Libanon

04. November 2017 13:12; Akt: 04.11.2017 21:58 Print

Premier tritt aus Angst vor Ermordung zurück

Der Ministerpräsident Libanons hat unerwartet seinen Rücktritt bekannt gegeben. Er fürchtet, jemand wolle ihn töten – wie seinen Vater vor ihm.

Fürchtet um sein Leben: Saad Hariri tritt zurück. Video: Tamedia/AFP
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Sein Vater starb bei einem der schwersten Bombenanschläge im Libanon. Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri fürchtet offenbar das gleiche Schicksal – und tritt nun zurück. Hariri verkündete seinen Rücktritt am Samstag überraschend. Er fürchte, wie sein Vater und früherer Ministerpräsident Rafik Hariri ermordet zu werden, begründete der 47-Jährige seinen Rücktritt am Samstag in einer Fernsehansprache.

Das politische Klima im Land sei ähnlich wie vor der Ermordung seines Vaters. «Ich spüre, dass eine Verschwörung läuft, die auf mein Leben abzielt.» Der arabische Fernsehsender al-Arabiya berichtete am Samstag unter Berufung auf ungenannte Quellen, dass der Regierungschef in den vergangenen Tagen bereits einem Anschlag in Beirut entgangen sei.

Kritik an Iran und Hizbollah

Zugleich kritisierte Hariri den Iran und dessen Verbündeten, die libanesische Hizbollah. Sie wollten das Land unter ihre Kontrolle bringen. Der Iran habe das Schicksal der Staaten der Region in der Hand und die Hizbollah sei ihr verlängerter Arm, sagte Hariri in seiner in Saudiarabien gehaltenen und von al-Arabiya ausgestrahlten Rücktrittsrede.

In jüngster Zeit habe die Hizbollah «mit der Kraft ihrer Waffen Tatsachen geschaffen». Das Waffenarsenal der Hizbollah, die den syrischen Staatschef Baschar al-Assad unterstützt, ist mittlerweile umfangreicher als das der libanesischen Armee. Die Miliz beansprucht für sich, Libanons einziger Schutz gegen mögliche Angriffe durch das benachbarte Israel zu sein und lehnt eine Entwaffnung ab.

Tief gespalten

Das libanesische Parlament ist tief gespalten zwischen dem von den USA und dem sunnitischen Saudiarabien unterstützten Lager um Hariri und einem von Hisbollah-Partei angeführten Block, der vom Iran und von Syrien unterstützt wird. Die politischen Gräben haben sich durch den Konflikt im Nachbarland Syrien weiter vertieft.

Hariris Vater und 22 weitere Menschen waren im Februar 2005 bei einem Bombenanschlag auf den Konvoi des ehemaligen Regierungschefs in der libanesischen Hauptstadt Beirut getötet worden. Der Mord erschütterte und destabilisierte das Land.

Die Opposition machte Syrien für den Anschlag verantwortlich. Nach wochenlangen Massenkundgebungen war die Regierung in Damaskus gezwungen, ihre Truppen nach Jahrzehnten aus dem Libanon abzuziehen.

Verhaltene Reaktionen

Libanons Staatschef Michel Aoun, ein maronitischer Christ, wollte nach Angaben seines Büros Hariris Rückkehr aus Saudiarabien abwarten, um sich über die Umstände seines Rücktritts zu informieren und über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Der Drusenführer Walid Jumblatt sagte in einer ersten Reaktion auf die Rücktrittsankündigung, der Libanon sei «zu klein und verletzlich, um die wirtschaftliche und politische Bürde dieser Demission zu tragen». Er werde sich weiter für einen Dialog zwischen Saudiarabien und Teheran einsetzen – die beiden Schwergewichte der Region.

Hariris Koalition unter Einschluss der Hizbollah war erst im Dezember 2016 gebildet worden. Der schwerreiche Politiker war bereits zwischen 2009 und 2011 Regierungschef. Seine Regierung war seinerzeit zerfallen, nachdem die Hisbollah-Bewegung ihre Minister aus dem Kabinett abgezogen hatte.

Gemäss der libanesischen Verfassung muss der Präsident ein maronitischer Christ sein. Der Regierungschef muss ein sunnitischer Muslim, und der Parlamentspräsident muss ein Schiit sein.

Stärkste Kraft

Die radikalislamische Hizbollah (Partei Gottes) entstand 1982 mit iranischer Unterstützung als Antwort auf die israelische Invasion im Libanon. Seitdem kämpft sie politisch, aber auch mit Gewalt gegen Israel und für die Errichtung einer «Herrschaft des Islams».

Die schiitische Partei gilt mittlerweile als eine der stärksten politischen Kräfte im multikonfessionellen Libanon. Finanziert wird sie Berichten zufolge hauptsächlich aus Teheran.

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ursina am 04.11.2017 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Schade aber irgendwie verständlich. Das Land sollte endlich in Frieden weiterkommen!Das wird aber immer schwieriger , jetzt noch mehr.

  • Maler50 am 04.11.2017 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade!

    Schade,es scheint das Libanon wieder immer weiter so n die Krise rutscht.Mag nicht gerne zurück denken als in Libanon jahrelang ein Bürgerkrieg tobte.Hatte gehofft dass Libanon besseren Zeiten in der Zukunft erleben darf,Schade!!

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  • Typhoeus am 04.11.2017 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Länder, in denen Politmord

    offenbar zum guten Ton gehört.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Shirin am 05.11.2017 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem im Libanon

    ist seit jeher, dass die verschiedenen Religionsgruppen nicht miteinander, sondern nur nebeneinander leben wollen.

  • Sami am 05.11.2017 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Künstliche Staaten

    haben es schwierig zu überleben. Danke Frankreich!

  • will die nicht bei uns=sonst gleich am 05.11.2017 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Die flüchten alle

    nach Europa. Wenn sie aber zusammenhalten würden, könnten sie veränderungen bewirken. Wir können es nicht. Und Kriege führen für die, nein danke. Wir sind eh schon zu wenige und hätten keine Chance gegen so eine Menschliche übermacht!

  • Te Rasse am 05.11.2017 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feige?

    Und wieder beugt sich jemand vor der Gewalt und flüchtet vor der Verantwortung. Wie will man bei solchem Gebahren wirklich Veränderungen bewirken?

  • Scirocco am 05.11.2017 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Ruhe

    Politmorde sind nichts Neues. Im Libanon erst recht nicht. Dass Saad Hariri es gewagt hatte das Amt zu übernehmen hatte eigentlich überrascht. Der Rücktritt nicht. Die Bedrohung durch die Schia-Miliz ist real. Israel freuts...