30 Jahre nach Ende des Kalten Kriegs

09. November 2017 04:13; Akt: 09.11.2017 11:16 Print

Nato rüstet sich gegen Russland

Da sich die Sicherheitslage verändert hat und Putins Politik als aggressiv wahrgenommen wird, will die Nato nun handeln.

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Rund drei Jahrzehnte nach Ende des Kalten Krieges verstärkt die Nato erstmals wieder ihre Kommandostrukturen. Die Verteidigungsminister der Bündnisstaaten bewilligten am Mittwoch in Brüssel den Aufbau von zwei neuen Hauptquartieren. «Die Kommandostruktur muss sich verändern, wenn sich das Sicherheitsumfeld verändert», sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Die erweiterte Kommandostruktur sieht den Aufbau von zwei Planungs- und Führungszentren vor. Ein Hauptquartier soll Truppenverlegungen innerhalb Europas führen. Das zweite soll Marineeinsätze im Atlantik steuern können, um im Kriegsfall den Seeweg zwischen den USA und Europa frei zu halten.

Detailplanungen sollen nun bis zum Treffen der Verteidigungsminister im Februar erfolgen. Der Ausbau der Kommandostruktur stellt eine weitere Kehrtwende der Nato im Vergleich zur Politik nach dem Ende des Ost-West-Konflikts dar. Die Pläne sind eine Reaktion auf die als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands.

Russischer Überraschungsangriff nicht ausgeschlossen

Im Zuge der Entspannungspolitik waren die Strukturen enorm reduziert worden. Von den 33 Hauptquartieren, die es früher gab, sind nach Nato-Angaben heute nur noch 7 übrig. Die Personalstärke der Hauptquartiere sank von 22'000 auf 6800. Nun soll wieder aufgestockt werden, weil die derzeitige Struktur nicht mehr als ausreichend für die aktuelle Sicherheitslage angesehen wird.

In einem als geheim eingestuften Nato-Bericht äussern Militärs Zweifel daran, ob die Allianz derzeit angemessen und schnell genug auf einen russischen Überraschungsangriff reagieren könnte. Vor allem östliche Bündnispartner halten ein solches Szenario nach den Ereignissen in der Ukraine nicht für völlig ausgeschlossen.

Privatwirtschaft soll sich beteiligen

Um Moskau abzuschrecken, wurden zuletzt bereits mehrere Tausend Nato-Soldaten im Baltikum und in Polen stationiert, die im Ernstfall von einer schnellen Eingreiftruppe Verstärkung bekommen sollten.

Stoltenberg machte am Mittwoch zudem klar, dass sich auch die EU und die Privatwirtschaft an den Anstrengungen beteiligen müssten. Die zivile Infrastruktur – Strassen, Schienennetze und Flughäfen – müsse militärischen Anforderungen entsprechen, sagte der Norweger. «Die nationalen Regierungen, der private Sektor und die Europäische Union haben Schlüsselrollen», sagte Stoltenberg.

Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini kündigte in Brüssel an, dass die EU-Kommission bis Ende der Woche Vorschläge unterbreiten wolle, wie der Truppentransport innerhalb Europas verbessert werden könne.

Cyberattacken geplant

Neben dem Aufbau der Hauptquartiere will die Nato künftig bei ihren Einsätzen auch Cyberwaffen gegen Gegner einsetzen. Nach Angaben von Stoltenberg einigten sich die Verteidigungsminister am Mittwoch auf Leitlinien für militärische Hackerangriffe. «Cyber wird künftig bei jedem potenziellen militärischen Konflikt eine Rolle spielen», sagte er.

Mit gezielten Cyberattacken lassen sich beispielsweise Propagandaseiten des Gegners im Internet lahmlegen. Möglich wäre es aber auch, ganze Computer- oder Mobilfunknetze auszuschalten, um die Kommunikation oder die Stromversorgung von Militäranlagen zu stören.

Erfolgreicher Kampf gegen IS

Als Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von Cyberwaffen nannte Stoltenberg den von den USA angeführten Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). In ihm werden regelmässig die Kommunikations- und Computernetzwerke von IS-Kämpfern angegriffen.

Eigene Fähigkeiten für Cyberangriffe will die Nato vorerst aber nicht entwickeln. Sie sollen im Ernstfall freiwillig von Mitgliedstaaten bereitgestellt werden.

(roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Putinversteher am 09.11.2017 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist der Aggressor?

    Mehr als 2000 US Panzer an der russischen Grenze. Nato Ausgaben von mehr als 750 Mia USD, Russland im Vergleich nur etwa 70 Mia. Russland ist zudem abhängig von Exportgüter aus dem Ausland. Gorge Fridman, Chef Stratfor äusserte sich, dass die USA ein vereintes Eurasien, eine engere Kooperation zwischen Russland und Europa verhindern wollen. Russische Ressourcen und Europäische Technologie wären eine zu grosse Konkurrenz für die USA. Deshalb kann Frieden auf dem eurasischen Kontinent nicht im Interesse der USA sein. Wer verhält sich hier aggressiv?

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  • Martin am 09.11.2017 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Kriegsverbrecher Nato

    Bei der Nato ist es seit jeher ganz einfach: Entweder man macht mit oder man wird von der Nato zum Feind erklärt und zerbombt. Siehe Belgrad!

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  • Checker am 09.11.2017 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Propaganda vom Feinsten!

    Der Aggressor sind die NATO Mitglieder angeführt von den USA. Immer weiter dehnt sie sich Richtung Osten aus. Die USA hat weltweit die mit Abstand meisten Militärbasen in anderen Ländern. Führt Angriffskriege gegen souveräne Länder (Libyen, Iraq, Afghanistan, Syrien usw). Die Russen haben den Fall der Mauer ermöglicht, durch ihren Rückzug. Und die Amis? Bauen fleissig weiter Militärbasen zb. Rammstein aus und verlegen Truppen an die östliche Nato-Grenze. Unglaublich welche Propaganda mit diesem Artikel erzielt werden will. Tragisch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Silie am 09.11.2017 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenfassung

    Ja! Wir leben unter der Herrschaft der Amis. Dafür gibt es Plus- als auch Minuspunkte. Wir haben hier Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, LGBT Rechte, das Recht zu demonstrieren und öffentlich zu Kritisieren etc etc. Wer alles denkt, dass ihm das Russische System besser passt dem empfehle ich, die Aeroflot Webseite nach OneWay Tickets zu durchstöbern und sich seinen Lebensabend im gemütlichen Norilsk oder ähnlichem zu verbringen. Wenn ihr mich fragt in welchen der beiden Systeme ich lieber leben möchte, brauche ich nicht mal eine Sekunde nachdenken..

  • Kurt O am 09.11.2017 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit dank Nato

    Die Schweiz arbeitet im Sicherheits- und Cyber-Bereich immer enger mit der Nato zusammen. Und das ist auch gut so. Denn dieses Bündnis sichert unsere europäische Wertegemeinschaft, zu der meines Wissens auch die Schweiz gehört. Die unberechenbaren Russen gehören jedoch eher (noch) nicht dazu.

  • :) am 09.11.2017 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich alles

    Ganz simpel. Wie Bush damals sagte: "Entweder Sie sind mit uns oder mit den Terroristen". Und das hat er nicht einfach aus "Spass an der Freude" mal in die Runde geworfen. Das war eine klare Ansage.

  • Bal Sam am 09.11.2017 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nato

    Vieleicht sollte man einfach mal vor Jens Stoltenbergs Anwesen, Soldaten und Panzer aufstellen mit der Begründung das dies nur eine Übung ist. Dann vieleicht begreift er wie sich Russland fühlt. Bei den Russen läuten die Alarmglocken immer wenn fremdes Militär vor der Haustür steht, den man hat von Operation Barbossa gelernt.

  • Gulli am 09.11.2017 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    NATO

    Offiziell ist die NATO ein Verteidigungsbündnis. Leider kann ich mich aber nur an Angriffe der NATO auf andere Länder erinnern...