Aung San Suu Kyi bricht Schweigen

19. September 2017 07:53; Akt: 19.09.2017 09:58 Print

Burma verurteilt erstmals Gewalt gegen Rohingya

Seit August sind zahlreiche Rohingya vor der Gewalt in Burma nach Bangladesh geflohen. Jetzt will Regierungschefin Aung San Suu Kyi ausländische Beobachter in die Unruheregion lassen.

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Mit Spannung erwartet: Regierungschefin Aung San Suu Kyi hat sich erstmals zur Gewalt gegen die muslimische Minderheit der Rohingya geäussert. (Bild: Keystone/Aung Shine Oo)

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Die Regierung in Burma ist bereit, die nach Bangladesh geflüchteten Rohingya wieder aufzunehmen. Das sagte Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi bei einer Rede in der Hauptstadt Naypiydaw am Dienstag. Die Friedensnobelpreisträgerin lud ausländische Diplomaten ein, die Unruhe-Provinz Rakhine zu besuchen, um sich über die dortige Lage zu informieren.

Die meisten Dörfer der Region seien nicht von der Gewaltwelle betroffen, sagte Suu Kyi. «Die Mehrheit hat sich dem Exodus nicht angeschlossen», so die Regierungschefin. «Wir wollen herausfinden, warum es zu diesem Exodus gekommen ist.» Es habe viele Vorwürfe und Gegenvorwürfe gegeben.

Am 25. August hatten Rohingya-Rebellen in Rakhine Polizei- und Militärposten angegriffen, worauf die Armee nach eigenen Angaben mit einer «Räumungsoperation» reagierte. Flüchtlinge erzählten, dass Soldaten und Selbstjustiz-Mobs ihre Dörfer niedergebrannt und wahllos Menschen erschossen hätten.

UNO macht ethnischen Säuberung aus

Menschenrechtsorganisationen und der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, warfen Burma eine ethnische Säuberung vor. Die Rohingya sind staatenlos, seit ihnen das damalige Burma 1982 die Staatsbürgerschaft entzog.

Suu Kyi kündigte neue Bemühungen um eine friedliche Lösung der Flüchtlingskrise im Nordwesten des Landes an: «Alle von uns wollen Frieden und keinen Krieg.» Zugleich versprach sie, Verletzungen von Menschenrechten nicht hinzunehmen. Unabhängig von Religion, ethnischer Herkunft oder politischer Stellung werde gegen alle, die Menschenrechte verletzten, «etwas unternommen».

Wegen der Flucht und Vertreibung von mehr als 400'000 Muslimen ins Nachbarland Bangladesh steht Burma international massiv in der Kritik. Suu Kyi sagte ihre Teilnahme an der UNO-Vollversammlung deshalb ab.

Die «Staatsrätin» betonte, ihre Regierung bemühe sich darum, «Frieden zu schaffen». Zugleich bat sie die internationale Gemeinschaft um Geduld: «Wir sind eine junge und fragile Demokratie, die mit vielen Problemen zu tun hat.» Auf die Rolle des Militärs ging sie zunächst nicht näher ein.

(kfi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Veronica am 19.09.2017 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Innen- oder Aussenpolitik?

    Aung San Suu Kyi ist nicht Myanmars Regierungschefin, das sollte die SDA eigentlich wissen ... Wer das Land und insbesondere den Nordwesten von Rakhine kennt, weiss, dass die Aussage Suu Kyis einem Tanz auf dem Vulkan gleichkommt. Die Birmanen werden ihr das übel nehmen.

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  • Toni am 19.09.2017 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sich besser informieren

    Die Rohingyas werden bekämpft aus dem gleichen Grund wie in China, Thailand und Philippinen die dortigen vergleichbaren Minderheiten und auch aus diesem Grund hat sich India von Pakistan und Bangladesch getrennt, sogar mit einem hohen Grenzzaun.

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  • Walaby am 19.09.2017 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas spät...

    ..sich erst jetzt zu melden, nach Wochen der Vertreibung und der ethnischen Säuberungen.....wer soll ihre Erklärungen und Appelle nun noch ernst nehmen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Giorgio am 19.09.2017 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Hmmm das ist wohl die Sharia?

    Die burmesische Regierung hat wohl vorübergehend die Sharia eingeführt, nachdem ihre Armee und Polizei Stützpunkte von eben der Terrororganisation dieser Illegalen Einwohner/Volksgruppe niedergemetzelt wurden. Ist wohl zu vergleichen mit der Aufhebung illegaler "Unterkünfte" in Calais Frankreich... Die Sicherheit der Burmesen ist gefährdet!

  • EMM am 19.09.2017 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zitat

    ((Wegen der Flucht und Vertreibung von mehr als 400'000 Muslimen ins Nachbarland Bangladesh steht Burma international massiv in der Kritik)) Ich will, all diese Vertreibung nicht Schönreden, aber wenn man die Ursache betrachtet. Ein paar Individuum reicht aus, die zu einen Bürgerkrieg anstiften. Hinterher wundert man sich, warum die Situation massiv eskaliert. Wir können froh sein, dass Wir in einer Recht-Staat leben. Und das sollte man lieber nicht auf spiel setzen, ansonsten hätten Wir zustände wie in Burma....

  • Sein am 19.09.2017 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bitte mehr infos

    ich kenne die politische situation zu wenig um mich zu äussern. hier gibt es anscheinend viele experten. würde einen umfassenden artikel begrüssen! werde mich so oder so in der thematik vertiefen...

  • Soldier am 19.09.2017 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Muslime

    Nur weil es Muslime sind wird über so eine gräueltat kaum bis gar nicht berichtet. Würden Muslime sowas mit christen machen were das Thema nr. 1 der medien und der westen würde sofort mit Militärischen invasion drohen.

    • Suroyo am 19.09.2017 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Soldier

      Falsch! Es ist genau umgekehrt!

    • Patrick am 19.09.2017 20:32 Report Diesen Beitrag melden

      Verkehrte Welt

      Was für ein Unsinn. Darum werden ja auch immer wieder Verbrechen von jenen verheimlicht und runtergespielt und werden so erst viel später publik. Ob in Köln, Rotherham etc.

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  • Cavi33 am 19.09.2017 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Friedensnobelpreis

    Wie kann denn die Regierung die Gewalt verurteilen wenn sie selbst der Auslöser ist.

    • Burma am 19.09.2017 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cavi33

      Weil die Regierung nicht Einheitlich ist, über 25% der Regierung besteht leider noch aus dem Militär und somit hat die Partei von Aung San Suu kyi keine macht etwas zu ändern.

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