Grossbritannien

02. November 2017 07:48; Akt: 02.11.2017 16:13 Print

Belästigungsvorwurf – Mays Minister tritt zurück

Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon hat nach Vorwürfen sexueller Belästigung sein Amt niedergelegt.

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Grossbritanniens Verteidigungsminister Michael Fallon ist zurückgetreten. Er habe sich wohl selbst nicht an die Standards gehalten, die er vom Militär erwarte, schrieb Fallon am Mittwoch in einem Brief an Premierministerin Theresa May. Die Regierungschefin lobte die Ernsthaftigkeit, mit der Fallon seine Position überdacht habe. Der 65-Jährige war seit 2014 im Amt.


Hat 2002 eine Journalistin belästigt: Verteidiungsminister Michael Fallon tritt zurück. (Video: Reuters)



Zuvor hatte es Berichte gegeben, Fallon habe sich gegenüber der Journalistin Julia Hartley-Brewer unangemessen benommen. Fallon räumte laut eines Berichts der Zeitung «The Guardian» ein, der Journalistin vor 15 Jahren mehrfach die Hand aufs Knie gelegt zu haben. Daraufhin habe sie ihm ruhig und höflich eine Ohrfeige angedroht.

Amüsiert über «Kneegate»

Fallon habe die Hand dann weggenommen, schrieb das Blatt. Hartely-Brewer erklärte, sie fühle sich in dieser Sache nicht als Opfer sexueller Belästigung, sondern sei leicht amüsiert. In Medienberichten über den «Kneegate» genannten Vorfall wurde jedoch davon ausgegangen, das es bald neue Vorwürfe gegen Fallon geben könnte.

In Grossbritannien kursiert derzeit eine ganze Reihe von Berichten über sexuelle Belästigung und Missbrauch in der Politik. Mitarbeiterinnen der Conservative Party warnten Frauen mit einer bislang geheimen Liste vor aufdringlichen Parlamentariern. Auch Kabinettsmitglied Damian Green soll eine Frau am Knie berührt haben und ihr in Verbindung mit Karriereratschlägen Avancen gemacht haben.

Die Labour-Abgeordnete Lisa Nandy sagte, sie habe schon vor drei Jahren die Sorge geäussert, dass Parteiführer Vorwürfe wegen sexueller Missbräuche zurückhielten, um die betreffenden Abgeordneten so auf Parteilinie halten zu können. May hat die anderen Parteiführer zu einem Treffen gebeten, bei dem über den Umgang mit solchen Berichten gesprochen werden soll.

(mlr/ap)