Trumps Wahlkampfteam

18. Mai 2017 15:05; Akt: 18.05.2017 16:25 Print

18 Anrufe und E-Mails nach Russland

Trumps Mitarbeiter hatten während des Wahlkampfs Kontakt zu Vertretern Russlands. Sie wollten etwa einen geheimen Kommunikationskanal zu Putin einrichten.

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Der zurückgetretene Sicherheitsberater Michael Flynn und andere Personen aus Donald Trumps Wahlkampfteam standen in den letzten sieben Monaten im Rennen um die US-Präsidentschaft in Kontakt mit russischen Funktionären und anderen Personen mit Verbindungen zum Kreml.

Davon zeugen mindestens 18 E-Mails und Telefonate. Sie liegen dem FBI und den Ermittlern des US-Kongresses vor, die zurzeit den Vorwürfen nachgehen, Russland habe sich in den Präsidentschaftswahlkampf zugunsten Trumps eingemischt und Trumps Wahlkampfteam habe Kontakte zu Russland unterhalten.

Geheimer Kommunikationskanal zu Putin

In der Zeit zwischen April und November 2016 kam es Reuters zufolge zu sechs Telefonaten zwischen dem russischen Botschafter
Sergei Kislyak – ihm und dem russischen Aussenminister Sergei Lawrow soll Trump letzte Woche Geheimdienst-Informationen weitergegeben haben – und Trump-Beratern wie Michael Flynn, der später als nationaler Sicherheitsberater zurückgetreten war. Flynn war ein Telefonat mit dem russischen Botschafter in Washington zum Verhängnis geworden, in dem er ein Ende der Sanktionen signalisiert haben soll.

Nach dem 8. November und Trumps Sieg hätten sich die Kontakte intensiviert. Der nationale Sicherheitsberater Flynn und Botschafter Kislyak diskutierten offenbar die Einrichtung eines sogenannten Back-Channels zwischen Trump und Waldimir Putin. Dieser geheime Kommunikationskanal sollte an anderen Behörden vorbeigeleitet werden, da diese in den Augen der beiden Männer ein Hindernis bei der Verbesserung der russisch-amerikanischen Beziehungen darstellten.

Keine Hinweise für ein falsches Verhalten

Auch mit dem ukrainischen Oligarchen Wiktor Medwedtschuk, dem Patenonkel von Putins Tochter, stand das Trump-Team via Telefon, E-Mail oder Textnachrichten in Kontakt. Die Gespräche mit ihm drehten sich in erster Linie um das russisch-amerikanische Verhältnis, so Reuters. Medwedtschuk indes verneint nach wie vor jeden Kontakt zum Trump-Team. «Ich kenne niemanden von Trumps nahen Mitarbeitern, weswegen es auch keine solche Gespräche geben kann.»

Die Regierungsvertreter, die Reuters die Informationen gaben, sagten, sie hätten in den bislang überprüften Kommunikationsvorgängen keine Hinweise für ein falsches Verhalten erkannt.

Pragmatischer, geschäftlicher Ton

In den Gesprächen während des US-Wahlkampfes hätten die Russen einen pragmatischen, geschäftlichen Ton angeschlagen, so die Reuters-Quellen. Sie hätten gegenüber den Trump-Mitarbeitern unterstrichen, dass man Deals aushandeln könne, indem man sich «auf gemeinsame wirtschaftliche und andere Interessen fokussiere und kontroverse Punkte ausklammere».

Dennoch könnte sich mit dem Bekanntwerden der 18 Kontaktaufnahmen der Druck auf Trump und seine Berater weiter erhöhen, dem FBI und dem Kongress einen vollständigen Einblick in ihre Beziehungen zu Russen und anderen Vertretern mit Verbindungen zum Kreml zu gewähren.

Auch wenn die Gespräche und Mails mit russischen Funktionären keine Hinweise auf ein Fehlverhalten liefern, sind die zahlreichen Kontaktaufnahmen selbst Republikanern suspekt: Ehemaligen Wahlkampfmitarbeitern zufolge sei dies während einer Wahlkampfkampagne zwar nichts Aussergewöhnliches, aber die Anzahl der Interaktionen zwischen Trumps Mitarbeitern und Personen mit Verbindungen zu Putin sei doch «aussergewöhnlich».

«So viele Telefonate sind selten»

«So viele Telefonate mit ausländischen Vertretern sind selten. Vor allem zu solchen aus einem Land, das wir als gegnerische Macht ansehen», sagt Richard Armitage, Republikaner und stellvertretender Aussenminister unter George W. Bush.

Bis jetzt streitet US-Präsident Trump ab, dass sein Team während des Wahlkampfs irgendwelche Kontakte nach Russland unterhalten habe. «Ich erwarte, dass dieses Thema schnell beendet sein wird», so Trump am Mittwoch. Mittlerweile hat das Justizministerium den Sonderermittler Robert Mueller eingesetzt, der die Sache aufklären soll.

Den aktuellen Reuters-Report wollte das Weisse Haus nicht kommentieren. Auch die Anwälte von Michael Flynn äusserten sich nicht. Reuters fragte auch in Moskau nach: «Ein Vertreter des russischen Aussenministeriums lehnte einen Kommentar ab und verwies auf die Trump-Administration zurück», schreibt die Nachrichtenagentur.

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Céline Strahm am 18.05.2017 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na und, sollen sie doch!

    Eine Verbesserung der Beziehungen ist anscheinend nicht erwünscht! Echt krank, das Volk will lieber Stress als Frieden...

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  • Aleesias am 18.05.2017 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Impeachment

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  • Andreas Honegger am 18.05.2017 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Lügner

    "Es gab keine..." - das war offensichtlich gelogen. Was lügt er sonst noch zusammen? Auch wenn diese Kontakte "harmlos" waren - gab es noch andere, brisantere? Warum bespricht er schon seine künftige Politik, wenn er dann Präsident ist? War das so sicher? Oder war sicher, dass genügend nachgeholfen werden kann? Nein, seriös ist er nicht, ehrlich auch nicht, vertrauenswürdig definitiv gar nicht mehr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mr. BVB am 18.05.2017 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie in einem schlechten Film

    Schon lustig trump feuert alle Leute, die unbequem werden. Spricht ihnen die Komplimente wie blender zu oder das ganz Washington von seiner schlechten Arbeit überzeugt sei. Er wirft mit Steinen im Glashaus umher und wundert sich über jegliche Kritik seiner Person gegenüber. Hexenjagt ;-) gerade er muss jammern. Der Typ ist als Präsident unwürdig, unterqualifiziert, benimmt sich daneben. Steuergeschenke für reiche, Obamacare abschaffen, rassistische Gesetze, Umwelt zerstören. Genau das wollen die Wähler? Das soll Demokratie sein??? Ich glaube Stephen Hawkins muss die 100 J. Korrigieren ;-)

  • Thomas am 18.05.2017 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Oooh

    Ooooh, wie schlimm. Es gab 18 anrufe und e-Mails nach russland. Pooah, wirklich krass. Unmöglich dieser trump, der kommt sogar mit den Russen gut aus. Uiuiui, wie schlimm. LOL

  • cadifilo am 18.05.2017 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    USA weit weg..

    Bin bestimmt kein blinder Amifan aber mal ernsthaft: Was kümmert uns das Theater um Trump? War schon vier mal in den Staaten seit Trump Präsi ist, da ist's trotz dem gleichen Medienhype rhuiger um das Thema.. In vier Jahren gibts nen neuen Präsi, wenn nicht nochmal Hilary antritt. Wir sollten doch lieber schauen, dass niemand unsere Abstimmungen und Wahlen beinflusst!

  • Igel am 18.05.2017 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas neues

    Vielleicht braucht Amerika eine Frauenquote als Präsidentin?

  • Lenny am 18.05.2017 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heikle Situation

    Solche Aktionen erfordern Transparenz und sollten offen kommuniziert werden ... damit genau solche Situationen nicht entstehen und zu Spekulationen führen.