Von USA auf türkische Gefängnisinsel

10. November 2017 15:40; Akt: 10.11.2017 17:22 Print

Erdogan-Gegner sollte für 15 Mio entführt werden

Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater der USA, Michael Flynn, wusste einem Medienbericht zufolge von einem Plan, Erdogan-Gegner und Prediger Fetullah Gülen zu entführen.

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Fettulah Gülen.

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Der Sonderbeauftragte Robert Mueller geht gemäss einem exklusiven Bericht des «Wall Street Journals» (Bezahlartikel) pikanten Hinweisen nach: Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn und dessen Sohn Michael Jr. sollen von einem Plan gewusst haben, den in den USA im Exil lebenden Prediger Fetullah Gülen zu entführen und in einem Privatjet auf die türkische Gefängnisinsel Imrali zu bringen.

Gemäss mit den Ermittlungen vertrauten Personen offerierte man Flynn dafür 15 Millionen Dollar. FBI-Ermittler hätten vier Personen zu einem Treffen zwischen Flynn und Vertretern der türkischen Regierung befragt. Dieses fand laut dem «Wall Street Journal» (WSJ) letzten Dezember im New Yorker Klub «21» statt. Es gebe keine Hinweise darauf, dass zwischen Flynn und den türkischen Vertretern Geld geflossen sei, so das WSJ.

Flynn war Lobbyist im Dienste der Türkei

Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte nach dem misslungenen Putsch Mitte Juli 2016 die USA mehrfach aufgefordert, Gülen auszuliefern. Der Prediger ist in Erdogans Augen der Drahtzieher dieses Putschversuchs.

Der angebliche Entführungsplan war im Zug der Ermittlungen rund um eine mögliche illegale Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Wahlkampfteam von Donald Trump ans Licht gekommen. Sonderermittler Mueller hat in diesem Zusammenhang die Befugnisse, auch anderen Verdachtspunkten nachzugehen.

Im März dieses Jahres musste der ehemalige Sicherheitsberater Michael Flynn offenlegen, dass er früher als Lobbyist im Dienste der Türkei stand.

Flynn sei in seiner kurzen Zeit als nationaler Sicherheitsberater auch bereit gewesen, seinen Einfluss im Weissen Haus geltend zu machen, um auch legale Auschaffungsmöglichkeiten von Prediger Gülen voranzutreiben.

Steht jetzt eine weitere Untersuchung gegen Flynn an?

«Das Interesse des FBI daran, ob Flynn mit potentiell illegalen Mitteln versucht habe, Gülen ausser Landes zu schaffen, deutet darauf hin, dass der ehemalige Sicherheitsberater Trumps mit einer weiteren Untersuchung im Zusammenhang mit seiner Arbeit für die türkische Regierung vor und nach der US-Präsidentschaftswahl rechnen muss», heisst es im WSJ-Artikel weiter.

Trumps erster Nationaler Sicherheitsberater Flynn hatte seinen Posten wegen mutmasslich dubioser Kontakte zum russischen Botschafter in Washington nach nur 24 Tagen verloren.

Diese Woche berichteten US-Medien, FBI-Sonderermittler Mueller habe im Zuge seiner Untersuchung zur Russland-Affäre genügend Beweise gesammelt, um eine Strafanzeige gegen Flynn hervorzubringen.

(gux)