Spesen zu übernehmen.

Wenn du also eine längere Anfahrt zum Vorstellungsgespräch hast und möglicherweise deswegen auch noch auswärts übernachten musst, solltest du die Kostenübernahme vorgängig mit dem potenziellen Arbeitgeber klären. Handelt es sich um einen grösseren Betrag, wird die Firma auch Verständnis für deine Anfrage haben und zumindest teilweise darauf einsteigen. Viele Unternehmen übernehmen in solchen Fällen von sich aus zumindest die Hälfte der Vorstellungskosten. Bei kurzen Anreisen solltest du aber das Thema Spesen für den Vorstellungsaufwand auf der Seite lassen: Mit einer solchen Forderung riskierst du einen negativen Eindruck.

Eine Sonderlösung besteht für Stellensuchende, die bei der Regionalen Arbeitsvermittlung RAV gemeldet sind. Wer innerhalb der zweijährigen Rahmenfrist liegt, kann vorgängig beim RAV Pendlerkosten- und Wochenaufenthalterbeiträge (PeWo) beantragen. Voraussetzung ist, dass für das Vorstellungsgespräch mehr als 50 Kilometer mit dem ÖV oder mehr als eine Stunde mit dem Motorfahrzeug pro Weg zurückgelegt werden muss.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marie am 09.09.2013 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Hirn, bitte fahr' mit!

    Wir kennen die Umstände nicht. Eine simple Frage wird gestellt. Es kann doch sein, dass sie ev. den Wohnort nach Biel verlegen wird. Man kann doch jedes Angebot mal anschauen. Falls sie arbeitslos ist, tut sie wenigstens was, nimmt "die Fremde" in Kauf. Aber man kann sich nicht von Lugano nach Biel beamen, und fahren kostet Geld. Wenn man sonst schon nicht viel hat, kann das Billett für so jemanden fast nicht bezahlbar sein. Die Frage ist nicht unverschämt - aber die meisten Kommentare hier schon. Beängstigend, wie wenig man überlegt, bevor man auf jemanden losgeht. Ich wünsche Anna viel Glück

  • Carina am 09.09.2013 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Versteh ich nicht..

    Es ist doch auch für den Arbeitgeber wichtig, dass er gute Leute findet und dann einstellen kann. Wieso haben wir Arbeitnehmer eigentlich diese Arschkriechermentalität? Wir müssen uns ja fast prostituieren und der Arbeitgeber kann einfach Daumen nach oben oder unten halten? Ich finde die Frage berechtigt! Bei so einem weiten Anreiseweg ist es nur recht und billig wenn sich auch die Firma mitbeteiligt!!!

  • suffleuse am 09.09.2013 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Geschäftsphilosophie

    Einge gute Firma die an einem interessiert ist, erstattet die Reisekosten von sich aus. Lugano - Biel ist nicht eben ein Katzensprung und die Firma weiss ja woher man kommt. Da würde ich mich eher fragen, ob ich in so einer Firma arbeiten möchte und die Geschäftsphilosophie hinterfragen. Eventuell bekommst Du das Geld wenn Du da bist? Ist ja auch noch möglich - dass sie zuerst Deinen Einsatzwillen testen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Johhny am 09.09.2013 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Kauf Tageskarte in der Gemeinde

    Ich habe auch einen Job 300km weit von meinem Zuhause gefunden. Der Vorstellungstag war 2 Wochen im Vorraus bekannt. Ich habe einfach eine Tageskarte in meiner Gemeinde für damals noch 30.- bestellt und bin hin- und zurückgefahren. Ein Schnäppli wenn man so will. Etwas mehr die Augen öffnen dann klappts auch.

  • Marie am 09.09.2013 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Hirn, bitte fahr' mit!

    Wir kennen die Umstände nicht. Eine simple Frage wird gestellt. Es kann doch sein, dass sie ev. den Wohnort nach Biel verlegen wird. Man kann doch jedes Angebot mal anschauen. Falls sie arbeitslos ist, tut sie wenigstens was, nimmt "die Fremde" in Kauf. Aber man kann sich nicht von Lugano nach Biel beamen, und fahren kostet Geld. Wenn man sonst schon nicht viel hat, kann das Billett für so jemanden fast nicht bezahlbar sein. Die Frage ist nicht unverschämt - aber die meisten Kommentare hier schon. Beängstigend, wie wenig man überlegt, bevor man auf jemanden losgeht. Ich wünsche Anna viel Glück

  • Roman Bachmair am 09.09.2013 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Wiehern...

    Hahaha, das ist ja wirklich nur zum lachen. Wieso soll der Arbeitgeber etwas bezahlen müssen? Weder der alte noch der neue sind diesbezüglich verpflichtet, das weiss ja jedes Kind. Vor allem sieht dies ja gut aus, wenn man meint, dass der eventuell neue dies berappen soll, so jemand würde ich gerade zuerst einstellen. Und dem alten ist es annehmbar ziemlich egal, wie sie das berappt. Also "viel Geld" hat dieses Thema vermutlich nicht gebracht.

  • Ch am 09.09.2013 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch RAV

    Sicher ein Jop vom RAV empfohlen(3 Stunden pro Arbeitsweg). Ob mit Zug oder Auto. Dein Leben und deine Freizeit kannst Du vergessen. Du lebst nur noch für die Arbeit und wenn ich das Zugabo oder die Unkosten für Auto und täglich auswärts essen rechne . Kannst Du das Sparen vergessen.Willst Du das wirklich?

  • André Seiler am 09.09.2013 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Als nächstes noch die Umzugskosten?

    Es gibt sicher Ausnahmen, wo eine Kostenbeteiligung der Firma berechtigt wäre. Zum Beispiel, wenn die Firma einen aktiv zur Bewerbung aufgefordert hat oder wenn tatsächlich das HR an einem weit entfernten Ort liegt. Aber im Artikel werden solche Umstände nicht erwähnt. Daher kommt auch bei mir kein Verständnis für eine solche Frage auf. Angenommen, sie erhält den Job (in Biel), würde sie wohl als nächstes die Umzugskosten bei der Firma einfordern, oder nicht?

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